Leutenbach

Leutenbach: Keine Tiny Houses, der Spielplatz bleibt

Fläche Tiny Houses
Eine Idylle am Rande, die nun doch erhalten bleibt. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Spielplatz an der Mendelssohnstraße bleibt – in seiner bisherigen, vollen Größe. Anders gesagt, mit einer aus der Mode gekommenen Redewendung: Die Gemeinde nimmt Abstand von ihrer Überlegung, den Spielplatz aufzugeben oder zu verkleinern, um Flächen für Tiny-Häuser zu gewinnen. Dagegen hatte sich Widerstand aus der Nachbarschaft erhoben, mitsamt Unterschriftenliste. Der Gemeinderat beerdigte daraufhin in seiner jüngsten Sitzung die Idee endgültig.

Hervorgegangen ist die aus der Untersuchung eines externen Fachbüros vor drei Jahren. Das hatte die Spielplätze in den drei Teilorten unter die Lupe genommen, hinsichtlich Zustand, Ausstattung, Einzugsbereich und Nachfrage. Ergebnis war, dass einige wohl verzichtbar sind und andere, die erhalten bleiben sollten, mit dem Geld, das bei der Instandhaltung der anderen gespart wird, aufgewertet werden könnten.

Der Spielplatz Mendelssohnweg kam bei diesem „Check“ nicht gut weg. Die Spielgeräte seien alt, die Lage, mit viel Lärm von der nahen Durchgangsstraße, unattraktiv. Zudem gebe es für ältere Kinder und Jugendliche in dem Gebiet die nicht weit entfernten Spielplätze Walzenhalde, Hirschgasse und Ob den Gärten. Die Empfehlung war, über eine Nachverdichtung für Wohnnutzung „nachzudenken“, für Kleinkinder den öffentlichen Bereich zu erhalten und mit attraktiveren Spielgeräten auszustatten.

Von der Spielplatzkommission der Gemeinde kam im vergangenen November die Empfehlung, auf dem Grundstück die Aufstellung von sogenannten „Tiny Houses“ zu prüfen, und die Aussage, dass bei der künftigen Entwicklung eines Baugebiets ein besser geeignetes Grundstück mit einem Spielplatz vorgesehen werden könnte.

Bauamt: Restspielfläche für kleine Kinder wäre auch bei Bebauung möglich

Das Bauamt hielt daraufhin aufgrund des ungünstigen Grundstückzuschnitts maximal zwei Baufenster für Tiny Houses (mit Grundflächen von jeweils vier auf zwölf Meter) möglich, sowie eine Restfläche von etwa 120 Quadratmetern für ein kleines Spielfeld für unter Dreijährige, mit einer kleinen Schaukel, einem Sandkasten und Wipptieren als Spielgeräte, ähnlich wie beim Spielplatz Walzenhalde.

Wobei für die veränderte Nutzung (Wohnen statt Spielen) eine Bebauungsplanänderung erforderlich sei, samt Ausgleichsflächen, Planungskosten von etwa 10.000 Euro, voraussichtlich 25.000 Euro für die Erschließung, für die Herstellung der Spielfläche noch mal etwa die gleiche Summe. Wobei diesen die Einnahmen aus dem Verkauf von 400 Quadratmetern für zwei Tiny Houses beziehungsweise bei geschätzt etwa 300.000 Euro gegenüberstünden und somit ein hübsches Sümmchen übrig bliebe, um damit, so die Verwaltung, die Investitionen in Spielflächen an anderer Stelle zu refinanzieren.

Im Gemeinderat versicherte Bürgermeiser Jürgen Kiesl, die Gemeinde habe eigentlich diese Überlegungen bereits ad acta gelegt, eine Bebauung des Areals stehe nicht (mehr) an, das Thema sei nun aber in öffentlicher Sitzung auf der Tagesordnung, weil es offenbar nach wie vor Sorgen und „größere Diskussionen“ unter den Anwohnern gebe. Kiesl berichtete auch, dass sich eine „Interessengemeinschaft“ mit etwa 50 Personen gebildet habe.

