Leutenbach

Die Blumenstraße in Leutenbach-Nellmersbach wird saniert

Blumenstraße Höhe Blumen Rieger
Bei der derzeitigen Sperrung geht es noch nicht um die Straßensanierung, aber so könnte es in diesem Jahr noch einmal aussehen. © Gabriel Habermann

Des einen Leid, des andern Freud, könnte man in dem Fall sagen. Die Zeiten allerdings, in denen sich hier die Leutenbacher über eine „Benachteiligung“ gegenüber den Nellmersbächern beschwert hätten, das berühmt-berüchtigte „Teilortsdenken“ zum „Ausbruch“ gekommen wäre, gehören längst der Vergangenheit an. So werden sich die Leutenbacher wohl kaum beklagen, weil nun statt der Hauptstraße die Blumenstraße gerichtet, die also vorgezogen, wird, sondern allenfalls darüber, dass ihre Hauptverkehrsachse wieder warten muss, sich deren Sanierung weiter verzögert.

Auch die Blumenstraße ist von der Sache her zweifelsohne „fällig“. Auch sie ist nicht gerade eine Seitengasse, sondern verläuft ziemlich parallel zur Ortsdurchfahrt, allerdings kurvenärmer als die und so wird sie denn auch zum Leidwesen der dortigen Anwohner von Ortskundigen mitunter als „Bypass“ missbraucht, verbotenerweise, denn die Zu- und Durchfahrt ist nur für Anlieger erlaubt. Die gibt es allerdings reichlich, was Kontrollen und das Feststellen von Verstößen nicht gerade erleichtert. Die Blumenstraße ist nämlich, von oben her, die Zufahrt für eine ganze Reihe von Straßen und Wegen, die bezeichnenderweise Blumenartennamen tragen, sie ist, bildlich gesprochen, der Blütenboden, an dem die Blätter hängen. Und rein zufällig liegt auch noch ein Blumencenter an ihr. Eines, das nicht nur Kunden aus dem Ort und deshalb entsprechenden Kundenautoverkehr hat.

Statt 600.000 Euro wohl nur 420.000 Euro Kosten

Die Verwaltung schlug in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats das Vorziehen der Blumenstraße mit Verweis auf die Verzögerung bei der Hauptstraße vor. Die Sanierung der Blumenstraße war eigentlich erst fürs kommende Jahr vorgesehen. Bürgermeister Jürgen Kiesl verwies auch darauf, dass man mittlerweile von einer deutlich geringeren Summe spreche, die die Maßnahme kosten werde: statt der zunächst geschätzten rund 600.000 Euro „nur“ etwa 420.000 Euro (Baukosten 390.000 Euro plus knapp 30.000 Ingenieur-Honorarkosten).

Diese „Einsparung“ kommt natürlich nicht daher, dass der Straßenbau selbst günstiger geworden wäre seit der Schätzung, im Gegenteil, sondern aus der mittlerweile gewonnenen Einschätzung heraus, dass es auch eine „Nummer kleiner geht“, was den Aufwand betrifft. Laut Verwaltung ist an den Wasserleitungen unter der Straße nämlich nichts zu erneuern und bei den Kanälen dort nichts zu richten, was Aufgraben (offene Bauweise) erfordert.

Arbeiten an Kanalschächten gehen ohne Aufgraben

Bei zwölf Schächten seien vor allem die Unterteile sanierungsbedürftig, das habe die Inspektion per Kamera ergeben und dies könne unterirdisch, ohne Auswechslung des Schachts, erfolgen. Die Verwaltung schlug vor, diese Arbeiten aber nicht in die Ausschreibung für die Straßensanierung aufzunehmen, weil sie andere Anforderungen hätten. Ansonsten würde man den möglichen Bieterkreis für die Straßenarbeiten von vornherein stark einschränken. Stattdessen sollten die erforderlichen Schachtsanierungen in Nellmersbach gebündelt und damit in einer größeren Menge ausgeschrieben werden, um damit günstigere Preise bei den Angeboten zu bekommen, so der Rat des Ortsbauamtes.

Kiesl betonte zudem, dass man mit der Blumenstraße bislang auch zugewartet habe, weil die bislang im Raum stehende Investitionen, 600.000 Euro, sonst anderes, ebenfalls Wichtiges, blockiert hätten. Dass die Blumenstraße aber sanierungsbedürftig, in schlechtem Zustand, sei, und deshalb seit langem anstehe, auch unabhängig von der vor zwei Jahren erstellen Prioritätenliste für Straßensanierungen, daran gebe es keinen Zweifel, ergänzte Bauamtsleiter Johannes Kocher. Allerdings reiche eine Deckensanierung, in den Unterbau müsse also nicht eingegriffen werden, die Leitungen darunter seien intakt. Die Blumenstraße jetzt zu sanieren, empfehle sich auch deshalb, weil im vergangenen Jahr die angrenzende Fliederstraße, ebenfalls deren Fahrbahndecke, saniert wurde.

Auch diese Maßnahme stand in der Prio-Liste, ebenso wie die Theodor-Heuss-Straße im Teilorte Leutenbach, an der die Gemeinschaftsschule, die beiden Kirchen und Gemeindezentren sowie die Sporthalle „Ob den Gärten“ liegen und wo deshalb der Linienbus durchfährt. Bei der Theodor-Heuss-Straße, die ebenfalls eine Parallele zur Ortsdurchfahrt ist, und daher auch immer wieder für Schleichverkehr um diese herum genutzt wird, war 2020 der Bereich von der Einmündung der Burgstallerstraße bis zu der der August-Lämmle-Straße saniert worden. Die beauftragte Firma schaffte den „Rest“ vom Abzweig an der Nellmersbacher Straße her 2021 nicht mehr, der soll im kommenden Frühjahr nachgeholt werden, zu gleichen Konditionen, versteht sich.

Noch mal zurück zur Blumenstraße: Zu der kam aus der Mitte des Gemeinderats die Anregung, bei der Sanierung, bei der doch sicher Bauabschnitte gebildet und damit Verkehrssperrungen abschnitts- und zeitweise erfolgen würden, diese im Bereich des Blumencenters nicht unbedingt in dessen Hauptgeschäftszeitraum im Jahr zu legen. Die Bitte wird wohl Gehör finden bei der Verwaltung und den Planern.

Des einen Leid, des andern Freud, könnte man in dem Fall sagen. Die Zeiten allerdings, in denen sich hier die Leutenbacher über eine „Benachteiligung“ gegenüber den Nellmersbächern beschwert hätten, das berühmt-berüchtigte „Teilortsdenken“ zum „Ausbruch“ gekommen wäre, gehören längst der Vergangenheit an. So werden sich die Leutenbacher wohl kaum beklagen, weil nun statt der Hauptstraße die Blumenstraße gerichtet, die also vorgezogen, wird, sondern allenfalls darüber, dass ihre

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