Leutenbach

Leutenbach: Zwei Standorte kommen für eine Windkraftanlage infrage

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Windrad (Symbolfoto). © ZVW/Joachim Mogck

Die Suche nach geeigneten Standorten für Windkraftanlagen geht weiter. Ob eines Tages auf allen von diesen wirklich sich Windräder drehen werden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das gilt auch, und zwar besonders für die beiden Leutenbacher, sagen wir mal, „Potenzialflächen“.

Es gibt neue gesetzliche Vorgaben, die einen verstärkten und beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien forcieren (sollen). Der in der Region Stuttgart dafür planerisch zuständige Verband soll geeignete Flächen dafür „bereitstellen“, ausweisen („Vorranggebiete“) und mit diesen soll dann der Regionalplan fortgeschrieben werden. Bislang galt, dass zwei Prozent der Landesfläche dafür infrage kommen sollen, inklusive der Standorte für Freiflächenphotovoltaikanlagen. Seit Juli heißt die Maßgabe: 1,8 Prozent, aber nur alleine für Windkraftanlagen.

Grundlage ist der sogenannte Windatlas des Landes von 2019. Dort sind die Bereiche mit ausreichendem Windpotenzial dargestellt. Später kamen „Ausschlussflächen“ hinzu, also die, die auf keinen Fall als Standorte infrage kommen, absolut tabu sind, seien es Naturschutzgebiete oder geschützte Biotope. Noch mal später kamen die Flächen dazu, die von Windkraftanlagen aufgrund „weicher“ Kriterien freizuhalten sind, also „a bissle tabu“ sind, wo eine Abwägung zulässig ist. Zum Beispiel die vom Verband festgelegten Schwerpunkte für den Wohnungsbau oder Vorranggebiete für den Abbau oder die Sicherung von Rohstoffen („Ausschlusskriterien“) oder sogenannte „Landmarken“ – markante, meist auch historisch und überörtlich bedeutsame Stellen wie etwa die Grabkapelle auf dem Rotenberg oder die Burg Teck.


Legt man all das nun sozusagen wie Schablonen „übereinander“, inklusive der mit einem (vorgeschriebenen) Mindestabstand von 700 Meter zur nächsten Wohnbebauung (und zu Aussiedlerhöfen, sofern dort gewohnt wird), bleibt eine sogenannte „Suchraumkulisse“ übrig, eine vorläufige, weil die Standorte noch in allen betreffenden/betroffenen Kommunen durch die jeweiligen Gemeinderäte zu beraten sind und die Kommunen entsprechende Stellungnahmen abzugeben haben.

Beim Wasserhochbehälter Birklen und beim Biotop im Gewann Banreisach

Für Leutenbach sind zwei mögliche Standorte „herausgekommen“: der eine im Bereich des Wasserhochbehälters Birklen zwischen Heidenhof und Nellmersbach, der andere im östlichen Teil des Gemeindewalds, oberhalb von Hertmannsweiler Richtung Öschelbronn, eine Exklave. Der erste ist „neu“, der zweite war bisher schon im Gespräch, als Standort „Hörnle“ oberhalb des Rotenbühls.

Die Gemeindeverwaltung hat in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vorgeschlagen, dass in der Stellungnahme der Gemeinde aus deren Sicht Folgendes zu berücksichtigen sei. Beim Standort „Birklen“ eine mögliche künftige Abrundung der Wohnbebauung am nördlichen Rand von Nellmersbach (konkret vom Gebiet Schwalbenweg Richtung Erbstetten), dass also auch zu der der Mindestabstand eingehalten werden müsse, dass zweitens dieser nahe des Aussiedlerhofs im „Hohen Bild“ und des Heidenhofs liege und dass drittens angrenzend sich das Biotop Banreisach (im Volksmund „Hühnerloch“) befindet, bestehend aus Streuobstbäumen, Feldhecken, -gehölzen und dem Gehölzgarten, eventuelle negative Auswirkungen auf dieses also vermieden werden sollten.

Standort im Wald würde breitere Wege und Rodungen erfordern

Beim Standort „Wald“ gebe es zwar kein Abstandsproblem, weil die nächstgelegene Bebauung, im Gewerbegebiet Nellmersbach, fast anderthalb Kilometer entfernt ist. Allerdings solle darauf verwiesen werden, dass die Gemeinde dort ein Alt- und Totholzgebiet hat, eine Ausgleichsmaßnahme, die Ökopunkte bringt (Erhaltung der Artenvielfalt). Diese Fläche speziell solle also „rausgenommen“ werden. Ferner wird darauf verwiesen, dass die Erschließung wegen der Höhenlage und der schmalen Zufahrten schwierig sei, dass für den Bau eines Windrads Wege ausgebaut werden müssten, damit dafür und für eine Windkraftanlage selbst „große“ Waldflächen gerodet werden müssten.

