Leutenbach

Die Rems-Murr-Halle in Leutenbach wird nach 46 Jahren kernsaniert

Rems-Murr-Halle Hammerschlag
Sonst ist der Beginn größerer Bau- oder Erschließungsarbeiten der Gemeinde willkommener Anlass für einen feierlichen „Baggerbiss“ oder „Hammerschlag“mit Publikum. Dieses Mal aber fand der Startschuss wegen Corona ziemlich unspektakulär aus: Bürgermeister Jürgen Kiesl griff zum Vorschlaghammer, der für die technische Gebäudeeinrichtung (Sanitär, Elektro, Heizung und Lüftung) zuständige Planer Claus Funk zum Brecheisen. Architekt Felix Stammler hielt sich ob der vereinten rohen Kräfte, die hier wüteten, lieber im Hintergrund. Foto Büttner © Benjamin Büttner

Es kracht und staubt. Schon als die Bauleute loslegen, ist klar: Das wird was Größeres hier, und von der bisherigen Rems-Murr-Halle wird arg viel nicht übrig bleiben. Im Grunde nur die Grundmauern. Kernsanierung heißt das, was in den kommenden Monaten bevorsteht. Aber zunächst schweift der Blick von Bürgermeister Jürgen Kiesl gebührend zurück. 1974 ging die Rems-Murr-Halle in Betrieb, ganz am Ende der Amtszeit von Kiesls Vorvorgänger Ernst Schniepp. Sie galt damals von ihrer Ausstattung her und auch vom Namen, der an den frisch gegründeten Rems-Murr-Kreis erinnern sollte, als „Leuchtturm“ und sie war für damalige Verhältnisse nicht gerade billig. Die Qualität, von der die Gemeinde, die Nutzer fast fünf Jahrzehnte profitierten, hatte ihren Preis. Viele Jahre lang musste kaum was gemacht werden, vieles ist sogar noch heute die Erstausstattung. 2005 erst war eine neue Heizung fällig.

Aber auch diesem Schmuckstück waren irgendwann die Jahre anzumerken, und so musste Kiesl bei Abokulturveranstaltungen als Hausherr in vorderster Reihe mitunter so manchen Spott seitens der Künstler über das „verstaubte“ Interieur und dessen verblichenen Charme anhören. Es war aber nicht nur das, wie der Bürgermeister einräumt, was letztlich die Gemeinde zum großen Schritt bewogen hat. Mit ein wichtiger Grund: Im Sommer ist es drinnen bollenheiß und im Winter wird es dort nie richtig warm. Kurzum, über die Halle, so wie sie eben 46 Jahre lang gewesen ist, sei nun mal die Zeit hinweggegangen, so Kiesl.

Die Gemeinde hat sich die Entscheidung gleichwohl nicht leicht gemacht, sie mehrfach verschoben, auch weil es im Gemeinderat Stimmen gab, die meinten, es sei noch keineswegs an der Zeit, und die angesichts der Rieseninvestition, die unausweichlich bei einem Baubeschluss bevorstand, anderes für dringlicher hielten. Kiesl verweist dazu darauf, dass man seit mittlerweile fünf Jahren an dem Projekt dran sei, die Zeit für eine Renovierung längst reif sei und dass man bei einem weiteren Zögern Fördermittel aus dem Landessanierungsprogramm riskiere. Die Corona-Krise habe auch die Bauwirtschaft erfasst, und es sei deshalb richtig, dass die öffentliche Hand investiere, um sie zu unterstützen. Die Halle wird nicht nur von der Gemeinde genutzt, sondern auch und gerade von Vereinen. Kiesl versichert, dass auch sie in die Planung der Renovierung eingebunden worden seien, um praxisgerechte Lösungen zu finden.

Auf den Sichtbeton kommt eine Holzverkleidung

Was steht nun konkret an, so die Frage an Bauamtsleiter Johannes Kocher. Also, die Außenfassade bekommt eine neue Dämmung und eine Verkleidung aus Holz auf den bisherigen Sichtbeton. Die Halle erhält also ein Facelifting, wird von außen ganz anders aussehen. Innen wird ein neuer Sportboden eingebaut, der allerdings auch für Veranstaltungen geeignet, also multifunktional sein muss.

