Leutenbach

Gemeinde wird Förderantrag für den Bau einer Pumptrack-Anlage stellen

Pumptrack Anlage
Im nahen Affalterbach gibt es eine neue Pumptrack-Anlage. © Benjamin Büttner

Die Gemeinde macht einen ersten, wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Pumptrack-Anlage hinter dem Kunstrasenplatz im Teilort Leutenbach. Sie wird eine Projektbewerbung beim Regionalverband Stuttgart einreichen, die Voraussetzung dafür, um von der Region eine 50-prozentige Förderung der Baukosten zu erhalten. Laut Verwaltung wird die Anlage etwa 90 000 Euro kosten, die Gemeinde müsste, also wenn der Zuschuss bewilligt wird, 45 000 Euro aufbringen.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, als es um die Zustimmung zur Projektbewerbung und die Bereitstellung der Mittel im Haushalt ging, war eindeutig der Tenor, dass der Zuschuss Voraussetzung für den Bau ist. Wobei dieser im Gremium aber ohnehin kontrovers gesehen wird. Das Vorhaben steht eigentlich bereits seit 2017 auf der Agenda. Die Spielplatzkommission empfahl damals, einstimmig, den Bau an diesem Standort. Auf finanziellen Gründen wurde dieser aber mehrfach zurückgestellt. Die Mittel dafür sind derzeit im Haushalt für 2022 vorgesehen, wobei die Gemeinde aber bislang nicht von einer Förderung ausgegangen war. Mittlerweile hat der Regionalverband jedoch eine solche Anlage in Steinheim/Murr mit 50 Prozent Zuschuss kofinanziert.

Die Entscheidung, ob und für welche solcher Anlagen es 2021 Zuschüsse gibt, fällt Anfang kommenden Jahres. Die Projektbewerbungen dafür müssen noch dieses Jahr eingereicht werden, die Zustimmung des Gemeinderats dazu ist Voraussetzung, ebenso wie die Bereitschaft zum kommunalen Eigenanteil. Bekommt Leutenbach eine Förderzusage für 2021, muss im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden, wenn die Gemeinde den Zuschuss will. Sie ist aber bei einer Förderzusage keineswegs gezwungen, wirklich zu bauen. Die Entscheidung darüber, mit einem förmlichen Baubeschluss und der Vergabe der Arbeiten, ist und bleibt dem Gemeinderat vorbehalten. Ebenfalls aber wichtig zu wissen: Die Anlage wird durch die Verzögerung seit 2017 ganz sicher nicht billiger, die Baupreise haben seither merklich angezogen.

So eine Anlage war schon seit 2017 Thema, das Vorhaben wurde seither aber immer wieder verschoben

Die Beratung des Gemeinderats in der jüngsten Sitzung wurde aufmerksam von einer Handvoll Jungen und einem Mädchen (sowie einigen Eltern) verfolgt, die damit offensichtlich ihrem Wunsch Nachdruck verleihen wollten. Das Ganze geht zurück auf einem Antrag der Alternativen Liste (ALi), wobei wohl die meisten im Gremium, darunter auch er, damals unter eine Pumptrack-Anlage sich zunächst gar nichts hätten vorstellen können, so Bürgermeister Jürgen Kiesl. Als man es in Erfahrung gebracht habe, sei der Tenor gewesen „ja, das können wir uns vorstellen“. Das Thema habe mittlerweile eine „beeindruckende Dynamik“ entfaltet, so Kiesl weiter unter Verweis auf die Jugendlichen und die Eltern (zehn Familien), die der Gemeinde Unterstützung, ehrenamtliches Engagement zugesichert haben. Die Frage sei nun, ob aus Sicht der Gemeinde die Kosten tragbar seien. Aus seiner Sicht sei diese Frage „entscheidungsreif“, es lägen Infos genug dafür vor, so der Bürgermeister.

Bauamtsleiter Johannes Kocher berichtete dazu, dass bei der neuen Anlage im nahen Affalterbach eine sehr bekannte, dort ansässige Firma Sponsor ist. Von daher wäre für die hiesige Anlage interessant, ob sich auch dort einheimische Betriebe als Sponsoren beteiligen. Kocher verwies zudem darauf, dass es in der Gemeinde zwar Spiel-, Bolz- und Streetballplätze gibt sowie eine rudimentäre Skateranlage, eben auf dem betreffenden Bolzplatz, der der Pumptrack-Anlage weichen soll, aber eben noch nichts „in Richtung Fahrrad“. Hinzu kommt, dass dieser Bolzplatz nicht mehr gefragt ist, seitdem es nebendran den Kunstrasenplatz gibt, und dass auch die Skateranlage kaum genutzt wird.

