Leutenbach

Geschichte von Leutenbach: Als es im Heidenhof noch ein Freibad gab

Badesee
Jahrzehnte war Schiedt nicht hier, wo er einst als junger Erwachsener badete. © Benjamin Büttner

Zwei Artikel kurz hintereinander mit der Erwähnung fehlender Badefreuden in Leutenbach haben Eberhard Schiedt auf den Plan gerufen. Der langjährige Weilermer Schulrektor und Gemeindearchivar weiß mehr, oder sagen wir mal, Genaueres darüber, dass es ausgerechnet im kleinsten Flecken der Gemeinde, wenn man so will, nämlich im Heidenhof, mal ein Freibad gab. Heute ist dort wieder beziehungsweise nur noch ein Feuerlöschteich.

Aber der Reihe nach, entlang dem, was Schiedt in den Akten gefunden, aber auch noch selbst erlebt hat. Es geschah in einer fernen Zeit, als der Heidenhof Teilort der damals noch selbstständigen Gemeinde Weiler zum Stein war.

Wir schreiben das Jahr 1936 und den Monat April. Es ging laut Protokoll der Sitzung des Gemeinderats um ein Problem, das den Weiler lange verfolgte, seine Bewohner beunruhigen musste: fehlender Löschwasservorrat im Fall eines Brandes. Das aus der Leitung und aus dem Staubecken der Pumpstation würde nicht lange vorhalten, den Flammen gewachsen sein, so ist es vermerkt.

Noch vor dem Grundstück hatte man schon einen Bademeister

Der Bürgermeister drängte auf die Beseitigung dieses „Übelstands“, freilich auch das damalige „Oberamt“, heute wäre es das Landratsamt. Heute würde es „oberste Priorität“ heißen, damals „notwendigste und bedürftigste“. Er warb mit der Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nämlich den „Feuersee“ als Bad auszubauen, damit, dass dies nur unwesentlich teurer käme, vor allem im Vergleich zu den Kosten für den kompletten Neubau eines Bads an anderer Stelle. Dadurch werde einem „schon längst bestehenden Bedürfnis Rechnung getragen“. Die Gemeinderäte folgten dem, wie es im Protokoll steht, „genialen Vorschlag“.

Nur war das Grundstück, das dafür ins Auge gefasst wurde, gar nicht im Besitz der Gemeinde und kam es auch nicht, weil der Besitzer, ein Heidenhöfer, es nicht verkaufen wollte, zumindest nicht zu einem „annehmbaren“ Preis. Dafür hatte man sofort einen Bademeister parat, den Pumpwärter im Heidenhof, dessen Gehalt deshalb von 125 auf 200 Reichsmark erhöht wurde. Schließlich wurde man mit einem Landwirt aus dem benachbarten Kirschenhardthof einig. Er verkaufte ein etwa acht Ar großes Areal, den Quadratmeter für 1,25 Reichsmark. Ein Architekt aus Winnenden wurde mit der Planung, ein Straßenbauunternehmen mit den Arbeiten beauftragt (für 3000 Reichsmark).

Fertigstellung und Übergabe nach bereits einem Dreivierteljahr

Der Bürgermeister reiste persönlich nach Stuttgart und kam mit der Zusage eines Zuschusses in Höhe von 1500 Mark zurück. Anfang Dezember war es so weit, das Werk war vollendet und der Bürgermeister sprach bei der Besichtigung zur Übergabe von einem Werk, das für die Gemeinde einen „wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens als auch der Wohlfahrtspflege bedeutet“. Er vergaß nicht zu erwähnen, dass vorher noch die Straße von Weiler zum Stein zum Heidenhof gebaut worden war, die neuerliche Leistung der Gemeinde also umso höher zu bewerten sei.

Freilich war es auch 1936 im Dezember zu kalt, um gleich ins Wasser zu springen, das musste also aufs kommende Frühjahr verschoben werden, wobei zunächst, im März, außerdem der Umkleideraum erstellt wurde. Und es mussten noch die Eintrittspreise festgelegt werden. Die örtlichen Schulklassen durften, wenn sie mit dem Lehrer kamen, gratis rein. Und, man höre und staune, es wurde nach Ortsansässigen und Auswärtigen unterschieden, die mussten nämlich, egal bei welchem Tarif, glatt das Doppelte zahlen.

Eine Tageskarte kostete Einheimische 20 Pfennige, Auswärtige zahlten 40 Pfennige

Beispiel: Eine Tageskarte für einen einheimischen Erwachsenen kostete 20 Pfennige, für einen auswärtigen 40 Pfennige. Auch bei den Kindern, den Dutzend- und den Dauerkarten zog sich das Verdoppeln durch. Auch damals gab es übrigens Kurzbader und für die eine Zweistundenkarte (Preis: Hälfte der Tageskarte), wobei als Erwachsener bereits galt, wer über 14 Jahre alt war. Der hiesige Bäckermeister durfte, gegen Pacht versteht sich, einen Verkaufsstand im Freibad betreiben. Die erste Saison schloss gleich mit einem Gewinn von 500 Mark ab, wobei Burgstall und Erbstetten (damals noch zwei Gemeinden) jeweils auch einen Beitrag leisteten.

