Leutenbach

Kunstausstellung im Leutenbacher Rathaus

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Reinhard Jochem stellt Kunst im Leutenbacher Rathaus aus. Impressionen finden Sie in unserer Bildergalerie. © Habermann / ZVW
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Leutenbach. Hier fällt der Blick auf ein Dorf in der Toskana, dort ist der Betrachter mitten in Kuba und bewundert einen Oldtimer unter einer Palme, und beim nächsten steht er mitten zwischen Karussell und beleuchteten Buden auf dem Jahrmarkt. Reinhard Jochem hat die Welt bereist und Momente auf Papier oder Leinwand festgehalten. Sein Blick dabei auf das Nebensächliche, mit dem er andere zum Träumen animiert.

Eines seiner Bilder, das Teil der 70 Werke ist, die im Leutenbacher Rathaus ausgestellt werden, hat es Reinhard Jochem ganz besonders angetan: Darin hat er seine Erinnerung festgehalten – sein Empfinden, als er hoch oben auf dem Sky-Tower im neuseeländischen Auckland stand. Kaum ist der Besucher in 182 Metern Höhe aus dem Aufzug ausgestiegen, muss er feststellen, dass er auf einem Glasboden steht. Tief unter ihm fahren Autos, laufen Fußgänger, man blickt auf Baumwipfel und Hochhausdächer. „Da war so mancher Aufschrei zu hören“, sagt Reinhard Jochem und lächelt, als er sich an den Moment erinnert, als er auf der Plattform stand. Die Leinwand hat er mit dunkler Acrylfarbe grundiert, um dann mit weißer Tusche die Umrisse von Häusern, Straßenkreuzungen und Autos darzustellen. Mit Aquarellfarbe hat er seinem Werk Farbe verliehen. „Ich experimentiere gerne“, sagt Jochem. Manchmal sei er selbst überrascht, was am Ende für ein Bild entsteht, wenn Farben den Betrachter anstrahlen und er sich an den vielen Details überhaupt nicht sattsehen kann.

Erste Trompete durchs Zeichnen finanziert

Das Malen und Zeichnen hat schon immer eine ganz besondere Rolle im Leben von Reinhard Jochem gespielt. Genauso die Musik. Er ist Mitglied der Metrum-Big-Band und spielt dort Trompete. Seine erste Trompete hat der 58-Jährige durchs Zeichnen unter anderem von Karikaturen für eine Druckerei verdient. „Malen hat mir schon immer Spaß gemacht“, sagt der Künstler, der in Weiler zum Stein lebt und hauptberuflich als Steinmetz und Steinbildhauermeister arbeitet. Mit zwölf Jahren hat er sein erstes Porträt gefertigt. Geprägt hat ihn ein Trompetenlehrer, der gelernter Grafiker war. Vor oder nach dem Unterricht „haben wir meine Zeichnungen durchgesprochen. Ich habe viel dabei gelernt.“

Heute blickt Reinhard Jochem gerne auf das Nebensächliche, hält Momente in seinen Bildern fest, denen andere vermutlich wenig Beachtung schenken. Auf einem Campingplatz an der Küste der italienischen Insel Giglio zierten Quarzadern das Gestein, die aussahen „wie ein Dinosaurier-Gerippe“, so Jochem. Mit zarten Tuschestrichen hat er sie auf Papier gebracht, die Flächen mit brauner und dunkelgrauer, fast schwarzer Aquarellfarbe ausgefüllt. Die Umrisse ziehen sich von einer Ecke zur anderen, und mit etwas Fantasie lassen sie ein Saurier-Skelett erahnen.

Im Urlaub stets Notizblock und Bleistift in der Tasche

Das Zeichnen sieht er als Mittel, im Urlaub die Gegend auf eine ganz andere Art und Weise kennenzulernen. Es sind die Begegnungen mit den Menschen vor Ort, mit denen er dabei ins Gespräch kommt, die ihn faszinieren. In der Toskana hat sich eine Gruppe Kinder um den Künstler geschart und wollte mitmalen. Er teilte Stifte und Papier aus. Ein anderes Mal malte der 58-Jährige in einer engen Gasse im Örtchen Montaione, als ein älterer Mann vor seine Tür trat und ihm voller Stolz sein Bild zeigte: Er hatte sein Haus gemalt. Wieder ein anderes Mal bekam er Obst von einer Frau geschenkt, die Mitleid mit ihm hatte, weil er in der Hitze arbeitete.

In seinen Bildern lenkt er den Blick des Betrachters auf das Wesentliche, schafft es, ihm das zu zeigen, was ihn selbst in dem Moment fasziniert hat. Sein Mittel dabei: Er lässt die Bilder oft zum Rand hin auslaufen, verzichtet auf das, was den Betrachter ablenken könnte. Im wahrsten Sinne malerisch erscheint ein mit Bleistiftstrichen festgehaltenes Bergdorf oder eine Straße in Ungarn, die voll verhängt von Stromleitungen ist. An anderer Stelle hat er mit Pastellkreide gearbeitet, zeigt knochige Bäume, Blumen oder aus der Perspektive eines Regenwurms, „der morgens die Welt erwachen sieht“, so Jochem über sein Bild. Als Nächstes zeigt er die skurrilen Formen eines alten Fords oder Buicks, die Designer kreiert haben – mal als Ganzes, dann wieder nur die Stoßstangen. Wer in der Ausstellung genau hinschaut, entdeckt zwischen einem Bild, das den Moment von in die Luft geworfenem Porzellan festhält, und Karikaturen sogar ein Selbstporträt vom Künstler.

Die Ausstellung

Die Vernissage zur Ausstellung von Reinhard Jochem, der einen Querschnitt von Zeichnungen, Aquarellen, Acryl/Mischtechniken, PC-Art und Fotos zeigt, findet an diesem Mittwoch, 29. März, um 18 Uhr im Rathaus Leutenbach statt. Neben Bürgermeister Jürgen Kiesl wird Henry Sprenger (Freund des Künstlers) einige Worte zu den Werken sagen.

Die Bilder von Reinhard Jochem werden bis Montag, 3. Juli, ausgestellt. Interessierte können sie zu den Öffnungszeiten des Bürgerbüros besichtigen: montags von 8 bis 12 Uhr, dienstags von 7 bis 16 Uhr, mittwochs von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 19 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr. Donnerstags ist das Bürgerbüro geschlossen.