Leutenbach

Die neue Pfarrerin hat ein offenes Ohr

77fb1886-fd83-4233-9dd6-e16001f26426.jpg_0
Susanne Blatt ist von Januar an die neue Gemeindepfarrerin der evangelischen Kirche Leutenbach. © Nägele / ZVW

Leutenbach. Sie liebt es zu laufen. Einmal im Jahr tritt Susanne Blatt bei einem Halbmarathon an. „Bewegung ist wichtig, um den Kopf freizukriegen“, sagt die 51-Jährige. Ab Januar ist sie evangelische Gemeindepfarrerin für Leutenbach. Zunächst sind ihr die Gespräche wichtig, in denen sie den Ort, die Menschen, aber auch den Kirchgemeinderat kennenlernen möchte.

Video: Die neue Pfarrerin Susanne Blatt stellt sich vor.

Susanne Blatt ist ein Mensch, der sich nicht gerne vor großen Bücherregalen ablichten lässt. Sie mag es bodenständig und nicht hochgestochen. Und sie will das Gefühl vermitteln, dass sie ein offenes Ohr für die Menschen hat, offen gegenüber der Gemeinde ist und dem, was sie erwartet. „Die Kirche soll ein Ort sein, an dem man sich versteht“, sagt die 51-Jährige, das Zuhören eine wichtige Eigenschaft. „Man kann mit Fragen kommen und diese weiter entwickeln.“ Ihr ist es wichtig, dass man in der Kirche Gemeinschaft erlebt, sei es im Gottesdienst oder mit Gruppen, und die Kirche ein Ort der Begegnung mit einer niedrigen Schwelle ist. „Jeder kann kommen.“ Und wer Hilfe braucht, zu dem will sie gehen.

Warum sich Susanne Blatt für Leutenbach entschieden hat, hängt mit dem ökumenischen Kirchturm zusammen, der ihr auf Anhieb gefallen hat, aber auch der offene Kirchenraum. Ganz anders, als sie es zuvor erlebt hat. „Ich komme von einer Kirche, die 400 Jahre alt ist“, sagt sie. „Voller Prunk und Pracht.“ In Leutenbach sei man nah bei den Menschen – das möge sie sehr.

Im Einsatz für den Frieden in Israel und Palästina

Die vergangenen drei Monate verbrachte sie in Bethlehem. Im Rahmen des ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel (Eappi) beobachtete sie dort den Grenzübergang, versuchte mit den Soldaten zu sprechen, wenn jemand an der Grenze abgewiesen wurde, um Wege zu bahnen. Meist ist sie um drei Uhr morgens aufgestanden, um dann um vier Uhr an der Grenze zu stehen, wenn die ersten Arbeiter kamen. Die Vision des Programms Eappi ist es, lokale und internationale Anstrengungen zu unterstützen, um die israelische Besatzung zu beenden und einer Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts durch einen gerechten Frieden beizutragen, wie es auf deren Internetseite zu lesen ist. „Beide Völker leiden“, sagt Susanne Blatt mit nachdenklichem Ton. Sie sammelte Zahlen, die an die Uno vermittelt wurden. „Wichtig war es, keine Partei zu ergreifen“, sondern vielmehr mit ihrem Wirken zu bezeugen, dass Friede möglich sei.

Gleichzeitig waren die drei Monate eine Zwischenstation, um Abstand zur alten Stelle in Stockholm zu gewinnen, wo sie sieben Jahre lang gearbeitet hat. Die Zeit sieht sie als eine Bereicherung an. Die schwedische Gesellschaft hat sie als sehr offen wahrgenommen – als ein Miteinander, wobei das Anderssein des Einzelnen akzeptiert wird. Frauen arbeiten genauso in Vollzeit wie Männer. Das Steuersystem sieht keine Unterschiede bei Ehepartnern vor.

Leutenbach und Umgebung zu Fuß kennenlernen

Eine Ausgewogenheit in der Gemeinde ist ihr auch bei ihrer Arbeit als Pfarrerin in Leutenbach wichtig. „Was uns guttut, ist die Balance“, sagt Susanne Blatt. Für sie sei es daher eine Selbstverständlichkeit, dass etwa Männer genauso als Erzieher in einem Kindergarten arbeiten wie Frauen.

Ihr Mann und ihr Sohn (die Tochter schaut sich bereits nach einer Hochschule für ein Studium um) sind schon im September nach Leutenbach gezogen. Der Zehnjährige besucht die vierte Klasse der Gemeinschaftsschule. „Er ist gut angenommen worden und fühlt sich wohl“, sagt Susanne Blatt. Nun, nachdem Umzugskartons ausgepackt sind und die Wohnung fertig eingerichtet ist, hat sie Zeit, die Gegend und die Laufwege zu erkunden. Topografische Karten habe sie sich schon besorgt.

Die Nähe zu den Alpen will sie nutzen, um mit ihren Kindern Ski zu fahren, was sie ebenfalls gerne macht. In den Bergen ist sie aber auch im Sommer unterwegs „mit Steigeisen und Seil“, gesteht sie und lächelt. Mehrmals hat sie solche Ausflüge mit Konfirmandengruppen unternommen. Schön wäre es, wenn sich auch die jungen Leutenbacher dazu hinreißen ließen. „Bewegung ist wichtig“, sagt Susanne Blatt mit einem Augenzwinkern. „Es ist ein Abenteuer. Man erlebt etwas miteinander.“

In der Nähe von Lauffen aufgewachsen

Pfarrerin Susanne Blatt ist in Hausen bei Lauffen mit drei Brüdern aufgewachsen, wo ihre Mutter heute noch lebt. „Ich freue mich, wieder nah bei der Familie und den Nichten und Neffen zu sein“, sagt die 51-Jährige.

Sie studierte in Heidelberg sowie jeweils ein Jahr in Tübingen und Genf. Ordiniert wurde sie im schwedischen Uppsala.

Susanne Blatt ist verheiratet und Mutter einer Tochter (19) und eines Sohnes (zehn Jahre alt).

Nachdem Pfarrer Eberhard Feucht bereits im März 2015 nach Besigheim wechselte, nimmt Susanne Blatt ihren Dienst als evangelische Pfarrerin der Gemeinde Leutenbach im Januar auf. Ihren ersten Gottesdienst als Gemeindepfarrerin hält sie an Neujahr, 1. Januar, um 17 Uhr. Der Einsetzungsgottesdienst mit Dekan Timmo Hertneck findet am 8. Januar um 10 Uhr in der evangelischen Kirche statt.