Leutenbach

Leutenbach: Der Micheleshof ist ein Demobetrieb für den Erhalt der Biodiversität

PilotbetriebHeidenhof
Bernd Häußermann mit Kartoffeln, die mit dem organischen Mulch bedeckt waren. © Gaby Schneider

Der Landwirtschaftsbetrieb von Bernd, Jens und Petra Häußermann im Heidenhof, neuerdings unter dem Namen „Micheleshof“ firmierend, ist einer von bisher fünf ausgewählten, die sich am „Netzwerk von Demobetrieben zur Förderung der biologischen Vielfalt in Baden-Württemberg im Regierungsbezirk Stuttgart“ beteiligen.

Um was geht es dabei konkret? Die bekannten, sich verbreitenden und auch geförderten Blüh- und Ackerrandstreifen seien gut, aber nur punktuell, sie machten das auch, neu sei aber, dass mit dem Förderprogramm versucht werde Biodiversität in die Produktion, ja in den ganzen Betrieb, einzubauen, so Bernd Häußermann. Etwa mit dem seit diesem Jahr beziehungsweise vergangenem Herbst eingesetzten „Transfermulch“ (organisches Material von einer Geber- wird auf einer Nehmerfläche ausgebracht, wobei der Boden vorher entsprechend bearbeitet wurde), einer auf einigen Hektar eingesäten Mischfrucht, darunter Leguminosen (Wicke), Tritikale (Kreuzung aus Roggen und Weizen), die gehäckselt auf die Kartoffelpflanzen verteilt, „gestreut“ wird statt der bisher üblichen Silage.

Organische Düngung hat mehrere Vorteile

Eine organische Düngung, die mehrere Vorteile beziehungsweise Ziele hat: Nutzung als Nährstoffquelle, Unkrautvermeidung, zumindest -unterdrückung durch diese „Beschattung“, durch die „Bedeckung“ Temperaturregulierung und Verdunstungsschutz. Das sei auch sehr gut erreicht worden, bis auf die Temperaturregulierung, „da müssen wir noch experimentieren“, so Juniorchef Jens Häußermann. Vereinfacht gesagt gehe es also darum, die Kartoffeln weitgehend ohne „Chemie“ großzubekommen, ohne Herbizide, ohne Fungizide, Pestizide, zumindest dass im Folgejahr weniger davon zum Einsatz kommt. Ihr Experiment sei ein Versuchsballon dabei. Es passe zum Förderprogramm Biodiversität in der Landwirtschaft, weil sie ja so ein „Gemenge“ anbauten, Vielfalt auf dem Acker schaffen. Den Unterschied kann man bei ihnen leicht erkennen, denn direkt daneben wird konventionell angebaut. Dort plagt der unvermeidliche Kartoffelkäfer. Die Biopflanzen seien gesünder, widerstandsfähiger, so ihre Erfahrung aus dem einjährigen Versuch. „Und der scheint auch in feuchten, nassen Jahren zu funktionieren.“ Weil er in denen auch ein Schutz gegen Erosion ist.

Wie sind sie dazu gekommen mitzumachen? Das Pilotprojekt war vom Regierungspräsidium ausgeschrieben. Vieles dort machten sie in ihrem Betrieb eh schon. Der Anreiz für sie sei vor allem die wissenschaftliche Begleitung, die Ansprechpartner in den Hochschulen in Nürtingen und Hohenheim sowie dem früher staatlich, mittlerweile als Verein organisierten Beratungsdienst Kartoffelanbau in Heilbronn, auch wenn das Programm schon etwas mit heißer Nadel gestrickt sei. Die drei hauptamtlichen Berater dort werden den Versuch auswerten, vor allem die Ergebnisse der unterschiedlichen Anbauweisen vergleichen.

Natürlich gebe es für sie auch ein gewisses Risiko, konkret Ertragseinbußen. Es gibt zwar eine gewisse „Basisförderung“, sie dürfen Arbeitsstunden in Rechnung stellen, bekommen die als Aufwandsentschädigung also vergütet, und auch einen Ausgleich, sollte es tatsächlich zu Ertragseinbußen kommen, aber ihre Teilnahme hänge nicht von der ab, versichern Häußermanns. Es sehe aber ohnehin sehr gut aus, was die Ernte angehe. Vor allem gebe es weniger Krankheiten.

