Leutenbach

Kommentar: Glaubt auch Leutenbach an das Pferd?

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Unser Redakteur Uwe Speiser kommentiert die Entscheidung des Gemeinderats, keinen Hotspot für den Löwenplatz einzurichten. © Joachim MogckSchneider / ZVW; Montage: Mogck

Das war keine Sternstunde des Leutenbacher Gemeinderats, diese bräsige und zugleich seltsam abgehobene Aussprache darüber, ob sich die Gemeinde nicht doch wenigstens einen WLAN-Hotspot leisten sollte. Bei manchen der Widersacher hatte man als Zuhörer den Eindruck, die Verwaltung wolle mit dem freien, für jedermann öffentlich zugänglichen Zugang ins Internet geradezu den Beelzebub in ihren idyllischen Flecken holen. Aber irgendwie passt das auch zu einer Gemeindeverwaltung und einem Gemeinderat, die, Stichwort papierlose Sitzungsunterlagen und Ratsinformationen, noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind.



Es passte auch dazu, dass ein Gemeinderat, sonst stets ausgesprochen besonnnen, sich nicht aus der Diskussion heraushielt, obwohl er als Anwohner des auserkorenen Standorts zwar nicht im rechtlichen Sinn befangen ist, aber doch sehr wohl persönlich betroffen. Andere Gemeinderäte, von denen ohne weiteres angenommen werden kann, ohne da allzu kühn zu spekulieren, dass sie selbst eben über eine Datenflatrate verfügen, taten sich ebenfalls leicht zu sagen, lassen wir lieber die Finger davon, das brauchen „wir“ (und damit auch alle anderen) ja überhaupt nicht. Dabei bietet mittlerweile das letzte Kaff im hintersten Winkel einen freien Internetzugang an. Leutenbach muss sich mal fragen (lassen), ob denn die anderen da alle blöd sind.

Ganz Gallien? Nein!

Irgendwie fühlt man sich da an die berühmte Einstiegspassage der Asterix-Hefte erinnert: „ Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt ... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“ Selbst beim Bürgermeister hatte man nicht den Eindruck, dass er wirklich mit Herzblut sich für den Standort verfocht. Jürgen Kiesl relativierte schon eingangs die Bedeutung des Anliegens mit dem gleichen Argument, das ihm prompt die Widersacher um die Ohren schlugen und das er daraufhin, um seine Position noch einigermaßen zu retten, im weiteren Verlauf selbst wieder kassieren musste. Eine Taktiererei, sei sie wohl auch ungewollt gewesen, die den Neinsagern in die Karten spielte.

Da passte auch die Diskussion um den unmittelbar anschließenden Tagesordnungspunkt ins Bild, der Frage, ob zum einen eine Ladestation für E-Autos am Löwenplatz installiert, zum anderen, ob eine Ladestation für E-Bikes am Nellmersbacher Bahnhof eingerichtet werden soll. Die Entscheidung zu Zweitem wurde vertagt, wenn auch aus, zugegeben, nicht ganz abwegigen Gründen, und für das Ja zu Erstem gab es immerhin eine klare Mehrheit. Aber zunächst musste wieder ein Gemeinderat, auch er sehr erfahren und eigentlich kein Heißsporn, erst noch seinen Grundsatzprotest gegen die Batterietechnik und ein flammendes Plädoyer für den Fortbestand des Dieselantriebs bei Autos loswerden. Worauf sich die Frage aufdrängte, nicht nur bei einigen anderen Gemeinderäten, die es ganz anders sehen, was denn eigentlich mit E-Autos bei der Gemeinde(verwaltung) sei. Erneut hatte, wie beim Thema WLAN, Frank Sailer die richtige Erwiderung an den und die Fortschrittsverweigerer. Er zitierte ironisch den legendären Satz von Kaiser Wilhelm II: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.