Leutenbach

Die Grundschüler haben wieder alle Unterricht in der Schule  -  kein Homeschooling mehr

Grundschule Nellmersbach
Auch die Pausen sind „versetzt“: Es sind nie alle Schüler gleichzeitig draußen. Foto: Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

Das Aufatmen der Eltern sei deutlich zu hören, kommentiert der Nellmersbacher Schulleiter Oliver Kurr den Start des „Regelbetriebs unter Pandemiebedingungen“, wie es offiziell heißt. Auch er selbst und sein Kollegium seien natürlich froh. Und bei Grundschülern ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass sie sich uneingeschränkt freuen, wieder in die Schule zu dürfen, ihre Klassenkameraden und Lehrer wiederzusehen. Kurr schreibt es im Brief an die Eltern so: „Wir alle haben diesen Schritt herbe gesehnt.“

Der sperrige Titel heißt nämlich übersetzt: Alle Kinder kommen wieder zurück. Wenn auch nicht gleichzeitig. Die Klassen rücken morgens im Zehn-Minuten-Abstand-Takt an. Und der gilt auch für die Pausen. Dort sind zwei „Reviere“ gebildet worden, entlang des Wegs, der durchgeht. Eine Klasse macht dort Pause, die andere auf der anderen Seite. Ans Spielhäuschen ran, in dem die Spiel- und Sportsachen für die Pause sind, kommt jede Klasse jeden zweiten Tag. Die Taktung bedeutet, dass die erste Klasse morgens um 8 Uhr kommt und die erste große Pause um 9.35 Uhr hat. Die zweite kommt um 8.10 Uhr und hat die erste große Pause um 9.45 Uhr. Und so weiter. Es sind also nie alle Kinder gleichzeitig auf dem Pausenhof. Die Schule hat derzeit sieben Klassen, jeweils zwei in der ersten, der zweiten und der dritten Klassenstufe und eine in der vierten. Jede Klasse hat nun vier Stunden pro Tag Unterricht, volle Stunden, nicht wie sonst üblich nur 45 Minuten.

Davor rollierend: Eine Woche in der Schule, eine Woche daheim

Davor gab es ein rollierendes System. Es waren jeweils zwei Klassenstufen wochenweise in der Schule, in Nellmersbach die zweite und die vierte zusammen, die erste und die dritte hatten Home-Schooling, „Lernen daheim“, wie es Kurr ausdrückt. In der Woche danach war es umgekehrt. Dabei waren allerdings die Klassen vor Ort noch mal intern aufgeteilt, in jeweils zwei Lerngruppen, die nacheinander Präsenzunterricht hatten, in jeweils Zweieinhalb-Stunden-Schichten am Tag. Für mehr habe man gar nicht das Personal gehabt, so Kurr.

Sein Kollegium sei aber gleichwohl, toi, toi, toi, sehr gut aufgestellt gewesen. Es gab, wenn man so will, nur zwei „Problemfälle“. Eine Kollegin, die schwanger ist, also ohnehin nicht Präsenzunterricht geben durfte, musste ausschließlich Home-Schooling machen. Zwei Kolleginnen, davon ist eine seit Mitte Juni da, sorgen dafür, dass auch die betreffende Klasse vier Zeitstunden Unterricht hat. Eine Kollegin, für die es das letzte Schuljahr vor der Pensionierung ist, die altershalber zur Risikogruppe gehört, aber gesund und fit ist, durfte sich entscheiden. Sie wählte ganz bewusst den Präsenzunterricht, weil sie, so Kurr, sagte, so wolle sie nicht abtreten. „Sonst wäre ja für sie im März der letzte Schultag gewesen.“

Bei aller Freude über die Lockerung, „unter Pandemiebedingungen“ heißt es eben zum Beispiel kein Religions-, kein Musik- und kein Sportunterricht mehr in diesem Schuljahr, stattdessen volle Konzentration auf den Deutsch-, den Mathe- und den Sachkundeunterricht. Und das vier volle Stunden am Tag. Was Kurr, selbst begeisterter Sportler, bei Grundschülern für sehr anspruchsvoll hält. Man habe deshalb „Bewegungsangebote“ in den Klassenzimmern und damit einen Wechsel von An- und Entspannung geschaffen, etwa durch „Stuhlgymnastik“ oder durch Spiele wie das seit Generationen bewährte „Kommando Bimberle“. An der 60-Minuten-Taktung wiederum, abhängig von der Lehrer- und Stunden-Ausstattung, hat der Nellmersbacher Schulleiter durchaus Gefallen gefunden. Bei den üblichen Dreiviertelstunden nehme nämlich Organisatorisches im Verhältnis gesehen sehr viel Zeit weg.

Rektor: Auch für die Lehrer einschneidende Erfahrung

Für die Lehrer bedeute die Umstellung natürlich eine erhebliche Erleichterung, so Kurr. Man müsse ja bedenken, dass Home-Schooling einen enormen organisatorischen Aufwand für die Kollegen erforderte und dass es parallel ja auch Präsenzunterricht gab. Dass nicht direkt an der Schule unterrichten werden durfte, in Anwesenheit der Schüler, während der Lockdown-Zeit, das reiche in seiner Bedeutung schon an die Frage heran, warum man überhaupt Lehrer geworden ist, so der Schulleiter. Homeschooling sei dafür nun mal kein gleichwertiger Ersatz. Wobei sie das „Lernen daheim“ aber durchaus als Chance gesehen und ergriffen hätten, so Kurr. Nämlich dafür, bei den Kindern eine „Haltung“ auszubilden: dranzubleiben, konzentriert zu sein, durchzuhalten, eine Aufgabe abzuarbeiten, zum Abschluss zu bringen.

Bei aller Erleichterung und Freude, noch sei die aber gedämpft, betont Kurr. Denn Schulveranstaltungen seien weiterhin nicht erlaubt und damit vieles, was Schule eben auch ausmache, nicht möglich. Nichts geworden ist es mit dem geplanten Besuch eines Heimspiels der Ludwigsburger Basketballer. Mit denen hat die Nellmersbacher Schule seit Jahren ein Kooperationsprojekt mit dem Titel „Gib Rassismus einen Korb“. Auch das Training und die Abnahme der Leistungen für das Sportabzeichen fielen komplett aus, inklusive des bei den Schülern beliebten Besuchs des Freibads in Erbstetten für die Schwimmprüfung. Das Angebot „Obstpause“ fiel Corona zum Opfer, ebenso die „Schulversammlung“ mit allen rund 130 Schülern oder die Klassenausflüge. Die vierte Klasse hätte die Hundertwasser-Ausstellung im Ludwigsburger Schloss besuchen dürfen. Selbst den geplanten Schullandheimaufenthalt für die künftigen Viertklässler sieht Kurr durchaus noch nicht in trockenen Tüchern.

Das Aufatmen der Eltern sei deutlich zu hören, kommentiert der Nellmersbacher Schulleiter Oliver Kurr den Start des „Regelbetriebs unter Pandemiebedingungen“, wie es offiziell heißt. Auch er selbst und sein Kollegium seien natürlich froh. Und bei Grundschülern ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass sie sich uneingeschränkt freuen, wieder in die Schule zu dürfen, ihre Klassenkameraden und Lehrer wiederzusehen. Kurr schreibt es im Brief an die Eltern so: „Wir alle haben diesen Schritt herbe

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