Im Futterweizen ist eine Leguminosenuntersaat geplant

Sie experimentieren aber nicht nur bei den Kartoffeln. Beim Futterweizen ist eine Leguminosenuntersaat geplant – eine Kultur mit Klee zum Beispiel, der wenig Licht brauche – flach am Boden, „die „dicht macht“, die aber sehr wohl das Ernten zulässt, Feuchtigkeit und Luftstickstoff bindet, auch diese „Begleitflora“ soll vor allem Unkraut „unterdrücken“, so dass auch dort auf Pflanzenschutz-/Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet werden kann.

Im Futterweizen legen sie außerdem freie Flächen für Lerchen, Bodenbrüter an, lassen mit der Sämaschine „Fenster“ aus, so dass Lücken für diese entstehen. Die Vielfalt ist auch im Sortiment gewachsen. Vor zehn Jahren gab es auf dem Hof nur drei Kulturen: Kartoffeln, Weizen und Zuckerrüben. Mittlerweile sind es doppelt so viele, darunter auch Soja. „Trotz Flächenknappheit arbeiten wir stetig nachhaltiger, erweitern die Fruchtfolge, um den Boden nicht so zu beanspruchen, es muss alles ineinandergreifen, wir versuchen ganzheitlich unterwegs zu sein“.

Wie viel Fläche bewirtschaften sie eigentlich? Der Senior muss lachen, also so genau wisse er das selbst nicht aus dem Stand, so 100 bis 115 Hektar dürften es sein, zwischen Backnang und Schwaikheim, also weit über den Heidenhof hinaus, wobei der Schwerpunkt freilich dort, beziehungsweise bei Nellmersbach und Leutenbach liegt.

Die Demobetriebe sollen Multiplikatoren sein

Pilotprojekt bedeutet, dass die ausgewählten Demobetriebe Multiplikatoren sein sollen, Vorreiter für andere, interessierte Landwirte, die sich bei denen informieren, die ihnen die Vorgehensweise erklären, wo sie die gemachten Erfahrungen selbst sehen können. Und Häußermanns ziehen sich Nachwuchs auch auf dem Hof heran, sie haben derzeit einen Praktikanten, der selbst eifrig experimentiert. Sowohl ihre Salat- als auch ihre Speisekartoffeln wiesen eine große Widerstandskraft gegen Krankheiten auf, etwa durch mehr „Kraut“ um sie herum bei großer Hitze, das Schatten spendet, erläutert Bernd Häußermann. Aber bei den Kartoffeln sei es nicht anders als bei den Äpfeln: Die alten Sorten kämen mit der zunehmenden Hitze und Trockenheit nicht klar, machten eben wenig schützendes „Kraut“.

45 Prozent der Fläche des Landes wird landwirtschaftlich genutzt

Das RP weist in seiner Pressemitteilung zum Projektauftakt darauf hin, dass 45 Prozent der Fläche des Landes landwirtschaftlich genutzt wird. Die Agrarlandschaft sei damit ein wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von Wildtieren und -pflanzen. In ganz Baden-Württemberg wurden 22 Demobetriebe ausgewählt, davon 19 Ackerbau-, Grünland- und viehhaltende Betriebe, einschließlich Gemüseanbau, sowie drei Obst- und Weinbaubetriebe.

Das Netzwerk solle bis 2025 auf bis zu 44 Betriebe, im Regierungsbezirk Stuttgart auf bis zu 13, anwachsen. Zu den bisherigen fünf ausgewählten im hiesigen Regierungsbezirk gehören auch einer in Frankenhardt (Landkreis Schwäbisch Hall), einer in Steinenkirch (Landkreis Göppingen), einer in Unterriexingen (Landkreis Ludwigsburg) und einer in Gäufelden (Landkreis Böblingen).

Der Landwirtschaftsbetrieb von Bernd, Jens und Petra Häußermann im Heidenhof, neuerdings unter dem Namen „Micheleshof“ firmierend, ist einer von bisher fünf ausgewählten, die sich am „Netzwerk von Demobetrieben zur Förderung der biologischen Vielfalt in Baden-Württemberg im Regierungsbezirk Stuttgart“ beteiligen.

Um was geht es dabei konkret? Die bekannten, sich verbreitenden und auch geförderten Blüh- und Ackerrandstreifen seien gut, aber nur punktuell, sie machten das auch, neu sei

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper