Leutenbach

„Es war wie ein Aufatmen!“

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Benjamin Layer
Die Bilder vom VfB-Spiel am Sonntag bleiben Benjamin Layer, Vorsitzender des Fanclubs Weiß-Rote Schwoba, noch lange in Erinnerung. © Palmizi/ZVW
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VfB
Nach dem Spiel am Sonntag sind Fans in der Mercedes-Benz-Arena aufs Spielfeld gerannt. © Büttner/ZVW

Leutenbach. Einen Tag nach dem fulminanten Saisonabschluss des VfB sind die Schwaben immer noch im Freudentaumel. Benjamin Layer vom Fanclub OFC Weiß-Rote Schwoba Leutenbach 2002 hat in der Mercedes-Benz-Arena den Aufstieg hautnah miterlebt. Im Interview spricht er darüber, wie es ihm dabei ergangen ist und welchen Einfluss der Aufstieg auf seinen Verein hat.

Video: Benjamin Layer über das Erlebnis in der Mercedes Benz Arena beim Spiel des VfB.

Wenn Sie an den Stadionbesuch am Sonntag denken, welche Erinnerung wird Sie in Zukunft am stärksten begleiten?

Die Emotionen der Fans, die im Stadion waren. Die Erwartungshaltung, dass es nun definitiv feststeht, dass man den Aufstieg geschafft hat – und die Begeisterung. Im Stadion wurden Fahnen hochgehalten, die ein Sponsor im Vorfeld verteilt hat – das waren tolle Bilder. Die Fans haben die ganze Saison über zum Verein gehalten und sich so sehr über den Aufstieg gefreut, das bleibt einem in Erinnerung – mit Sicherheit.

Können Sie es nachvollziehen, dass Fußballfans nach einem solchen Spiel sich ein Stück Rasen mit nach Hause nehmen?

Da gehen die Emotionen und die Begeisterung mit einigen durch. Es wurde darum gebeten, dass man den Platz nicht betritt. Aber die Freude der Fans war so groß, dass nach dem Spiel viele aufs Feld gerannt sind. Ich denke aber, das kommt einem Verein auch wieder zugute. Das sind Erinnerungen, die sie so schnell nicht mehr vergessen werden. Die Erinnerungen bleiben. Das war ja nicht nur in Stuttgart so, sondern auch in Hamburg oder Köln. Da nehmen sich die Leute eben auch mal ein Stück Rasen mit.

Sie haben dann also auch ein Stück Rasen in Ihrer Vitrine liegen?

Nein. Ich habe kein Stück Rasen mitgenommen (lacht).

Rund um das Stuttgarter Stadion war ja am Sonntag einiges los. Wie haben Sie das Geschehen wahrgenommen?

Die Freude war groß. Es war wie ein Aufatmen, dass der Verein es tatsächlich geschafft hat. Es war unabdingbar, dass man den Aufstieg schafft. Es war ein Fest für alle – sei es im Stadion oder auf dem Wasen beim Public Viewing. Die Stimmung erinnerte an die Meisterschaft im Jahr 2007.

Es ist leicht, Fußballfan zu sein, sofern man den FC Bayern liebt – was sagen Sie zu dem Satz?

Klar, mit dem FC Bayern kann sich der VfB nicht vergleichen. Man hat einfach eine Leidenschaft, wenn man für den VfB ist. Die Leute tragen sozusagen den roten Brustring. Es kann sich jeder seinen Verein raussuchen mit den entsprechenden Werten.

Die Fans sind mit dem Abstieg des VfBs durch die Hölle gegangen ...

... durch die Hölle kann man nicht sagen. Es war eben ein Zeugnis davon, dass man über die Jahre Fehler gemacht hat. Die Fehler wurden erkannt. Es war ein großes Glück für den VfB, dass nach dem Abstieg jetzt Leute für den Vorstand gefunden wurden wie Jan Schindelmeiser, Wolfgang Dietrich als Präsident, Stefan Heim als Finanzchef wie auch Trainer Hannes Wolf, die Ruhe reingebracht haben. Alle ziehen an einem Strang. Das ist der Unterschied zur Zeit nach dem Abstieg. Ich denke, es ist wichtig, dass jetzt in den Kader investiert wird und man schaut, was in der Zweiten Liga nicht so gut lief und besser gemacht werden kann.

Was bedeutet so ein Jahr für einen Fanclub wie den Leutenbacher?

