Leutenbach

Leutenbach: Den Kitas geht das Personal aus und manchen Eltern die Geduld

Kinderhaus Mühlefeld
Eva Pyrka (l.) und Jana Geiger-Ott von der Verwaltung vor dem Kinderhaus Mühlefeld, wo es Klagen gibt. © Alexandra Palmizi

Vor Ostern fiel die Betreuung an zwei Tagen „spontan“, kurzfristig aus, danach war sie an einigen Tagen nur eingeschränkt angeboten. Eine Mutter macht ihren Frust darüber per Anruf bei der Zeitung öffentlich. Ihr Kind geht ins Kinderhaus Mühlefeld, in eine Krippengruppe (U 3). Die Nachricht aus dem Rathaus, dass mittlerweile immerhin die Betreuung bis 13.30 Uhr gesichert sei, aber ohne die übliche Schlafpause zwischendrin, findet die Mutter „grenzwertig“. Ebenso wie das Angebot der Verwaltung, dass, wenn die Auszeit gewünscht werde, bei der Ganztagsbetreuung das Kind um 12 Uhr abgeholt und um 14 Uhr wiedergebracht werden könne. „Wie soll das gehen bei berufstätigen Eltern?“, fragt die Mutter.

Sie selbst arbeitet auch, in der Nähe, womit sie im Vergleich mit anderen Paaren, bei denen ebenfalls beide Elternteile einem Job nachgehen, noch Glück habe. Mittlerweile sammelten sich aber bei ihr wegen der Kita-Ausfälle, für die sie kurzfristig einspringen müsse, die „Minus“-Stunden an. Sie befürchtet Ärger mit dem Betrieb, ihre Stelle lasse kein Home-Office zu, sie müsse also vor Ort sein. Sie hat mit der Kitaleitung und der Verwaltung gesprochen. Das Angebot, das Kind könne ja auch im Gruppenraum sich ausruhen, sozusagen dösen, aber eben nicht im Ruheraum schlafen, hält sie für wirklichkeitsfremd. „Wie soll das funktionieren?“ Auch die Alternative, das Kind eine Stunde früher abzuholen, damit es zu seinem Schlaf, das es mittags braucht, kommt, weil auch das mit ihrer Arbeitszeit kaum zu vereinbaren sei. „Und jetzt kommt auch noch der Streik dazu!“

Eva Pyrka, Gesamtleiterin der Leutenbacher Kitas, und Hauptamtsleiter Jakob Schröder können zwar den Unmut ein Stück weit nachvollziehen. Aber sie verweisen dazu befragt auf die Ursache der Misere, die der klagenden Mutter durchaus bewusst ist: Personalmangel. Corona grassiere immer noch, Kinder infizierten sich gegenseitig und auch die Erzieherinnen, dazu kämen die Ausfälle durch die typischen jahreszeitlichen Krankheitswellen wie Magen-Darm-Virus und Erkältungen, aber auch Langzeitausfälle. Zudem gebe es einen eklatanten Fachkräftemangel. Sprich der Erzieherinnen-„Markt“ ist leer gefegt, das zeigen auch die vielen Stellenanzeigen von Kommunen landauf, landab.

Auch wenn Kleinkinder schlafen, müssen sie beaufsichtigt werden

Derzeit komme leider alles zusammen und deshalb sei jeden Morgen die Frage „Wer fällt heute alles aus?“, so Eva Pyrka. Beispiel eben U-3-Betreuung: Die Gemeinde sei bei diesen Kleinkindern zu einer permanenten Aufsicht verpflichtet. „Wir können bei denen nicht nur alle paar Minuten danach gucken oder sie alleine im Eck spielen lassen.“ Die Anforderungen seien höher als bei den älteren Kindern, das fange mit Wickeln an und höre damit noch längst nicht auf, nicht umsonst dürfe eine U-3-Gruppe nur maximal zehn Kinder haben und brauche jede Gruppe zwei Erzieherinnen. „Wenn eine ausfällt, haben wir schon ein Problem, weil wir nicht immer eine Vertretungskraft parat haben. Nur wenn wirklich alle Stricke reißen, legen wir auch mal zwei Gruppen zusammen.“ Heißt also: Wenn die Erzieherinnen, die Aufsicht haben sollen, während die Kinder schlafen, nicht zur Verfügung stehen, kann es keine Schlafzeit geben. Diesen Zusammenhang wird man wohl gerade und erst recht Eltern des Kinderhauses Mühlefeld nicht extra erklären müssen.

Angesichts dieser beiden sich verstärkenden Gegebenheiten – Ausfälle und Mangel – komme man irgendwann unweigerlich an den Punkt, „wo wir für zu viele Kinder zu wenig Erzieherinnen haben“, so Schröder, „und dann bleibt nichts anderes übrig, als in die Notbetreuung überzugehen“. Sie könne aber den Ärger von Eltern nachvollziehen, sie erlebe das als Oma bei ihren Enkeln ja auch mit, so Eva Pyrka. Noch näher dran, was die eigene Befindlichkeit angeht, ist Schröder, denn er hat selbst ein eigenes Kind in der U-3-Betreuung im Kinderhaus Mühlefeld. Auch die Mutter, also seine Frau, ist berufstätig und hat einen Job, bei dem Home-Office gar nicht geht. „Wir haben also selbst Interesse daran, dass die Kinderbetreuung funktioniert.“

Die Devise, bis an die Grenze zu gehen, geht auf Kosten der Erzieherinnen

Man gehe in Leutenbach an die „rechtlich äußerste noch zulässige Linie. Wir versuchen wirklich alles, um die Betreuung noch irgendwie sicherzustellen, um die Schließung von Gruppen oder Einrichtungen, so es irgend geht, zu vermeiden, das geht aber irgendwann nicht mehr ohne Abstriche“. Er und Eva Pyrka verweisen darauf, dass andere Kommunen wesentlich schneller „dichtmachen“. Sie ergänzt, dass diese Überlebensstrategie ihren Preis habe, nämlich auf Kosten des zur Verfügung stehenden Personals gehe. „Das wird bei uns wahrlich nicht geschont, wir entscheiden beim Abwägen immer zugunsten der Eltern.“ Schröder fügt hinzu: „Wenn wir schließen, geht es gar nicht mehr anders. Wir gehen mit dem verbleibenden Personal an die Grenze dessen, was praktisch noch machbar ist.“ Sie verweist darauf, dass Erzieherinnen verpflichtet sind, nach sechs Stunden eine Pause zu machen. Auch diese müssten ja, mit Ersatz für diese Zeiten, organisiert werden. Beim Vorschlag mit der auswärtigen „Mittagspause“ beim Kinderhaus sei ja die Idee gewesen, zumindest einem Teil der Eltern zu helfen, entgegenzukommen, „bevor wir zumachen“. Das sei nämlich die Alternative gewesen, betont Schröder.

Eva Pyrka verweist darauf, dass es derzeit, unabhängig von Krankheiten, insgesamt acht nicht besetzte Erzieherinnenstellen gibt, man habe allerdings einige Kandidaten für die Zeit ab Sommer in Aussicht. Natürlich gebe es auch Vertretungskräfte, einen Pool auf Abruf, der aber in Leutenbach, eine Besonderheit dort, zentral verwaltet werde, was zwar zusätzlichen Aufwand bedeute, aber Flexibilität bringe, weil die Vertretungskräfte nicht bestimmten Einrichtungen zugeordnet sind, wie anderswo, sondern überall eingesetzt werden, wo sie gebraucht sind. Für die fest angestellten Erzieherinnen habe die Gemeinde als kleinen Ausgleich zwei zusätzliche Urlaubstage im Jahr, und zwar dauerhaft, beschlossen. Die Situation sei also derzeit kompliziert, manche Eltern stellten sich das zu leicht vor. „Wenn Personal dauerhaft überlastet wird und dann länger krank ausfällt, nützt das den Eltern und der Gemeinde auch nichts. Oder es macht da nicht länger mit und wechselt, geht weg.“ In Leutenbach ziehe das Personal allerdings unverändert voll mit, betonen sie und Schröder.

