Leutenbach

Leutenbach: Feldbahn-Fahrtag vor allem für Familien am 10. und 11.09.

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Am Wochenende öffnet Michael Jahnle das Tor zu seinem größten Schatz und lässt ihn auch raus. Er muss ihn bis dahin aber erst noch etwas entstauben und auch mal teststarten. © speiser

Ein kleines Paradies haben Michael Jahnle und der Freundeskreis Feldbahn in den vergangenen 15 Jahren zwischen der Bahnlinie und der B 14 am Rande des Nellmersbacher Gewerbegebiets Halde geschaffen. Am kommenden Wochenende hat das trotz dieser Lage idyllische Kleinod für Besucher geöffnet.

Wobei die Nähe zur Bundesstraße und vor allem zur S-Bahn allerdings auch sehr gute Erreichbarkeit bedeutet. Von der S-Bahn-Station sind es nur wenige Minuten zu Fuß dorthin, mit dem Fahrrad geht es noch schneller. Zudem ist eh auch der Radweg nicht weit weg.

Geboten ist am Samstag, 10. September (von 14 bis 19 Uhr), und am Sonntag, 11. September (von 11 bis 18 Uhr), vor allem für Familien mit Kindern ein „Fahrtag“. Die fünf Dieselloks, die akkubetriebene E-Lok und die große, richtige E-Lok mit Stromversorgung von der Oberleitung sind im Einsatz, drehen ihre Runden. Wobei eine Fahrt aus zwei, knapp 260 Meter langen Runden besteht, die, versteht sich, nicht einfach die gleichen sind.

Auf einer Route liegt ein Brückle

Bei der einen Route kommen die Fahrgäste vor allem in den Genuss einer Brückle-Überfahrt, wobei die beiden Rampen von und zu ihr und die lichte Höhe darunter, zugegeben, sehr überschaubar sind. Aber die Passage ist vor allem für den Nachwuchs eine Attraktion und so lohnt sich der Aufwand, den Jahnle und seiner Unterstützer hatten, als sie sie anlegten, immer wieder.

Sie haben dort sogar einen echten Kilometerstein hingestellt, der anzeigt, dass die Brücke bei „Kilometer 0,1“ passiert wird, also schon nach 100 Metern. „Da muss sich halt vieles im Kopf abspielen“, meint Jahnle schmunzelnd zu den bescheidenen Zahlen.

Bahnsteig an Kilometer 0 mit ehemaligem Fahrkartenautomat

Aber das gilt eh für die gesamte Anlage, die eine Eisenbahnwelt in klein ist. Darin liegt aber eben ihr Reiz. Es gibt sogar einen „Bahnhof“ mit Schild (etwas überwuchert von Traubenranken), alten Bahnhofslampen und Kilometerstein „0“.

Wobei Profi Jahnle, als ehemaliger Lokführer, nicht Zugführer, wie er betont, was ein Unterschied sei, ehrlich ist, es einfach nicht über die Zunge bringt, den großspurig so zu bezeichnen, sondern schlicht, funktional von einem bloßen „Bahnsteig“ spricht. Nichtsdestotrotz hängt dort auch ein historischer, ehemaliger Streifenfahrkartenautomat, dessen Innenleben zwar ausgebaut ist, er funktioniert also nicht, aber an seinem Gehäuse ist eine Kurbel befestigt, die bei Betätigung immerhin wie eine ratternde Rätsche klingt.

Zumindest das Hörerlebnis, die akustische Illusion, ist also da. Jahnle geht davon aus, dass vor allem Großeltern hier nostalgische Anwandlungen bekommen, beim Erinnern, „wie’s früher mal war“.

Es gibt einen echten Fahrdienstleiter und der hat einiges zu tun

Ein paar Meter ist bereits die erste Weiche, die entscheidet, in welche Richtung es weitergeht, aber auf jeden Fall an Sonnenblumen vorbei.

