Leutenbach

Kinderporno-Bilder im Netz verbreitet

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Beim Durchsuchen von Notebook und Datenträgern fanden die Ermittler insgesamt 300 Bilddateien und ein Video. © Alexander Roth

Leutenbach/Waiblingen. Zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten wurde ein Leutenbacher vom Amtsgericht Waiblingen verurteilt, weil er kinderpornografisches Material besessen und Dateien auf ein entsprechendes Internetportal hochgeladen hatte. Der 49-Jährige muss eine Therapie machen und 8000 Euro an Unicef zahlen.

Ermittelt wurde der Leutenbacher über seine IP-Adresse, wie ein Kriminalhauptkommissar vor Gericht aussagte. Die Polizei hatte in der Szene ermittelt und ist im Sommer 2015 auf den Angeklagten aufmerksam geworden. Bei einer Hausdurchsuchung im Oktober hatte die Polizei mehrere Datenträger sowie ein Notebook sichergestellt, das von Fachleuten im Sachgebiet Computerforensik untersucht worden ist, erklärt der Kriminalhauptkommissar, der als Zeuge vor Gericht aussagte. Das Material wurde mit Hilfe einer bestimmten Software ausgewertet, wobei mehr als 300 Bilddateien und ein Video gefunden wurden.

Im Einzelnen hatte man bei ihm ein Video mit einer Länge von mehr als neun Minuten sowie mehrere Bilder gefunden, die Kinder und Jugendliche zeigen, an welchen sexuelle Handlungen vorgenommen wurden.

Er hat das Material nicht selbst erstellt

Eine Untersuchung ergab, dass dies Material ist, das der Angeklagte selbst aus dem Netz bezogen und nicht selbst erstellt hat. Das ergab eine Auswertung der Kamera-Typen, mit welchen die Bilder und das Video gemacht wurden. Teilweise handelt es sich um Bildmaterial, das schon in anderen Verfahren aufgetaucht ist, erklärte der Kriminalhauptkommissar.

Warum sich der Angeklagte das Material beschafft hat, bleibt offen. Für seine Aussage hatte Verteidigerin Amely Schweizer einen Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt, „weil es hier um sein Intimleben geht“, lautete die Begründung. Nur so viel wurde deutlich: Er habe seine Tat glaubhaft gestanden. Außerdem haben ihm wohl seine „schwierigen persönlichen Verhältnisse sowie eine zerrüttete Ehe zu schaffen gemacht“, wie es gegen Ende der Verhandlung die Staatsanwältin zusammenfasste. Die Verteidigerin sprach von einer Sucht, unter welcher er so stark gelitten hatte, dass er sich das Leben nehmen wollte und Reinigungsmittel schluckte.

Angeklagter schon zweimal wegen Ähnlichem verurteilt

Aktuell scheint das Leben des Angeklagten eine neue Richtung zu bekommen, er ist wieder verheiratet, steht als Geschäftsführer und selbstständiger Unternehmer mit beiden Beinen im Leben, weshalb ihm Staatsanwaltschaft und das Gericht eine „positive Sozialprognose“ zusprachen, obwohl der Angeklagte zweimal für ähnliche Vergehen verurteilt wurde (1998 und 2006). Ein drittes Mal machte er sich wegen Steuerhinterziehung strafbar.

Bei der Vielzahl an unterschiedlichen Bildern sprach sich die Staatsanwältin für eine Freiheitsstrafe aus: zehn Monate für das Verbreiten des Materials übers Internet, acht Monate für den Besitz solcher Bilder- und Videodateien, was zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zwei Monaten zusammengefasst werden könne. Die Freiheitsstrafe sei zur Bewährung auszusetzen, für die Dauer der Bewährung sah sie vier Jahre als angemessen an. Außerdem forderte sie eine Geldstrafe von 15 000 Euro.

Ambulante Sex-Therapie während der Bewährungszeit

Über das Internet sei das Material „offen zugänglich, was den Suchtkranken den Zugriff erleichtert“, sagte Verteidigerin Amely Schweizer. Dies sollte aber keine Entschuldigung für die Tat ihres Mandanten sein.

Das Amtsgericht Waiblingen hielt sich an das Strafmaß der Staatsanwaltschaft. Während seiner Bewährungszeit von vier Jahren muss der Angeklagte eine ambulante Sex-Therapie absolvieren, so Richter Dautel. Er muss sich regelmäßig beim Bewährungshelfer melden sowie 8000 Euro an Unicef als „Wiedergutmachung“ zahlen, fügte er hinzu. „Auch für diese Bilder haben Kinder gelitten. Wenn man als Konsument kein Interesse an solch einem Material zeigt, dann gibt es auch kein Angebot“, betonte Dautel. Den Tatvorwurf der Verbreitung sah der Richter deshalb „als den schlimmeren an“, da im Netzwerk Personen verkehren, die Interesse an solch einem Material haben.

Der Angeklagte verzichtete darauf, dass Notebook und Datenträger in seinen Besitz zurückgehen.