Leutenbach

Landwirt Lämmle bietet auf einem Wildacker einen Schutzraum für Hasen, Füchse, Rehe und Vögel

Blühflächen
Rüdiger Lämmle erklärt Bürgermeister Jürgen Kiesl, dass ein „Wildacker“ wie dieser wie auch ein Blühstreifen für ihn als Vollerwerbslandwirt ein „Zuschussgeschäft“ ist. © Benjamin Büttner

Es sei ein „Wildacker“, also kein weiteres Exemplar der sich allerorten vermehrenden „Blühstreifen“, das stellt Landwirt Rüdiger Lämmle beim Pressetermin vor Ort sofort klar. Was der Laie gleich sieht: Der Bewuchs auf der Fläche ist höher. Vor allem Sonnenblumen dominieren das Bild.

Der Standort liegt in der Verlängerung der Weiler Straße, nicht weit vom Ortsende und nahe dem Küblerschen Weihnachtsbaumverkauf, von dem freilich Mitte September noch nichts zu sehen ist. Der Weg führt weiter zum Landschaftspark Höllachaue, dort kommen also immer wieder Jogger, Radler und Spaziergänger vorbei.

Was auch noch auffällt, insbesondere Bürgermeister Jürgen Kiesl, der als Vertreter der Gemeinde das Projekt vorstellt, ist geradezu begeistert: Viele Schwalben und Massen von Spatzen kreisen darüber, lassen sich immer wieder im Wildacker nieder. Genau das sei Sinn der Sache, erklärt Lämmle, und dass das Ganze die Gemeinde angestoßen hat. Kiesl las nämlich von so einem Wildacker andernorts in der Zeitung und ging mit der Idee auf Lämmle zu. Dass der auch für Artenvielfalt, deren Erhalt ist, hat er bisher schon mit seinen Blühstreifen gezeigt.

Der Beitrag zur Artenvielfalt bedeutet Ertragseinbußen

Typisch für Lämmle ist, dass er umgehend auch darauf hinweist, dass die Flächen, die er als Wildacker zur Verfügung stellt, eben auch Ertragseinbußen für ihn bedeuten, etwa 75 Prozent, schätzt er, und dass er bei allem Engagement für die gute Sache ja auch eine Familie zu ernähren habe. Andersherum gesagt: Er bekommt so nur rund 25 Prozent von dem Ertrag, den er mit Mais dort holen könnte. Oder noch mal anders: Um auf den gleichen Ertrag zu kommen, müsste die Fläche viermal so groß sein. Das sei also erst mal ein Verlust- beziehungsweise Zuschussgeschäft für ihn.

Diese Anmerkungen sind sein gutes Recht, nämlich die betriebswirtschaftlichen Zwänge, unter denen er als Vollerwerbslandwirt steht, zum besseren Verständnis für Außenstehende nicht ganz außer Acht zu lassen. Die Gemeinde, immerhin, übernimmt die Saatgutkosten, etwa 125 Euro für den Hektar. Lämmle bringt drei Flächen ein, mit insgesamt einem knappen Hektar. Wildacker bedeutet, dass dort Wildtiere Unterschlupf finden, Schutz suchen können, zwar auch, aber eben nicht nur Insekten, die ja auch Wildtiere sind, sondern vor allem Vögel, Füchse, Rehe und Hasen. Das mit den Rehen sei übrigens nicht nur Theorie, versichert Lämmle. Er hat nämlich dort tatsächliche welche entdeckt, zu seiner eigenen Verblüffung. Auf einmal seien die dagewesen.

Durch die Saatmischung wird die Fläche immer wieder anders aussehen

Lämmle selbst findet besonders reizvoll, dass durch die Saatmischung mit 30 bis 40 Sorten und die unterschiedlichen Aussaatzeiten die Flächen jedes Jahr ein anderes Erscheinungsbild haben, sie sich anders darstellen werden. Auf der ersten Fläche dominieren derzeit gelbe Sonnenblumen, auf der zweiten dunkellilafarbene Phacelia, die als Pollen- und Nektarlieferant bei Bienen beliebt ist. Speziell für diese hat Lämmle diese zweite Fläche, die näher beim Weg ist, umgebrochen. Dort wuchs vorher Kleegras, ein Gemenge aus verschiedenen Gras- und Kleesorten. Die Sonnenblumenkerne dagegen seien für Vögel vor ihrem Flug in den Süden noch mal ein richtiger Leckerbissen. 2021 sei von der Witterung und damit auch der Vegetation her ein sehr spezielles Jahr, so Lämmle: „Wir sind drei Wochen hinterher.“ Das bekämen auch die Wengerter zu spüren.

Lämmle begrüßt, dass die Gemeinde nun mehrjährige Blühflächen stärker fördert als einjährige, das mache auch aus seiner Sicht Sinn, bringe nämlich mehr für den Artenschutz, und er werde sich deshalb beim Anlegen weiterer Blüh- und Wildackerflächen darauf konzentrieren. Ein Wildacker müsse mindestens fünf Jahre auf der Fläche stehen, um sich etablieren zu können. So weit das Zuschussbudget nicht ausgeschöpft sei, werde man auch größere Flächen bezuschussen, erklärt Kiesl.

Die Mahd aus den Wildpflanzen geht in die Biogasanlage

Die „Ernte“, nach der Mahd Ende September, bringt Lämmle in seine Biogasanlage ein, deshalb die etwas erklärungsbedürftige Überschrift „Bienenstrom“ für das Ganze. Die Anlage werde aber ohnehin nicht ausschließlich mit Mais betrieben, sondern nur mit maximal 60 Prozent von diesem, so Lämmle: „Wir haben hier bei uns ja Fruchtfolge.“ Von Monokultur könne also keine Rede sein, auch wenn das immer wieder behauptet werde.

Lämmle bricht bei der Gelegenheit erneut eine Lanze für den aus seiner Sicht zu Unrecht an den Pranger gestellten Mais. Die meisten Leute wüssten eben nicht, dass Mais etwa zehnmal so viel Sauerstoff produziere beziehungsweise CO2 vernichte wie eine gleich große Waldfläche. Und in einem Maisfeld sei in Wirklichkeit viel mehr Leben, als immer behauptet werde. Seiner Erfahrung nach beträgt der Energieertrag der Wildblumensilage etwa die Hälfte dessen aus Mais. Allerdings hat er mit nur jeweils einer Düngung und Mahd auch weniger Arbeits- und Betriebskosten, was den Verlust allerdings bei weitem nicht ausgleiche.

Lämmles drittes Standbein ist Putenhaltung. Bei der musste er anfangs Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten. Er bewirtschaftet etwa 105 Hektar, nicht nur in Leutenbach, sondern auch auf Winnender Gemarkung baut er Gerste, Weizen, Mais, Zuckerrüben und Zwischenfrüchte an.

Es sei ein „Wildacker“, also kein weiteres Exemplar der sich allerorten vermehrenden „Blühstreifen“, das stellt Landwirt Rüdiger Lämmle beim Pressetermin vor Ort sofort klar. Was der Laie gleich sieht: Der Bewuchs auf der Fläche ist höher. Vor allem Sonnenblumen dominieren das Bild.

Der Standort liegt in der Verlängerung der Weiler Straße, nicht weit vom Ortsende und nahe dem Küblerschen Weihnachtsbaumverkauf, von dem freilich Mitte September noch nichts zu sehen ist. Der Weg führt

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