Leutenbach

Die Trompetenklasse der Leutenbacher Grundschule

trompeten
Marco, Marc, Luis und Stefania ganz konzentriert bei „Mary had a little lamb“. © Büttner / ZVW

Leutenbach. „Trompete ist laut“, warnt Rainer Wind vor. Laut ja, aber nicht unangenehm, denn was seine Trompetenklasse, alles Zweitklässler, da im Musiksaal der Gemeinschaftsschule von sich gibt, kann sich, nach nur einem knappen Jahr Unterricht, durchaus hören lassen.Im Video: Die Trompetenklasse der Gemeinschaftsschule Leutenbach.

Die acht Jungs und ein Mädchen üben außerdem nur einmal in der Woche gemeinsam, eine Schulstunde lang. Wind hat in der Schule einen Ruf, wenn er kommt, wird’s laut, heißt es. „Aber beschwert hat sich noch nie jemand bei mir“, scherzt Wind und gibt das Kommando „Alle ein C, ein D“. Okay, gut so, nur das E gerät etwas zu heftig in seinen Ohren. Er warnt, etwas weniger sei mehr, „sonst haut’s uns hier die Ohren weg.“

Den Kindern spielerisch die Musik nahebringen

Noch ein F und dann ein G, alles gut, der Lehrer ist zufrieden mit seinen Schützlingen, auch wenn er zwischendrein den einen oder andern „einfangen“, ihn daran erinnern, muss, dass es nur mit Blödeln nicht geht. Für den behutsamen Umgang mit Zweitklässlern, denen man zwischendrin auch mal einen Moment Klamauk zugestehen muss, ist Wind genau der Richtige, locker, aber eben auch zielorientiert, bestrebt, den Kindern spielerisch die Musik näherzubringen, so dass sie auch dauerhaft Freude daran gewinnen.

Auf geht’s, lasst mal hören, wie bei euch der rhythmisch einfache Kinderliedklassiker „Mary had a little lamb“ klingt. Wind begleitet am Schlagzeug. Ja, das höre sich schon gut an, wenn auch, meint der Lehrer, allerdings aufmunternd, nicht resignierend, der Weg zu einem richtigen Trompetenensemble noch weit sei.

Er verliert seine gute Laune nie, auch wenn er den einen oder anderen Misston nicht überhört. Sein Motto: Mit der Trompetenklasse beginnt die Woche gut. Einige der Kinder können schon Noten lesen, andere lernen es erst beim Trompetespielen.

„Man muss ja auch mal was falsch machen dürfen“

Kleiner Test zwischendurch: Jeder soll, alleine, eine bestimmte Note spielen. Als einer das Kaspern übertreibt, wird Wind kurz mal ernst, droht dem Spaßvogel mit Platzverweis, das wirkt. Andere auslachen geht gar nicht bei ihm. „Das mag ich nicht. Man muss ja auch mal was falsch machen dürfen.“Aber er versichert: Der Bub sei sonst einer der Besten, reiße sich bei den öffentlichen Auftritten, die die Trompetenklasse bereits hinter sich hat, immer am Riemen.

„Aber klar, die Trompete ist ein Instrument, mit der man viel Unsinn, ja Schaden anrichten kann. Das reizt Kinder eben. Man muss bei ihnen halt immer wieder Disziplin einfordern“, so Wind. Außerdem seien die Kids von ihren Erlebnissen am Wochenende noch „aufgeladen“.

Die Trompete sei das einfachste Instrument überhaupt

Als einer der Jungs seine Trompete aber versehentlich fallen lässt, wird Wind kurz fuchtig. Diese Schussligkeit, bei der das Instrument irreparabel beschädigt werden kann, ist für einen Vollblutmusiker wie ihn schier unerträglich. Zum Glück hat die Trompete aber keinen Schaden davongetragen, wie Wind bei der Inspektion erleichtert feststellt. Er findet schnell seinen Humor wieder.

Wind, Lehrer an der Winnender Musikschule, ist selbst studierter Trompeter, hat das Instrument bei seinem Musikstudium also als Hauptfach gehabt. Wer bei „Old Macdonald had a farm“ sich wundert, woher schmächtige Zweitklässler die viele Puste dafür haben, und unbedarft meint, Trompete sei doch wohl ziemlich schwierig, dem widerspricht Wind trocken: „Nö, überhaupt nicht.“

Sie sei nämlich, eigentlich, das einfachste Instrument überhaupt. Er lässt das Warum seine Schüler dem unerfahrenen Laien erklären und es auch vormachen. Also, man braucht nur drei Finger für die verschiedenen Noten und der Mund erzeugt mit den Lippen ja die Töne. Also ganz einfach, eigentlich.


Leutenbacher Musikmodell

Beim Leutenbacher Musikmodell kooperieren seit 2011 die Stadtjugendmusikschule, die örtlichen Grundschulen, die Musikvereine Leutenbach und „Gut Ton“ Weiler zum Stein, das Akkordeonorchester Leutenbach und fördernd die Gemeinde.

Alle Grundschüler haben im Rahmen des Musikunterrichts die Möglichkeit, ein Jahr lang kostenfrei für die Eltern ein Instrument zu erlernen. Die Instrumente werden dafür ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt.