Leutenbach

Energiesparen in Leutenbach: Höchsttemperatur beim Hallensport künftig 18 Grad

Infoveranstaltung zum Breitbandausbau, Gemeindehalle Leutenbach-Weiler zum Stein, 01.06.2022.
Bei Versammlungen dürfen es 19 Grad sein. Wenn es so voll ist und hoch hergeht wie in der Gemeindehalle Weiler zum Stein bei der Informationsveranstaltung zum geplanten Breitbandausbau, braucht es ohnehin keine Heizung. Aber was, wenn dort im Winter Yoga stattfindet? © Benjamin Beytekin

Wie hoch darf, soll die Temperatur in den Hallen der Gemeinde künftig höchstens sein? Die Kommunen, auch Leutenbach, sollen ihren Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung leisten, vor allem damit, den Verbrauch von Energie und dort vor allem Gas, zu senken. Von der Bundesregierung gibt es dazu zwei Verordnungen mit Vorgaben für öffentliche Gebäude, einmal für kurzfristige Maßnahmen (bis Ende Februar), einmal für mittelfristige (bis Ende September 2024). Damit soll vor allem vermieden werden, dass es in diesem und/oder im nächsten Winter zu einer Notsituation kommt. Derzeit ist dazu die „Alarmstufe“ ausgerufen, die nächsthöhere, die Notfallstufe, würde noch weiter einschneidendere Maßnahmen bedeuten.

Die Bürgermeister im Rems-Murr-Kreis haben bei einer Versammlung einheitliche maximale Raumtemperaturen festgelegt (sofern dies technisch möglich und sinnvoll ist): in Kitas 22 Grad (ausgenommen Wickelbereiche), in Klassenräumen der Grundschulen 20 Grad, in denen von Gemeinschaftsschulen (wie in Leutenbach, aber sicher auch in Realschulen oder Gymnasien) 19 Grad, in Verwaltungsräumen von Kindergärten und Schule ebenfalls 19 Grad, in Hallen und Räumen bei Veranstaltungen auch 19 Grad und in Sporthallen 15 Grad.

Empfehlung, mit dem Duschen nach dem Sport „aussetzen“, folgt Gemeinde nicht

Außerdem wird empfohlen, mit dem Duschen für den Trainingsbetrieb in den Hallen „auszusetzen“. Da macht Leutenbach allerdings nicht mit, denn die Gemeinde verweist darauf, dass der Betrieb der Duschen wichtig sei, auch um einer Verkeimung des Trinkwassers vorzubeugen. Wenn das Warmwasser komplett abgestellt würde, müsste nämlich dennoch alle drei Tage gespült werden und außerdem wäre vor der Wiederinbetriebnahme eine thermische Desinfektion erforderlich, so die Gemeindeverwaltung. Die auch darauf verweist, dass damit insgesamt kaum erheblich Energie gespart würde, weil dann eben daheim geduscht werde, das Duschen also nur ins Private verlagert werde.

Sie führt außerdem ins Gefecht, dass Duschen nach dem Sport vor allem in der kalten Jahreszeit wichtig sei, um Krankheiten vorzubeugen. Und dass, wenn unmittelbar nach dem Sport in den Hallen nicht geduscht werden könne, die Leute dann sofort heimgingen und nicht mehr anschließend ins angrenzende Vereinsheim oder benachbarte Wirtshaus, die dann also damit Kundschaft verlören.

Sie empfehle also nicht, das Duschen auszusetzen beziehungsweise das Warmwasser abzustellen, so die Verwaltung, der der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung da auch nicht widersprach. Sie verwies zudem darauf, dass diese „freiwilligen“ Temperaturvorgaben über das hinausgehen, was Bund oder Land vorgeben, sprich niedriger sind, als das, was diese verlangen.

Leutenbach wird allerdings noch in einem weiteren Punkt von der vereinbarten Linie abweichen, nämlich der Vorgabe zur Höchsttemperatur von 15 Grad in Sporthallen. Da sind die Richtlinien „von oben“ ohnehin nicht eindeutig, nicht spezifisch. Das Kultusministerium des Landes gehe bei Sport in Hallen von „leichten bis mittelschweren“ Tätigkeiten aus und empfehle - wie generell - für diese maximal 19 Grad, so Bauamtsleiter Johannes Kocher. Der Bund wiederum lasse einen Spielraum zwischen 16 und 18 Grad.

Die Gelegenheit also, könnte man sagen, für Bürgermeister Jürgen Kiesl „einzuhaken“, nämlich mit dem Vorschlag, wenigstens ein Grad höher zu gehen als das, was im Bürgermeistersprengel besprochen wurde, also maximal 16 Grad. So laute auch die Empfehlung des Württembergischen Leichtathletikverbands (WLV). Die Einsparung liege je Grad weniger bei etwa sechs Prozent, so Kiesl.

Einstimmig für 18 Grad

Dass 15 Grad eindeutig zu kalt wären, darüber war man sich im Gemeinderat schnell einig. Sport bedeute ja nicht nur, dass dort dauernd herumgerannt werde, so Alexandra Hackl-Hieber, FWG. Es gebe auch andere Sportangebote in den Leutenbacher Hallen etwa Yoga oder Gymnastik für Ältere, betonte auch ihr Fraktionskollege Erwin Schmid, der riet, es nicht bei dem nur einen Grad mehr, wie von Kiesl vorgeschlagen, zu belassen, weil der Unterschied zwischen 15 und 16 Grad nicht groß sei. Wenn schon, dann solle man gleich auf 18 Grad „hochgehen“: „Klar, wenn Fußball gespielt wird, braucht man die nicht, aber was, wenn danach gleich Yoga kommt?“ Das Problem sei auch, dass man die Hallentemperatur so kurzfristig gar nicht ändern, steuern könne.

Nur 15 oder 16 Grad sei beim Sport für Ältere und auch kleine Kinder eindeutig zu kalt, befand auch Hartmut Lämmle, SPD und selbst Senior. Er sei dazu schon von besorgten Bürgern angesprochen worden. Auch Jugendliche stünden beim Sport in der Halle öfters nur um, so Karin Kögel, CDU, die bezweifelt, ob nur ein Grad mehr oder weniger Temperatur überhaupt steuerbar ist. Allerdings hat auch sie nicht vergessen, dass, Stichwort fehlende Steuerung, es in den Hallen oft auch schon zu warm war und dass auch deswegen geklagt wurde.

Kiesl fasste die Diskussion schließlich so zusammen: Die vorgeschlagenen 18 Grad (maximal) in den Sporthallen könne er mittragen, denn das würde immer noch eine erhebliche Einsparung gegenüber den Vorjahren bringen. Er betonte, dass die Gemeinde in der Pflicht stehe, Energie einzusparen, ihr bliebe da gar keine Wahl, es sei jedoch auch ihr Wille, ihren Beitrag zu leisten. Die 18 Grad seien zu vertreten, „aber nicht höher, und falls es rechtlich möglich ist“. Die 18 Grad wurden denn auch einstimmig beschlossen.

Straßenbeleuchtung: Leutenbach verweist auf Umstellung auf LED

Auch bei der Straßenbeleuchtung soll (ein)gespart werden. Kreisweit wird bei der Syna angefragt, ob die Beleuchtung einheitlich um 50 Prozent für einen begrenzten Zeitraum reduziert werden kann. In Leutenbach sind die meisten Lampen allerdings bereits auf energiesparendes LED umgestellt und diese werden seit Jahren zwischen 22 und 5.30 Uhr auf 50 Prozent der Leistung heruntergedimmt. Noch weiter zu reduzieren oder gar Leuchten abzuschalten, beziehungsweise die Straßenbeleuchtung in ganzen Straßenzügen abzustellen, da hätte sie erhebliche Sicherheitsbedenken, so die Verwaltung, auch auf Haftungsrisiken und „extrem hohen Aufwand“ verweisend, der ihrer Einschätzung nach damit verbunden wäre. Der Großteil des Einsparpotenzials bei der Straßenbeleuchtung sei damit bereits „abgegriffen“. Es solle also nicht noch weiter reduziert werden, so die Empfehlung der Verwaltung, dazu gab es im Gemeinderat keinen Widerspruch.

Zum „Sonderfall“ Weihnachtsbeleuchtung raten die Bürgermeister im Kreis nicht zu einem kompletten Verzicht, allerdings durchaus zu einer Reduzierung dort, wo es sinnvoll sei. In Leutenbach sollen wie üblich die (öffentlichen) Weihnachtsbäume aufgestellt werden, wobei es dieses Jahr kleinere sein sollen. Auch dort wird LED verwendet, und die Beleuchtung soll zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet werden.

Eine weitere Maßnahme betrifft das Blockheizkraftwerk (BHKW) der Gemeinschaftsschule, das mit Gas betrieben wird, das Strom und Wärme erzeugt und durch dessen Betrieb für die Warmwassererzeugung weniger Gas verbraucht wird, als wenn dies über die leistungsstärkeren Gaskessel erfolgt. Hier ist der Plan, das BHKW abzuschalten, wenn durch den weiter steigenden Gaspreis der erzeugte Strom teurer wird, als wenn er von außen bezogen wird.

Ferner sollen die Gebäude der Gemeinde mit Wärmebildkameras überprüft werden, um größere Energieverluste zu erkennen, also „Lecks“, wo Wärme unnötig verloren geht, „verschwindet“, ausfindig zu machen und wenn möglich diese zu schließen.

Bei der Alarmstufe würden Veranstaltungen abgesagt

Sollte die Lage sich noch weiter zuspitzen, nach der Alarmstufe die Notfallstufe mit dem „Notfallplan Gas“ ausgerufen werden, wird es zu Absagen von Veranstaltungen der Gemeinde und von Dritten in Gemeinderäumen oder -hallen kommen. Der Plan dann wäre, möglicherweise als „Notnagel“, eine „Wärmehalle“ in der Rems-Murr-Halle einzurichten. Alle Hallen der Gemeinde werden bislang mit Gas beheizt. In der Rems-Murr-Halle besteht jedoch die Möglichkeit, einen der beiden Gasbrenner wieder auf Öl umzurüsten. Zudem ist der Öltank dort noch vorhanden. Laut Verwaltung kann die Grundlast für Heizung und Warmwasser durchaus mit nur einem Kessel sichergestellt werden.

„Wärmehalle“ hieße dann „Notfallquartier“ für die Bevölkerung. Käme es so weit, ginge es freilich nicht mehr um die Frage, ob 15 oder 18 Grad warm genug sind beim Sport.

Wie hoch darf, soll die Temperatur in den Hallen der Gemeinde künftig höchstens sein? Die Kommunen, auch Leutenbach, sollen ihren Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung leisten, vor allem damit, den Verbrauch von Energie und dort vor allem Gas, zu senken. Von der Bundesregierung gibt es dazu zwei Verordnungen mit Vorgaben für öffentliche Gebäude, einmal für kurzfristige Maßnahmen (bis Ende Februar), einmal für mittelfristige (bis Ende September 2024). Damit soll vor allem vermieden

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper