Leutenbach

Leutenbach: Bücherei im Rathaus zieht um in die ehemalige Schlecker-Filiale

bücherei
Die Bücherei ist zwar längst mehr als ein großes Bücherregal und durch ihre großen Fenster auch hell und einladend. Aber sie ist auch längst zu klein geworden, auch für die Mitarbeiterinnen, deren Arbeitsplätze. © speiser

Die Ortsbücherei im Rathaus zieht um, ein paar Meter weiter in die seit langem leerstehenden Räume der ehemaligen Schlecker-Filiale. Sie hat dort wesentlich mehr Platz zur Verfügung. Die Verwaltung wiederum bekommt im bisherigen Bücherei-Domizil Platz für dringend benötigte zusätzliche Räume. Wie sagt man heutzutage dazu? „Win-win-Situation“.

Dieser Platztausch ist schon seit langem geplant. Die Gemeinde hatte deswegen 2013 schon die Räume der einstigen Drogeriemarktkette gekauft. Die Mitarbeiterzahl im Rathaus war gestiegen und steigt immer weiter, es gab und gibt neue gesetzliche Vorgaben zu Arbeitsplätzen der öffentlichen Verwaltung und eine steigende Quote von Mitarbeitern, die in Teilzeit arbeiten.

All dies führt dazu, dass die Verwaltung mehr Büroräume benötigt. Man kann es auch so sagen: Das Rathaus wurde seinerzeit beim Bau Ende der 80er Jahre eben für die damalige Zahl der Mitarbeiter ausgelegt. Zwar sind seither das Notariat, der Polizeiposten und die Sozialstation ausgezogen, beziehungsweise gibt es die ersten beiden gar nicht mehr, wurde damit Platz für weitere Büros frei, wurden in den vergangenen Jahren auch Archiv- und Lagerräume zu Büros umgebaut und bisherige Einzelbüros teilweise als Doppelbüros eingerichtet.

Verwaltung wächst und wächst, das neue Personal braucht Räume

Aber, versichert die Verwaltung, inzwischen sei das Ende der Fahnenstange erreicht, alles ausgemostet, es gebe keine Reserven mehr. Neue Arbeitsplätze könnten nur noch geschaffen werden, wenn andere Nutzungen ausgelagert werden, wie eben nun die Bücherei. Außerdem werde auch in den nächsten Jahren das Personal voraussichtlich weiter aufgestockt werden müssen, als Folge der weiter steigenden Einwohnerzahl, zusätzlicher Liegenschaften oder Einrichtungen der Gemeinde und neuer rechtlicher Vorgaben. Nicht zuletzt hat die Gemeinde, weil auch bei ihr Mitarbeiter geburtenstarker Jahrgänge in Rente gehen, inzwischen zwei Ausbildungsplätze zum/zur Verwaltungsfachangestellten, auch für die braucht es zusätzlichen Platz. Ebenso sei mit einer weiteren Erhöhung der Teilzeitquote zu rechnen, so die Verwaltung.

Bücherei braucht Platz für Lesungen und Veranstaltungen

Auf der anderen Seite hat sich auch die Bücherei gewandelt und wandelt sich immer weiter, weg von einer „Büchermitnahme und -rückbringstelle“ zu einem „Medienzentrum“ (Stichworte Digitalisierung, Veranstaltungen, Kurse, Lesungen). Auch das erfordert mehr Platz. Die Verwaltung verweist außerdem darauf, dass die Auslastung, die Nutzung in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist.

2019 bekam die Verwaltung vom Gemeinderat den Auftrag, die Planung für den Umbau beziehungsweise die Sanierung des ehemaligen Drogeriemarkts und der Bücherei zu erarbeiten, inklusive die voraussichtlichen Kosten dafür zu errechnen. Allerdings wollte die Gemeinde das Vorhaben in das Sanierungsgebiet Nellmersbacher Straße aufgenommen und damit gefördert haben. Da es für diese Erweiterung allerdings keine ergänzende Förderung gab, ruhte das Ganze seither. Außerdem kam anderes Wichtiges dazwischen, unter anderem der Umbau der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Weiler zum Stein zu einer Kita, um weitere, dringend notwendige Betreuungsplätze zu schaffen. Mittlerweile hat das Land ein neues Städtebauförderprogramm aufgelegt („Soziale Integration im Quartier“), die Verwaltung hat die vorerst auf Eis gelegte Planung daraufhin vorangetrieben und mittlerweile einen Förderantrag eingereicht. Sollte der positiv beschieden werden, könnte die Gemeinde mit einer Förderung von knapp über 50 Prozent der anrechenbaren Baukosten rechnen.

Verwaltung: Aufwertung für die „neue Ortsmitte“

Einen Anreiz für den Umbau der verwaisten Räume sieht die Verwaltung auch darin, der „neu gestalteten Ortsmitte einen weiteren Baustein hinzuzufügen“ (Löwenplatz und saniertes/modernisiertes „Lamm“ gegenüber). Eventuell können außerdem freiwerdende Flächen im Rathaus als neues „Bürgerbüro“ genutzt werden, anders als das bisherige im ersten Obergeschoss mit eigenem Eingang und damit der Möglichkeit, das Rathaus außerhalb der Öffnungszeiten tatsächlich zu schließen. Bislang kommen nämlich immer wieder Bürger auch außerhalb der Öffnungszeiten ins Rathaus, also wenn die Mitarbeiter in den Ämtern als Ansprechpartner eigentlich nicht zur Verfügung stehen, es gibt deswegen regelmäßig Ärger.

Die neue Bücherei, die auch „Treffpunkt“ und „Erlebnisort“ sein soll und deren Planung mit dem Team abgestimmt ist, wird eine Fläche von knapp 340 Quadratmeter zur Verfügung haben, fast eine Verdopplung zur bisherigen. Vorgesehen sind außer Regalflächen für Bücher und Medien, den Arbeitsplätzen, eine „Bücherei der Dinge“, Leseinseln und eine Multifunktionsfläche mit rund 40 Quadratmetern.

Allerdings braucht es auch Änderungen an der bislang wenig ansehnlichen, weil weitgehend geschlossenen Außenfassade im Erdgeschoss. Die müssen mit den anderen Eigentümern drüber in dem Mehrfamilienhaus abgestimmt sein, dazu gehören ein neuer Windfang am Haupteingang zum Rathaus hin, der einladender werden soll, neue und größere Fenster für möglichst viel Tageslicht drinnen und auch der Schriftzug „Bücherei“.

Baukosten, Stand heute, voraussichtlich 1,4 Millionen Euro

Die Verwaltung hat in der jüngsten Sitzung allerdings vorgewarnt, dass frühere Überlegungen zum Umbau, die bis 2013 zurückreichen, nichts mit den nun zu erwartenden Kosten zu tun haben werden. Seither hätten sich die Preise für manche Gewerke nahezu verdoppelt.

Außerdem sind nun der Einbau einer Fußbodenheizung, einer Wärmepumpe anstelle einer Gastherme, eines barrierefreien WCs, einer Lüftungsanlage (weil wegen der auch künftig geringen Zahl von Fenstern das Lüften über diese nicht reichen wird), eines neuen Lastenaufzugs (damit das Untergeschoss als Lagerfläche genutzt werden kann und die Reparatur des bisherigen Lastenaufzugs laut Verwaltung nicht wirtschaftlich ist) und die Erneuerung der Sanitärinstallationen vorgesehen.

Die Verwaltung geht von Baukosten in Höhe von rund 720.000 Euro, plus die Ausgaben für die Ausstattung (150.000 Euro), plus Planungs- und Baunebenkosten (knapp 300.000 Euro), alles in allem also knapp 1,4 Millionen Euro brutto. Sie rechnet mit einer Förderung von rund 620.000 Euro (die Kosten für die Ausstattung sind nicht förderfähig, deshalb sind es also nicht 54 Prozent der Gesamtkosten). Im Haushaltsplan sind 500.000 Euro eingestellt, es müssten also weitere knapp 270.000 Euro bereitgestellt werden (im Haushaltsplan 2023).

Unbedingt nötig: neue, größere Fenster für mehr Tageslicht

Im Gemeinderat ging es nun um die Zustimmung zu den Plänen, den erforderlichen Baubeschluss. Nachdem das Vorhaben immer wieder verschoben wurde, immer wieder was dazwischenkam, sei „jetzt die Zeit reif dafür“, warb Bürgermeister Jürgen Kiesl. Das Bürgerbüro oder auch „Bürgerzentrum“ könne in die bisherige Bücherei verlegt und damit das langjährige Problem der Öffnungszeiten des Rathauses angegangen werden, das freiwerdende Bürgerbüro im Rathaustock könne dann für neue Büros für neues Personal genutzt werden.

Die geplante Grundsanierung der vorherigen Drogeriemarkträume sei für die neue Nutzung als Bücherei unbedingt erforderlich und vor allem brauche es dort mehr Licht als bisher, betonte Bauamtsleiter Johannes Kocher. Das Umfeld des Rathauses, dieses selbst und die „neue Ortsmitte“ würden damit aufgewertet, diese sich noch mehr, wie gewollt, Richtung Löwenplatz verlagern, so Hauptamtsleiter Jakob Schröder.

Große Überzeugungsarbeit war aber ohnehin nicht mehr erforderlich, der Gemeinderat hatte ja im Grunde schon vor langem zugestimmt, so auch nun wieder, einstimmig.

Die Ortsbücherei im Rathaus zieht um, ein paar Meter weiter in die seit langem leerstehenden Räume der ehemaligen Schlecker-Filiale. Sie hat dort wesentlich mehr Platz zur Verfügung. Die Verwaltung wiederum bekommt im bisherigen Bücherei-Domizil Platz für dringend benötigte zusätzliche Räume. Wie sagt man heutzutage dazu? „Win-win-Situation“.

Dieser Platztausch ist schon seit langem geplant. Die Gemeinde hatte deswegen 2013 schon die Räume der einstigen Drogeriemarktkette gekauft. Die

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