Für die Zeit des Kriegs danach fand Schiedt keine Eintragungen in den Protokollen des Gemeinderats. Der Grund ist aus seiner Sicht ganz einfach: „Man hatte andere Sorgen.“

1946 ging es aber bereits weiter, es gab damals eine Bademeisterin, mit dem im Heidenhof nicht ganz seltenen Nachnamen Häußermann, gefolgt von einem gleichnamigen Bademeister. Aber das Problem der Besetzung dieser Stelle blieb, und schon bald begann der Zahn der Zeit am Bad zu nagen. Es musste repariert, saniert werden und das kostete alles natürlich Geld, das knapp war. Anfang der 60er Jahre wurde die Unterscheidung bei den Eintrittsgebühren („Diskriminierung“ Auswärtiger) aufgehoben. 1963 war aber ganz Schluss, vor allem weil es sich die Gemeinde nicht mehr leisten konnte oder wollte, einen hauptberuflichen Bademeister anzustellen.

Zwischendurch war der Feuerlöschteich ein Fischteich

59 Jahre später steht Schiedt an der Stelle, wo einst das Freibad war, ein paar Meter unterhalb des Heidenhofs und der Straße zum Kirschenhardthof. Es war und ist seitdem ein Feuerlöschteich beziehungsweise eine Löschwasserreserve für den Heidenhof. Wobei zwischendurch sei er mal als Fischteich verpachtet gewesen. „Ich bin bestimmt Jahrzehnte nicht mehr hier gewesen“, so der 79-Jährige schmunzelnd.

Okay, er wohnt schließlich in Nellmersbach und die Nellmersbächer gingen und gehen nun mal vor allem ins Freibad nach Erbstetten. Das Becken hat offenbar noch die Originalgröße, es dürften etwa 25 auf 20 Meter sein. Früher führte von der Straße nur ein Feldweg hinunter, irgendwann wurde die Zufahrt asphaltiert. Nach wie vor steht die Pumpstation, etwa 30 Meter entfernt.

Er war selbst Badegast hier, so als etwa 19-, 20-Jähriger, und erinnert sich, dass das Badewasser zwei-, dreimal im Jahr abgelassen wurde, es eine Rutsche gab, ein Sprungbrett, ein Fußbecken und eine Liegewiese. Die Hygienevorschriften seien noch nicht so streng gewesen wie heute, die Umkleide sei eine Holzhütte gewesen, es habe keine Aufsicht gebraucht, nur jemanden gegeben, der die Karten verkaufte, sonntags sei der Bäcker gekommen, der seinen Laden gegenüber vom Weilermer Rathaus hatte.

Der „Wärter“ wusste, wer einheimisch war und wer auswärtig

Er war einmal mit seinem Opa da, der war Schwimmmeister, sprang rein und hatte hinterher, weil das Becken ziemlich flach war, einen roten Strich auf seiner Glatze. Unter der Woche sei fast niemand da gewesen, „die Leute waren auf’m Acker schaffen, aber sonntags war’s voll“. Parkplätze habe es keine gegeben, auch keine gebraucht, weil damals eh noch fast niemand ein Auto hatte. Man kam zu Fuß oder mit dem Rad.

Noch mal zum Unterschied beim Eintritt. Wie wurde das denn festgestellt, ob jemand Einheimischer war oder Auswärtiger? Na, der „Wärter“ am Eingang kannte doch alle. Wobei schon die Leutenbächer und die Nellmersbächer natürlich Auswärtige waren, also das Doppelte berappen mussten. Erstaunlich kurz, nach heutigen Maßstäben, findet Schiedt die Bauzeit von nur einem Dreivierteljahr. Was die Schließung angeht, vermutet er, dass der Grund eben verschärfte Vorschriften waren. Schiedt badet noch heute gerne, aber mittlerweile vor allem im Winnender Wunnebad.

Zwei Artikel kurz hintereinander mit der Erwähnung fehlender Badefreuden in Leutenbach haben Eberhard Schiedt auf den Plan gerufen. Der langjährige Weilermer Schulrektor und Gemeindearchivar weiß mehr, oder sagen wir mal, Genaueres darüber, dass es ausgerechnet im kleinsten Flecken der Gemeinde, wenn man so will, nämlich im Heidenhof, mal ein Freibad gab. Heute ist dort wieder beziehungsweise nur noch ein Feuerlöschteich.

Aber der Reihe nach, entlang dem, was Schiedt in den Akten

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