Leutenbach

Kinderhaus Mühlefeld: Kinderhausleiterin mit Corona infiziert - wie geht es jetzt weiter?

Kita zu
Das Kinderhaus Mühlefeld ist mit 70 Kindern die größte Betreuungseinrichtung in Leutenbach. © Benjamin Büttner

Eine Erzieherin, die im Kinderhaus Mühlefeld arbeitet, ist am Mittwoch vergangene Woche auf Corona getestet worden. Das Ergebnis, leider positiv, lag am Montagabend vor. Die Gemeinde hat daraufhin am gleichen Abend in Absprache mit dem Gesundheitsamt entschieden, dass die Einrichtung am Dienstag geschlossen bleibt. Dass sie am Mittwoch bestreikt wird, also aus diesem Grund ohnehin zu bleibt, verschafft der Gemeinde und dem Gesundheitsamt einen Tag Puffer bei der Entscheidung, wie es dort weitergehen soll.

Fest stehe, dass alle Kontaktpersonen ersten Grades der betroffenen Erzieherin und natürlich sie selbst in Quarantäne müssen, so Hauptamtsleiter Jakob Schröder am Dienstagvormittag auf Nachfrage. Die mit dem Virus infizierte Mitarbeiterin müsse alle Kontaktdaten an ihre Wohnortgemeinde melden – die nicht Leutenbach ist. Je nachdem wie viele Kontaktpersonen dabei zusammenkommen, würden das Gesundheitsamt zusammen mit der Gemeinde Leutenbach entscheiden, was mit dem Kinderhaus passiert. Schröder betont in diesem Zusammenhang, dass die öffentliche Nennung des Wohnorts der Erzieherin heikel sei, weil der Datenschutz betroffen sei, dies der ärztlichen Schweigepflicht unterliege. Von ihm gibt es also keine Antwort dazu.

Die Entscheidung, dass das Kinderhaus wegen des Corona-Falls bereits am Dienstag zu ist, fiel sehr kurzfristig, die Frage ist also, ob eigentlich alle betroffenen Eltern (und Kinder) rechtzeitig Bescheid bekommen haben, informiert wurden. Man sei ja auf solche Fälle vorbereitet, habe Vorkehrungen getroffen, so Schröder. Die Verwaltung habe von den Eltern ja deren Mail-Adressen, sie also umgehend per Mail in Kenntnis gesetzt. Sicherheitshalber sei außerdem am Dienstagmorgen die Info über die vorübergehende Schließung am Kinderhaus ausgehängt worden. Man gehe also davon aus, dass alle Eltern rechtzeitig informiert gewesen seien. Ganz wenige Eltern hätten sich daraufhin bei der Verwaltung gemeldet, alle hätten Verständnis gezeigt, keiner habe gegen die Maßnahme protestiert, versichert Schröder.

14 Tage Quarantäne bei Kindern und Kolleginnen mit direktem Kontakt

Die Verwaltung gehe vorerst nicht davon aus, dass andere Erzieherinnen im Kinderhaus betroffen seien. Das Personal sei angehalten, untereinander den verlangten Abstand einzuhalten, so Schröder, darauf verweisend, dass als direkte Kontaktperson nur gelte, wer mit einer infizierten Person länger als 15 Minuten direkten Kontakt gehabt habe und dabei einen Abstand von weniger als anderthalb Metern gehabt habe. So sei zumindest bislang die rechtliche Definition. Bei wem das zutreffe, der müsse in Quarantäne. Die Verwaltung gehe demnach bislang nicht davon aus, dass Kolleginnen Kontaktpersonen ersten Grades sind.


Bei der Frage zu den betreffenden Kindern verweist Schröder darauf, dass das geprüft werde. Die infizierte Erzieherin müsse angeben, bei welchen Kindern diese anderthalb Meter Abstand zu ihr unterschritten wurden, das sei aber das übliche Standardverfahren in solchen Fällen, betont Schröder, merkt allerdings auch an, dass Leutenbach damit noch keine Erfahrung habe, weil so ein Fall dort in einer Kita noch nicht vorgekommen sei. Klar sei, dass die Kinder, die unter die Definition „Kontaktperson“ fallen, 14 Tage in Quarantäne müssen. Die Frage der Kontaktpersonen der betreffenden Kinder wiederum, also vor allem deren Familien und weitere Verwandte, werde erst relevant, wenn es bei diesen Kindern positive Testergebnisse gebe, so Schröder weiter. Natürlich müssten die Erzieherin und ihr persönliches Umfeld in Quarantäne. Bei Infizierten betrage deren Dauer zehn Tage ab dem Datum des Tests, bei Kontaktpersonen 14 Tage ab dem letzten Kontakt. Bei ihnen ist die Frist wegen der Inkubationszeit länger.