Was bleiben wird, aus praktischen Gründen, ist, dass die Halle per Trennwand unterteilt werden kann, so dass zeitgleich zwei Gruppen sie für Unterschiedliches nutzen können. Die herausfahrbare Trennwand auf der Bühne bleibt gleichfalls erhalten. Dort tummeln sich nämlich nicht nur Musiker, Theaterspieler und Kabarettisten, die zum Publikum gewandt sind, sondern auch Gymnastikgruppen, und die brauchen keine Zuschauer. Diese technische Konstruktion sei ziemlich einmalig weit und breit, so Kocher, gar von einem Alleinstellungsmerkmal der Rems-Murr-Halle sprechend. Man kann in dieser Passage seiner Aufzählung, was sich alles verändert, neu wird, durchaus auch eine gewisse Anhänglichkeit heraushören, Anerkennung für das, was sich über so viele Jahre bewährt hat.

Fußbodenheizung und LED-Beleuchtung

Die Halle bekommt auch eine neue Pfosten-Riegel-Fensterfassade mit horizontalen und vertikalen Streben auf der dem Buchenbach zugewandten Längsseite. Die bisherigen schaurigen Heizkörperverkleidungen unter den riesigen Glasscheiben entfallen, müssen weg, eigentlich schon längst, wegen des Brandschutzes und der Verletzungsgefahr für die Sportler. Auch die andere Längsseite mit ihrer Holzverkleidung bekommt ein völlig neues Gesicht. Die seitherigen Lüftungsschlitze dort, ebenfalls nicht architekturpreisverdächtig, kommen weg. Die Be- und Entlüftung erfolgt künftig über zwei Deckenkanäle. Eine moderne, energie- und damit kostensparende LED-Beleuchtung wird eingebaut. Eine Fußbodenheizung kommt. Deckenstrahler hätten die seitherige Dachkonstruktion statisch überfordert, auch die hätte sonst erneuert werden müssen, erklärt Kocher. Eine neue Heizlüfttechnik mit Energierückgewinnung wird eingebaut, Abluft zum Heizen genutzt.

Die Bühne bekommt eine neue Beleuchtung und eine neue Akustik, die Beschallung ist ein Schwachpunkt der seitherigen Hallentechnik. Das Foyer soll heller, einladender werden. Die komplette Wasserleitung wird saniert, um Legionellenbefall besser vorbeugen zu können. Die Heizung wird von Öl auf Gas umgestellt, damit ist auch ein entsprechender Anschluss fällig. Das Untergeschoss erhält eine Brandschutzdecke, dort werden zudem die elektrischen Leitungen komplett erneuert. Im Sanitärbereich ist ein WC bereits saniert worden, ein anderes wird es noch. Die Duschen und Umkleideräume bekommen neue Fliesen, die Duschen neue Köpfe, und neues Mobiliar ist dort fällig. Draußen wird der Zugang zum angrenzenden TSV-Vereinsheim barrierefrei, indem dorthin eine Ebene geschaffen wird. Barrierefrei werden in dem Zuge auch die WCs im Erdgeschoss der Halle, die im Untergeschoss werden saniert.

Es kracht und staubt. Schon als die Bauleute loslegen, ist klar: Das wird was Größeres hier, und von der bisherigen Rems-Murr-Halle wird arg viel nicht übrig bleiben. Im Grunde nur die Grundmauern. Kernsanierung heißt das, was in den kommenden Monaten bevorsteht. Aber zunächst schweift der Blick von Bürgermeister Jürgen Kiesl gebührend zurück. 1974 ging die Rems-Murr-Halle in Betrieb, ganz am Ende der Amtszeit von Kiesls Vorvorgänger Ernst Schniepp. Sie galt damals von ihrer Ausstattung her

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