Gemeinde will für den „Nachschub“ verstärkt selbst ausbilden

Ist der Stellenplan zu knapp bemessen? Leutenbach habe etwas mehr Erzieherinnenstellen, als es der Personalschlüssel vorschreibe. Schröder verweist darauf, dass beschlossen worden ist, dass es in jeder Kita eine Ausbildungsstelle geben soll, entsprechend werde in den nächsten beiden Jahren aufgestockt. Die Gemeinde will so selbst für „Nachschub“ sorgen. Wobei freilich nicht garantiert ist, dass eine Erzieherin, die in Ausbildung war, gerade damit fertig wird, dann auch bleibt. Der „Markt“ ist so, dass jede Kommune Anreize schaffen muss, es gibt Konkurrenz. Man sei dabei, „feste“ Vertretungen zu planen, um vakante Stellen zu besetzen, ergänzt Eva Pyrka.

Was sagen sie zur Forderung der Mutter, bei reduziertem Angebot müsste die Gebühr verringert werden? Darauf gebe es zunächst mal keinen Anspruch, weil der Elternbeitrag laut Satzung eine Beteiligung an den dauerhaften Gesamtkosten sei, so Schröder – wohlgemerkt Beteiligung, von einer Deckung kann bei weitem nicht die Rede sein. Natürlich werde die Verwaltung später, nachträglich, zu einer Art Rückerstattung – wie bei Corona – dem Gemeinderat, der das beschließen müsse, einen Vorschlag machen. Manche Eltern hätten offenbar die Vorstellung, die Gebühr sei ein „Eintrittspreis“ mit Anspruch auf Vorführung. Es gehe aber auch darum, Ansprüche mal zu überdenken, so Eva Pyrka. Dass immer dieselbe Erzieherin sich um dieselben Kinder kümmert, als Bezugsperson für diese, was an sich pädagogisch sinnvoll wäre, das sei schon lange so nicht mehr machbar.

Vorschläge seitens der Eltern seien jederzeit willkommen

Schröder verweist darauf, dass die „Notlösungen“ mit dem Elternbeirat abgesprochen sind, alternative Ideen, Vorschläge, von diesem und auch einzelnen Eltern jederzeit willkommen seien. „Mit uns kann man immer reden, wir versuchen stets, eine gemeinsame Lösung zu finden.“ Bei Klagen sollte aber auch bedacht werden, wie das bei den Erzieherinnen, „die an der Belastungsgrenze kämpfen, ankommt. Auch die brauchen nämlich mal Anerkennung für das, was sie leisten“. Die Ideen, wie man es trotz allem noch hinkriegen könne, kämen ja meistens von denen, so Eva Pyrka: „Da fehlt es ihnen gegenüber schon etwas an Wertschätzung. Wir stellen gemeinsam ja 1000 Überlegungen an, machen es uns nie einfach.“ Keine Leitung einer Kita dürfe, wie anderorts üblich, zum Beispiel selbst entscheiden, die Einrichtung zeitweise zu schließen. Das gehe bis dahin, dass Erzieherinnen spontan ihr Privatleben umorganisieren, um diese Ausfälle aufzufangen, so Schröder.

Vor Ostern fiel die Betreuung an zwei Tagen „spontan“, kurzfristig aus, danach war sie an einigen Tagen nur eingeschränkt angeboten. Eine Mutter macht ihren Frust darüber per Anruf bei der Zeitung öffentlich. Ihr Kind geht ins Kinderhaus Mühlefeld, in eine Krippengruppe (U 3). Die Nachricht aus dem Rathaus, dass mittlerweile immerhin die Betreuung bis 13.30 Uhr gesichert sei, aber ohne die übliche Schlafpause zwischendrin, findet die Mutter „grenzwertig“. Ebenso wie das Angebot der

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