Mittlerweile gibt es zu allem auch noch einen Streit zwischen der Wohnortgemeinde der Erzieherin und der Gemeinde ihrer Arbeitsstelle. Die Frau wohnt nicht in Leutenbach. Der Bürgermeister ihres Wohnorts sagt, dass sich mittlerweile ergeben habe, dass es dort 17 Kontaktpersonen ersten Grades gebe. Die Wohnortgemeinde ist bei einem positiven Testergebnis zuständig für die Kontaktverfolgung. Aus seiner Sicht sei es klar, dass das Kinderhaus zu bleiben müsse, solange Kinder von dort in Quarantäne seien, so der Bürgermeister. Die betreffende Erzieherin ist die Leiterin des Kinderhauses. Es müsse davon ausgegangen werden, dass sie gruppenübergreifend tätig gewesen sei, deshalb sei auch die Zahl der Kontaktpersonen, nämlich insgesamt 76, so hoch.

Er macht der Frau aber keinen Vorwurf. Sie sei bei einem Routine-Test gewesen, habe einen Gutschein dafür eingelöst, habe zu dem Zeitpunkt aber angenommen, dass sie nur einen leichten Schnupfen habe. Aus Sicht des Bürgermeisters war sofort nach Bekanntwerden des Testergebnisses Eile geboten, abgesehen von der Schließung des Kinderhauses, nämlich umgehend die Eltern des Kinderhauses zu informieren, dass die nicht ihre Kinder zur Betreuung zu ihren Großeltern bringen und sie auch von ihren Geschwistern separieren.

Kiesl verweist auf Persönlichkeitsschutz

Die Zahl 76 zweifelt der Leutenbacher Bürgermeister Jürgen Kiesl auf Nachfrage massiv an. Er selbst gehe bislang, Stand Dienstagnachmittag, davon aus, dass nur drei Personen als Kontaktpersonen ersten Grades anzusehen seien. Auch er führt den Daten- beziehungsweise Persönlichkeitsschutz und die damit verbundene ärztliche Schweigepflicht ins Feld. Die Gemeinde Leutenbach sei der Anregung des Gesundheitsamts, unverzüglich die Eltern der Kinder zu informieren, die im Kinderhaus betreut werden, nachgekommen, per Mail.

Auch das, am Rande erwähnt, ein Streitpunkt, weil der Kollege von Kiesl der Auffassung ist, schriftlich reiche in so einem Fall nicht, sei nämlich nicht sicher, könnte für Zeitverzögerung sorgen, wo es schließlich um jede Stunde gehe, die Eltern hätten alle nacheinander angerufen werden müssen. Kiesl hält dem entgegen, dass mit dem Gesundheitsamt vereinbart gewesen sei, dass am Dienstag beraten und entschieden werden solle, wie es weitergeht. Laut der betroffenen Erzieherin sei sie nur mit drei Personen entsprechend der Definition des Robert-Koch-Instituts in engem Kontakt gewesen.

Wie geht es aber weiter? Er könne dazu bislang keine Aussage machen, so Kiesl, gehe aber nicht davon, dass das Kinderhaus bereits am Donnerstag wieder geöffnet werden könne, wobei andernorts Einrichtungen in solchen Fällen durchaus wieder in Betrieb gegangen seien. Im Kinderhaus Mühlefeld gebe es ja mehrere Gruppen, möglicherweise sei vielleicht eine teilweise Wiederöffnung bald möglich. Was eine längere Schließung und die Quarantänen angehe, so hoffe er, „dass dieser Kelch an den Familien vorübergeht.“ Die hätten alle das Recht, was die Frage des direkten Kontakts angehe, dass jeder Einzelfall geprüft werde, ob Quarantäne sein muss oder nicht.

Die Leiterin vertrat zwei kranke Kolleginnen in Gruppen

Auf den Vorhalt, dass doch eigentlich der gesunde Menschenverstand bereits sage, dass die Leiterin eines Kinderhauses mit allen Kolleginnen in der Einrichtung und auch mit Kindern dort engen Kontakt gehabt haben muss, gibt Kiesl zu bedenken, dass der Fall insofern tragisch sei, als es im Kinderhaus zuvor zwei Krankheitsfälle gab und die Leiterin nur deswegen direkt in Gruppen gewesen sei. „Die Alternative dazu wäre ja gewesen, die Einrichtung teilweise zu schließen.“ Die Frau sei ja keine Gruppenleiterin, Pech sei aber auch insofern im Spiel, als sie auch für eine weitere Kita zuständig ist, nämlich die an der Theodor-Heuss-Straße.