In der Aussprache stellte eine Reihe von Gemeinderäten als „Knackpunkt“ in den Vordergrund, dass über ein freiwilliges Angebot der Gemeinde entschieden werden soll in einem Jahr, in dem wegen Corona sich erhebliche Einnahmeausfälle abzeichnen. Die zwar für dieses Jahr wohl durch Bund und Land ausgeglichen werden, die Zusagen dafür liegen zumindest vor. Die finanziellen Auswirkungen der Pandemie wird die Gemeinde aber noch über Jahre hin schmerzvoll verspüren, Jahre, in denen sie vieles an Pflichtaufgaben zu stemmen habe ober eben verschieben müsse, betonten diese Gemeinderäte. Die Frage stelle sich also, ob angesichts dessen eine solche Freiwilligkeitsleistung, auch wenn der Gemeinde dabei die Hälfte abgenommen werde, zu vertreten sei. Wobei es aus Sicht der Kritiker aber stärker um die politische Glaubwürdigkeit, die Signalwirkung für die Bürger geht als um die finanzielle Machbarkeit. Denn im Vergleich zu den „Brocken“, für die die Gemeinde derzeit massiv Geld ausgibt und weiterhin ausgeben wird, fallen die Kosten für diese Anlage kaum ins Gewicht.

In diesem Sinne kritisch äußerten sich Bernd Krautter, Andreas Häußermann, beide CDU, Hartmut Lämmle, SPD, Peter Hildenbrand, FWG, und auch, angesichts ihres Engagements im Kinder- und Jugendbereich etwas überraschend, Alexandra Hackl-Hieber, ebenfalls FWG. Die Anlage befürworteten Dr. Astrid Loft, Niklas Kopp, beide Junge Liste Leutenbach, Kathrin Kopriva, ALi, Karl-Heinz Lämmle, Karin Kögel, beide CDU, Claus Lämmle, FWG. Erwin Schmidt, FWG äußerte sich ebenfalls zustimmend, fragte allerdings, ob die Gemeinde, eigentlich der Gemeinderat, wenn sich die finanzielle Lage erheblich verschlechtern würde, bereit sein werde, gegebenenfalls die Grundsteuern oder die Gewerbesteuer zu erhöhen oder Abstriche bei den Investitionen zu machen. Außerdem setzte er, wie andere Gemeinderäte auch, ein Fragezeichen hinter den Standort. Denn der Abbruch des Bolzplatzes bedeutet höhere Kosten, als wenn man die Anlage etwa „auf der grünen Wiese“ auf der anderen Seite des Leutenbacher Sportgeländes bauen würde.

Bürgermeister Jürgen Kiesl: Kosten-Nutzen-Rechnung fällt sehr positiv aus

Ein klares „Ja“ kam auch vom Bürgermeister. Zunächst habe er zu dem Ganzen gedacht „nice to have“, also „wäre schön, muss aber nicht sein“, so Kiesl. Mittlerweile sehe er es aber ganz anders. Wenn man nämlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmache, falle die Anlage außerordentlich günstig aus, zum Beispiel im Vergleich zu den jährlichen Instandhaltungskosten für die drei Kunstrasenplätze der Gemeinde und auch zu denen der Spielplätze. Seinem Eindruck nach fehle so ein Outdoor-Treffpunkt für die Jugend bislang, die Anlage könne auf lange Sicht gesehen eben nicht nur ein Bewegungsangebot, sondern auch ein „Problemlöser“ sein. Angesichts dessen, dass man sich vor drei Jahren schon einig gewesen sei, und angesichts der relativ niedrigen Summe, um die es hier gehe, sei er überrascht „von der Wucht der Diskussion jetzt“. Für eine solche Ausgabe brauche die Gemeinde nicht groß einzusparen und auch sicher nicht die Grundsteuern zu erhöhen, so Kiesl weiter. Außerdem werde mit dem Geld ein „dauerhafter Wert“ geschaffen, sei es eine Investition „in die Zukunft“.

Mehrere Gemeinderäte, unter anderem Alexander Thaler, FWG, forderten im Weiteren ein dauerhaftes Engagement der Eltern ein, die die Anlage jetzt fordern, und mahnten, diese müsse rege genutzt werden, dürfe keine „vorübergehende Mode oder Trend“ sein. Angesichts der vielen Vorbehalte fiel schließlich das Abstimmungsergebnis überraschend eindeutig pro Anlage aus: zwölf Jastimmen, fünf Neinstimmen und eine Enthaltung.

Die Gemeinde macht einen ersten, wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Pumptrack-Anlage hinter dem Kunstrasenplatz im Teilort Leutenbach. Sie wird eine Projektbewerbung beim Regionalverband Stuttgart einreichen, die Voraussetzung dafür, um von der Region eine 50-prozentige Förderung der Baukosten zu erhalten. Laut Verwaltung wird die Anlage etwa 90 000 Euro kosten, die Gemeinde müsste, also wenn der Zuschuss bewilligt wird, 45 000 Euro aufbringen.

In der jüngsten Sitzung des

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