Bürgermeister Jürgen Kiesl verwies in der Sitzung zu beiden Standorten grundsätzlich darauf, dass potenzielle Investoren wohl kaum Standorte auswählen, wo sie nur ein Windrad aufstellen könnten. Beide Leutenbacher Areale eigneten sich aber wohl kaum für Windparks. Soll heißen: Es sei sehr unwahrscheinlich.

Anregung, die Stellungnahme aufgeschlossener zu formulieren

Angesichts der gehäuften Bedenken riet allerdings Alexandra-Hackl-Hieber, FWG, an die Sache offen ranzugehen, sich nicht von vornherein zu verschließen, sondern zu ermöglichen. Claus Lämmle, FWG, erinnerte daran, dass die Gemeinde ja das Ziel habe, klimaneutral zu werden. Dazu gehöre eben auch, wenn und wo möglich, selbst, vor Ort, Energie zu erzeugen, eben auch mit Windkraft. Die Stellungnahme solle also „aufgeschlossener“ ausfallen als im Entwurf der Verwaltung formuliert. Andreas Häußermann, CDU, berichtete von seinen Eindrücken am Windpark bei Gaildorf. Klar sehe das nach dem Bau erst mal „wild“ aus. Aber die Natur gleiche das im Lauf der Jahre wieder aus.

Kiesl erwiderte, in der Stellungnahme würden die beiden Standorte ja nicht in Bausch und Bogen abgelehnt, sondern die Gemeinde gebe Hinweise, die seien aber üblich in so einem Verfahren. Sie sei sich ihrer Verantwortung, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, bewusst. Er verwies darauf, dass eine „gebietsscharfe“ Abgrenzung noch nicht erfolgt ist, und auch die Belange des Artenschutzes (Biotop Hühnerloch) noch nicht berücksichtigt sind. Im Übrigen gehe es eben nicht nur um den Betrieb, sondern auch um den Bau solcher Anlagen: „Das geschieht nicht mit der Kleinspurbahn.“ Kiesl verwies auch darauf, dass, wenn sich der Eigentümer einer vom Regionalverband ausgewiesenen Windkraftvorbehaltsfläche und ein Investor dafür einig seien, die Gemeinde nichts mehr zu sagen habe, es brauche keinen Bauantrag und auch keinen Bebauungsplan, weil die Anlagen vom Gesetzgeber privilegiert seien.

Gesucht wird zudem nach geeigneten Gebieten für Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Auch dafür gibt es einen vorläufigen Entwurf. In dem stehen für Leutenbach die Gebiete rund um die Bebauung in den drei Teilorten, die beidseitig der B 14 und entlang der Bahntrasse zwischen Leutenbach und Nellmersbach. Da bräuchte es allerdings entsprechende Bebauungspläne mit dem Verfahren dazu, weil diese Anlagen im Außenbereich nicht privilegiert sind.

Freiflächen-Photovoltaik möglichst an der Bahnlinie und der B 14

Bei den Flächen rund um die Wohnbezirke verweist die Verwaltung darauf, dass es dort oft kleinen Grundstücke mit vielen Eigentümern seien, die teils von alten Streuobstwiesen geprägt seien. Zum andern sollten Flächen nahe der bestehenden Bebauung für eventuelle Erweiterungen von Wohngebieten vorgehalten werden. Deshalb sollten vorrangig die Flächen entlang der Bahnlinie, der B 14 und auch der Landesstraße nach Affalterbach in Betracht kommen.

Letztlich wurde die Stellungnahme der Gemeinde wie von der Verwaltung empfohlen vom Gemeinderat einstimmig beschlossen (bei einer Enthaltung).

Die Suche nach geeigneten Standorten für Windkraftanlagen geht weiter. Ob eines Tages auf allen von diesen wirklich sich Windräder drehen werden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das gilt auch, und zwar besonders für die beiden Leutenbacher, sagen wir mal, „Potenzialflächen“.

Es gibt neue gesetzliche Vorgaben, die einen verstärkten und beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien forcieren (sollen). Der in der Region Stuttgart dafür planerisch zuständige Verband soll geeignete

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