Kurzum, bislang lägen nur „fragmentarische“ Informationen zu den Kontaktpersonen vor, so Kiesl. Er zieht einen Vergleich. Wenn man so streng definiere, dann dürfe zum Beispiel kein Neujahrsempfang stattfinden und jedes bisherige Hygienekonzept für solche Veranstaltungen wäre für den Papierkorb, „weil man dann ja sagen müsste, jeder Besucher war in engem Kontakt zum Infizierten.“ Aber klar, die Gemeinde werde ihrer Pflicht nachkommen, jeden, der in Quarantäne müsse, in die schicken, „wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen“. Kiesl erinnert in diesem Zusammenhang an einen tragischen Fall in Leutenbach, wo es durch eine Panne dazu kam, dass Leute zu Unrecht in Quarantäne geschickt wurden. Es gebe eine Verantwortung „in alle Richtungen, „also auch dafür, dass nicht Menschen, insbesondere Kinder, grundlos zwei Wochen in Quarantäne geschickt werden, es geht schließlich auch um Existenzen und da darf nicht voreilig gehandelt, sondern muss sorgfältig geprüft werden.“

Die Pressesprecherin des Landratsamts Martina Keck räumt auf Nachfrage ein, dass es durchaus Abwägung brauche. Es komme schon darauf an, wie eng der Kontakt der Frau zu ihren Kolleginnen und zu den Kindern gewesen sei. „Es wäre unverhältnismäßig, alle in Quarantäne zu schicken, wenn sie nur im Büro gewesen und nicht in den Gruppenräumen gewesen wäre.“ Grundsätzlich wäre es aber fatal, möglicherweise zu wenige Personen in Quarantäne zu schicken und dadurch bei der Verhinderung weiterer Ansteckungen etwas zu versäumen. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt scheint aus Sicht von Martina Keck der Fall eindeutig: Nach den derzeit geltenden, nämlich immer wieder aktualisierten und zuletzt verschärften Richtlinien des Robert-Koch-Instituts handle die Wohnortgemeinde der Erzieherin richtig, wenn sie von der genannten hohen Zahl von direkten Kontaktpersonen ausgehe.

Nach einer erneuten Überprüfung seien nur knapp 30 Kinder betroffen

Später Dienstagnachmittag, noch ein Rückruf von Kiesl: Nach einer erneuten Überprüfung könne man nach letztem Stand mittlerweile rund die Hälfte der Kinder im Kinderhaus und in der anderen Kita „ausschließen“, also von der Quarantäne, weil sie nicht in direktem Kontakt mit der Erzieherin gewesen seien. Damit wären noch knapp 30 Kinder betroffen. Bei denen, der Risikobewertung für sie, werde man aber nun Fall für Fall genau durchgehen. Was das Kinderhaus angehe, überlege man, es auch am Donnerstag und Freitag noch zu zu lassen. So verschaffe man sich bis Montag kommender Woche Zeit, bis dahin würden nämlich die Ergebnisse der Tests von Kontaktpersonen in diesem Fall vorliegen, beziehungsweise von denen, die sich nun deswegen testen lassen, so Kiesl.

Früher Dienstagabend: Kiesls Kollege ruft erneut an und widerspricht dem Leutenbacher direkt. Letzer Stand, nach Absprache mit dem Landratsamt sei, dass alle Kinder der Einrichtung in Quarantäne müssen. Kiesl, damit konfrontiert, mag es nicht glauben: Bei den Kindern sei doch deren Wohnortgemeinde in dieser Frage zuständig. Im Kinderhaus arbeiten jedoch auch Erzieherinnen, die in der gleichen Kommune wohnen wie ihre erkrankte Kollegin. Bei denen sei klarerweise eben ihre Wohnortgemeinde zuständig, also nicht Leutenbach, so Kiesl. Fortsetzung folgt.

Eine Erzieherin, die im Kinderhaus Mühlefeld arbeitet, ist am Mittwoch vergangene Woche auf Corona getestet worden. Das Ergebnis, leider positiv, lag am Montagabend vor. Die Gemeinde hat daraufhin am gleichen Abend in Absprache mit dem Gesundheitsamt entschieden, dass die Einrichtung am Dienstag geschlossen bleibt. Dass sie am Mittwoch bestreikt wird, also aus diesem Grund ohnehin zu bleibt, verschafft der Gemeinde und dem Gesundheitsamt einen Tag Puffer bei der Entscheidung, wie es dort

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