Das ist der Sport. Klar freut man sich mehr, wenn der VfB gewinnt, wenn Siege eingefahren werden und der Verein Erfolg hat. Es muss nicht gleich die Meisterschaft sein, es reicht, wenn er gut in der Ersten Liga mitspielt. Ich denke, es bringt nichts, wenn man gegen den Verein arbeitet, sondern man muss mit ihm gehen. Der VfB hat seine Aufgabe gemacht, das Ziel ist erreicht und ich denke, dass auch die Fans an einem Strang ziehen müssen, um den Verein zu unterstützen. Mit dem Zuschauerrekord von über 50 000 Zuschauern bei den Heimspielen wurde ein Zeichen gesetzt.

Kann man sagen, dass die Fantastischen Vier es mit ihrem Auftritt auf dem Wasen und dem Lied Troy auf den Punkt gebracht haben: Ihr hattet schlechte Zeiten, wir waren auch dabei – wir bleiben troy ...

... genau. Ich denke, manchmal muss man eben auch zwei Schritte zurückgehen, dass man wieder einen guten nach vorne machen kann. Die Fußballbranche hat sich sehr verändert – auch der VfB. Immerhin steht jetzt am 1. Juni die wichtige Entscheidung zur Ausgliederung an.

Was sagen Sie zur Ausgliederung?

Es kann sich jeder sein Bild davon machen, wie er abstimmt. Ich denke, dass eine Ausgliederung wichtig ist, wie es auch Jan Schindelmeiser gesagt hat, dass bei einer Ausgliederung finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, die wiederum helfen können, eine Kontinuität in den VfB reinzubringen. Eine Garantie gibt es aber nie im Fußball.

Welche Konsequenz hat der Aufstieg des VfB für den Leutenbacher Fanclub?

In der Zweiten Liga sind es oft hartumkämpfte Spiele, die auch nicht immer schön anzusehen sind. Wir freuen uns, dass es wieder Spiele gegen die großen Vereine Europas gibt wie Dortmund oder den FC Bayern München. Der Abstieg hat unser Vereinsleben eigentlich nicht verändert, obwohl natürlich die Enttäuschung spürbar war – aber nur kurz. Zu der Region mit den großen, erstklassigen Firmen gehört einfach eine erstklassige Fußballmannschaft.

Hat der Fanclub Mitglieder verloren?

Nein, im Gegenteil. Analog zum Verein, der, wie er sagt, über 5000 Mitglieder gewonnen hat, haben auch wir Mitglieder dazugewonnen. Es gab keinen, der ausgetreten ist.

Jetzt geht es also motiviert weiter. Welche Pläne hat der Fanclub?

Nach der Sommerpause ist das Ziel, die Spiele in der Bundesliga zu verfolgen, das soziale Engagement des Fanclubs weiter zu fördern wie Vereinsabende zu organisieren, zu denen ab und zu auch ein Gast rund um den VfB kommt wie neulich Kevin Kuranyi.

Welcher Spieler sollte unbedingt mal in Leutenbach vorbeischauen?

Jürgen Klinsmann. Den hatten wir noch nicht bei uns. Den beobachte ich schon immer, seit ich mich für Fußball interessiere.

Immerhin ist er dem schwäbischen Dialekt treu geblieben ...

... genau. Daher passt er ja auch so gut zu uns – den Weiß-Roten Schwoba.

Der Fanclub

Gegründet wurde der Fanclub 2002, nachdem ein Jahr zuvor der Vereinsvorsitzende Benjamin Layer und Martin Maron den Entschluss gefasst haben, VfB-Profi Andreas Hinkel einen Fanclub zu bieten.

Nachdem Hinkel zum FC Sevilla wechselte, benannte sich der Fanclub zum fünfjährigen Jubiläum in „OFC Weiß-Rote Schwoba Leutenbach 2002“ um. Im Jahr 2008 folgte die Eintragung ins Vereinsregister.

Heute besteht der Verein aus rund 80 Mitgliedern, die zwischen einem und 84 Jahre alt sind, erklärt Benjamin Layer.

Layer bezeichnet den Verein als „keinen gewöhnlichen Fanclub“. Sie haben ihr eigenes Leitbild, bei dem das soziale Engagement eine wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus spielt neben den Besuchen im Stadion das Miteinander eine wichtige Rolle wie etwa bei Vereinsabenden, zu denen hin und wieder Spieler oder ehemalige Spieler eingeladen werden oder Vorträge mit VfB-Referenten stattfinden.

Weitere Infos: www.facebook.com/ofc.wrs.leutenbach2002.ev