Er versicherte, dass eine Auflösung oder Umnutzung des Spielplatzes nicht Teil des Beschlusses von 2019 gewesen sei. Es habe nur Empfehlungen, Vorschläge, Vorüberlegungen gegeben Dagegen hätten der große Eingriff in die Grünfläche und am angrenzenden Hang, der Böschung zur Straße runter, der erforderliche Ausgleich und die hohen Erschließungskosten gesprochen. Deshalb sei man letztlich zu der Empfehlung gekommen, sowohl seitens der Kommission als auch des Technischen Ausschusses, das Ganze nicht weiterzuverfolgen, sondern den Spielplatz in seiner bisherigen Größe zu erhalten.

In der Aussprache forderte Alexander Thaler, FWG, angesichts dessen, dass der Spielplatz kaum genutzt werde, kein Geld mehr in diesen reinzustecken, allenfalls so viel wie nötig, um die vorhandenen Spielgeräte zu erhalten. Karin Kögel, CDU, selbst Mitglied der Kommission, betonte, dass eine „Schließung“ nie Thema gewesen sei, zumal die Fläche ja auch eine „grüne Lunge“ für das ganze Quartier sei. Dem Argwohn, dass hier etwas hinter verschlossenen Türen, heimlich an den Anwohnern, Eltern und Kindern vorbei, hätte geschehen sollen, widersprach Erwin Schmidt, FWG. Dass der Spielplatz nicht mehr notwendig sei, vor allem nicht für ältere Kinder, sei damals von dem Fachbüro, das die Spielplätze untersuchte, in öffentlicher Sitzung gesagt worden, ebenso die Empfehlung, über eine Wohnverdichtung an dieser Stelle stattdessen nachzudenken. Auch auf die Verkehrslärmbelastung habe es hingewiesen. „Da ist also nichts unter den Teppich gekehrt worden.“ Im Grund bestehe der Spielplatz aus einer einbetonierten Tischtennisplatte, so Peter Hildenbrand, FWG, er frage sich da schon, wie es zur Unterschrift von 60 Kindern auf der Liste komme, mit der gefordert werde, der Spielplatz müsse unbedingt erhalten bleiben.

Der Spielplatz liegt unscheinbar, etwas versteckt, am Rande des Quartiers zwischen Bruckner- und Nellmersbacher Straße. Oberhalb gibt es sehr ansehnliche Einfamilienhäuser, in direkter Nachbarschaft stehen Mehrfamilienhäuser. Ein Wipptier (Pferd?), ein Drehpodest und eine betonierte Tischtennisplatte mit einem Netz aus Metall, beides relativ vandalensicher, das war’s mit der Spielgeräteausstattung. Ein paar Sitzbänke, nicht gerade in einladendem Zustand, ein Weg mittendurch, der allmählich zuwächst, viel Schatten, Rasen, eine Idylle, die eingerahmt ist von übermannshohen Hecken als Sichtschutz, einigen hohen Eichen auf der anderen Seite und dem nahen Verkehrslärm. Der Eindruck: Die Natur holt sich diese Fläche zurück. An dem Vormittag ist niemand da, weder Kinder noch Erwachsene, die sie begleiten oder dort ein Päuschen machen.

Anwohnerinnen: Der Spielplatz wird rege genutzt

Für zwei Frauen vor einem Haus in der Nachbarschaft ist der Fall gleichwohl sonnenklar: Natürlich muss der Spielplatz bleiben, selbstverständlich haben auch sie unterschrieben und freilich spielten viele Kinder dort, versichern sie, aus dem Stand eine ganze Latte von Familien in der Umgebung aufzählend, deren Kinder herkämen. Und überhaupt: Zuerst einmal sollten doch die Bauplätze in der Nähe, die es noch gebe und die seit Jahrzehnten brachlägen, bebaut werden, so die „Ansage“ auf den Hinweis, es gehe ja auch um zusätzlichen Wohnraum innerorts. Die schönen, alten Eichen, voll mit Vögeln und immer wieder Eichhörnchen dort, dürften auf keinen Fall fallen, „das wäre eine Schande“.

Der Spielplatz an der Mendelssohnstraße bleibt – in seiner bisherigen, vollen Größe. Anders gesagt, mit einer aus der Mode gekommenen Redewendung: Die Gemeinde nimmt Abstand von ihrer Überlegung, den Spielplatz aufzugeben oder zu verkleinern, um Flächen für Tiny-Häuser zu gewinnen. Dagegen hatte sich Widerstand aus der Nachbarschaft erhoben, mitsamt Unterschriftenliste. Der Gemeinderat beerdigte daraufhin in seiner jüngsten Sitzung die Idee endgültig.

Hervorgegangen ist die aus der

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