Gesteuert wird die Weiche servo-elektrisch, nicht vom Zug- oder Lokführer, sondern vom „Fahrdienstleiter“ übers „Stellwerk“ am „Bahnhof“, wobei Jahnle selbst, sonst durchaus zu sehr viel Selbstironie fähig, hier, bei diesem Funktionstitel, aber keine Anführungszeichen setzt. Der sei nämlich wirklich gefordert, weil stets drei Züge gleichzeitig unterwegs sind und die Fahrten jeweils nur zwischen vier und sechs Minuten dauern. Da brauche es schon jemanden, der den Überblick behält, die Einfahrten in die Haltestation mit Signalen regelt.

Jahnle kann so viel aus seinem langen Eisenbahnerleben erzählen und erklären

Jahnle kann das alles aus seinem langen Eisenbahnerberufsleben bestens erklären, hat aber auch in seiner fast zu einem Museum ausgebauten Scheuer viel Info- und Anschauungsmaterial aufgebaut. Für den, der will, kommt neben dem Vergnügen also auch das Dazulernen, was „schienengebundener“ Verkehr, so Jahnle, bedeutet, am Fahrtag nicht zu kurz, versprochen.

Auf der Fahrt locken Himbeeren in Armlänge vom Zug entfernt

Die Anlage ist aber nicht nur wegen der Technik eine Attraktion für Familien. Sie liegt in einem knapp einen halben Hektar großen Außengelände, das Jahnle und vor allem seine Frau im Laufe der Jahre zu einem Naturparadies ausgebaut haben, mit Stauden, derzeit blühenden Dahlien, Eisenkraut, Prunkwinde, Hochbeeten, Himbeer- und Brombeerhecken, letzte nur in Armlänge entfernt bei der Fahrt. Wobei es nicht gewiss ist, ob Jahnle übers Pflücken während dieser, aus dem Zug heraus, „amused“ wäre, aber Anschauen ist auf jeden Fall erlaubt.

Gelände ist von Ausmaßen her begrenzt, aber es gibt ständig was zu entdecken

Das Gelände ist also von seinen Ausmaßen her zwar überschaubar, tatsächlich ist es aber so angelegt, gestaltet, dass man, wie Jahnle stolz erläutert, „nicht von einer Ecke zur gegenüberliegenden schauen kann“, sondern es auf der Fahrt ständig etwas zu entdecken gibt.

Vom „Bahnhof“ aus gesehen, aus dem Blickwinkel dort wartender Fahrgäste, „verschwindet“ der Zug immer wieder. Jahnle ermuntert übrigens ausdrücklich dazu, dass Kinder alleine mitfahren, sich das trauen, bei früheren Veranstaltungen gab es Eltern, die nebenher mitliefen, was beim gemächlichen Reisetempo durchaus geht. Er beteuert aber glaubhaft: „Wenn man nur lange genug wartet, kommt das Kind oder auch’s Enkele wohlbehalten zurück.“

Dreijähriges Silber-Kaninchen wird auch vor Ort sein

Für die gibt es noch eine „Zugabe“: Zur Anlage gehört auch „Silver“, ein dreijähriger Vertreter der gleichnamigen Kaninchenrasse, der Löwenzahnblüten, die es auf dem Gelände auch gibt, mag, und der am Fahrtag ins Außengehege darf. Von „Streichelzoo“ mag Jahnle allerdings lieber nicht reden.

Die Eltern oder Großeltern können sich derweil ja mal beim gastronomischen Angebot umschauen, darunter Kaffee und Kuchen vom Jugendreferentenausschuss der einheimischen Kirchengemeinde. Verhungern oder verdursten muss also gewiss niemand. Und in die Ferne reisen, um am Wochenende was zu erleben, auch nicht.

Ein kleines Paradies haben Michael Jahnle und der Freundeskreis Feldbahn in den vergangenen 15 Jahren zwischen der Bahnlinie und der B 14 am Rande des Nellmersbacher Gewerbegebiets Halde geschaffen. Am kommenden Wochenende hat das trotz dieser Lage idyllische Kleinod für Besucher geöffnet.

Wobei die Nähe zur Bundesstraße und vor allem zur S-Bahn allerdings auch sehr gute Erreichbarkeit bedeutet. Von der S-Bahn-Station sind es nur wenige Minuten zu Fuß dorthin, mit dem Fahrrad geht es

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