Leutenbach

FSJlerin der evangelischen Kirchengemeinde

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In Lara Lepkes Jungschar schnuppern auch Jugendliche rein, die am Traineeprogramm teilnehmen, also später selbst mal Gruppen übernehmen möchten. © Ramona Adolf

Leutenbach. „Die machen gut mit, das macht Spaß, natürlich, unter sich sind die schon anstrengend, aber ich muss sie halt beschäftigen“, meint Lara Lepke schmunzelnd zu ihren Erfahrungen mit ihren Schützlingen. Die 19-Jährige absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in der evangelischen Kirchengemeinde Nellmersbach, betreut dort die beiden Bubenjungscharen.

Lara ist aufgewachsen und zur Schule gegangen in Fellbach. Sie hat in ihrer Kirchengemeinde in Jugendkreisen ehrenamtlich mitgearbeitet und am Traineeprogramm des Bezirksjugendwerks Waiblingen teilgenommen, über das Jugendliche nach der Konfirmation weiter an ihre Kirchengemeinde gebunden und an die ehrenamtliche Mitarbeit herangeführt werden sollen.

In Nellmersbach bietet Lara den Acht- bis Zehnjährigen Spiele, Singen, Basteln an, möglichst „stress- und druckfrei, aber es soll auch nicht bloß Chillen sein“, erklärt sie lächelnd. Ihre Jungs haben beim Ostergottesdienst einen Chorauftritt. Bei der Probe muss Lara also auch Dirigentin sein, die Rolle absolviert sie ebenso souverän. Sie hat Erfahrung, von ihr kommen klare Ansagen, die Buben hören zu.

Magdalena Kellermann, die sich mit einem eigens gebildeten Ausschuss seit Jahren dafür starkmacht, dass die Gemeinde einen Jugendreferenten bekommt, berichtet, dass es mit der FSJlerin gelungen sei, die Jungschar zu fördern, zu stabilisieren. Die Eltern könnten sich darauf verlassen, dass die zu einem verlässlichen Termin und gut betreut stattfindet, am Freitagnachmittag, der einzige Tag, wo die meisten der Jungs wirklich mal frei hätten. Abgesehen von der Pflicht wie Ganztagsschule hat die Kirche enorme Konkurrenz bei den Freizeitangeboten der Jugendlichen, vor allem vom Sport. Lara hat in Nellmersbach einen 25-Prozent-Stellenanteil, sie betreut außerdem in Stetten eine mit Jungs und Mädchen gemischte Gruppe und sie arbeitet in der Geschäftsstelle des Bezirksjugendwerks mit. Eine weitere FSJlerin ist Linda Schurr, die in Nellmersbach den Jugendkreis betreut.

Erkenntnis beim FSJ: Sozialarbeit lieber weiter nur ehrenamtlich

Nellmersbach bietet sich für Lara auch wegen der S-Bahn-Anbindung an. Nach dem Abi im vergangenen Jahr sei für sie zwar durchaus klar gewesen, dass sie studieren möchte, aber noch nicht, welche Richtung, welches Fach. Mit dem FSJ könne sie erst mal Erfahrungen sammeln. Mittlerweile geht die Tendenz bei ihr zur Wirtschaftsmathematik. Eine Erkenntnis aus dem FSJ sei, dass sie Sozialarbeit lieber weiter ehrenamtlich machen wolle. Die Überbrückungszeit hat also geholfen, eine Weiche zu stellen.

Ihre Eltern hätten schon durchaus wissen wollen, was sie denn nach dem Abitur vorhabe. Erst mal nichts machen, sei also nicht infrage gekommen. „Die haben mir, im Spaß natürlich, angedroht, sie würden mich sonst an irgendeiner Uni aussetzen.“ Mit dem FSJ seien sie einverstanden gewesen, unterstützten das. In Stuttgart will sie eher nicht studieren, sie will wegziehen, selbstständig werden, „mal die Waschmaschine selbst betätigen“. Ihre beiden älteren Geschwister, ein Bruder und eine Schwester, seien da durchaus Vorbilder, die seien zum Studieren nämlich auch früh daheim ausgezogen.

Das Bezirksjugendwerk betreut etwa 30 Gemeinden und hat derzeit drei FSJler im Einsatz, an deren Finanzierung sich die Gemeinden anteilsmäßig beteiligen. Es betreut zudem die Traineeprogramme in den Kirchengemeinden, derzeit auch eines in Nellmersbach. Die Jugendlichen bekommen zum Abschluss ein Zertifikat, das ihnen ehrenamtliche Teamarbeit bescheinigt und sich in einer Bewerbungsmappe für eine Ausbildung oder ein Studium sicher nicht schlecht macht.

Immer noch Vision: Ein Jugendreferent

Eine eigene Jugendreferentenstelle in Nellmersbach ist wegen der Finanzierung, die die Kirchengemeinde selbst stemmen müsste, nach wie vor in weiter Ferne. FSJler seien aber viel mehr als vorher und viel besser als nichts, so der Ausschuss. Das Problem sei die zeitliche Begrenzung und damit der einhergehende personelle Wechsel. Jugendbetreuung laufe nun mal am besten über eine feste Bezugsperson, brauche also auch da eigentlich Konstanz. Jugendliche, die flügge werden, bräuchten einen Ansprechpartner, Vertrauen, Orientierung, ein Vorbild, das Werte selbst vorlebt und das vor allem vom Alter her auch noch passe.

Für etwas Abhilfe soll das eigene Traineeprogramm sorgen. Die Betreuer, womöglich auch FSJler, sollen künftig aus der Kirchengemeinde selbst kommen. Ein möglicher Ausweg bei der Jugendreferentenstelle könnte die Kooperation mit benachbarten Kirchengemeinden sein. Da gebe es „ganz zarte Pflänzchen“, zumindest sei das auf jeden Fall nicht ausgeschlossen; Nellmersbach wäre dafür aufgeschlossen. Eine solche Stelle dürfe aber auch nicht auf zu viele Orte verteilt und damit „zersplittert“ sein, betont Magdalena Kellermann. Ziel des Programms sei, dass die Jugendarbeit nicht wie einst alleine am Pfarrer hängen bleibe. Die Hoffnung ist auch, dass aus den rund 40 Helfern bei der jährlichen Kinderbibelwoche einige Jugendliche „abfallen“, die sich nicht nur einmal im Jahr engagieren wollen, sondern bereit sind, feste Gruppen zu betreuen. Bei noch einigermaßen jungen Erwachsenen sei das Problem, dass sie in der Regel beruflich sehr eingespannt sind.