Leutenbach

Leutenbacher Heizöl-Händler Torsten Härdter: Preisentwicklung ist unvorhersehbar

härdter
Torsten Härdter ist nicht zuletzt Disponent. Er muss ständig Mengen, Preise, Bestellungen und Liefertermine abgleichen. © speiser

Wie ist die Lage auf dem Heizölmarkt? Frage an den in Leutenbach, der es zu den Leuten bringt, wer könnte es besser wissen als Händler Torsten Härdter? Das Wichtigste zuerst, inhaltlich die gleiche Antwort von ihm wie schon im Sommer: „Es ist genug da, die Leute müssen sich deshalb keinen Kopf machen.“ Geholfen habe das milde Wetter in den vergangenen zwei Monaten, die Nachfrage halte sich auch von daher bislang in Grenzen. Vorher habe die Lieferzeit jedoch bis zu acht Wochen betragen. Das war im Zeitraum August/September und da lag es auch mit daran, dass auch ein Heizölhändler Urlaubszeit hat, er da personell dünn besetzt war. „Da fing es an, sich aufzustauen.“

Härdter ist lange genug im Geschäft, um genau zu wissen: Wenn es schlagartig kalt wird, wird es bei ihm „rundgehen“, das Telefon ständig klingeln, am anderen Ende um schnellstmöglichen Nachschub, weil der Tank zur Neige gehe, bittende Leute. „Viele warten bis auf den letzten Drücker.“ Die meisten von denen spekulierten nämlich darauf, dass der Preis bald runtergeht. Härdter setzt da betont ein „angeblich“ dahinter. Dieses Zocken sorge auch dafür, dass die Nachfrage niedrig sei, noch. Derzeit beträgt seine Lieferzeit zwei bis drei Wochen.

Härdter kennt seine Pappenheimer, trotzdem ärgert es ihn, wenn es am Telefon heißt „Bitte schnell kommen, unser Tank ist leer“ und „wir uns deshalb dann den Arsch aufreißen“, der Fahrer vor Ort aber feststellen muss, dass es eben nicht so ist. Das empfinde er als ärgerlich, unverfroren. Wenn sie einen „Notruf“ bekommen, gingen sie nämlich davon aus, dass der berechtigt ist: „Wir lassen niemanden im Kalten sitzen.“

Rat: Wenn es gehe und Sinn mache, nicht zu viel auf einmal bestellen

Zurück zum Thema Preis. Ja, der sei in den vergangenen Wochen kontinuierlich gesunken und, ja, um mehr, als Härdter selbst erwartet hat. Pech also für die, die davor bestellt haben. Sein Rat an die war damals: nicht zu viel bestellen, eben in der Hoffnung, dass sich die Preise irgendwann wieder „normalisieren“. Aber werden sie das und auf welchem Niveau, doch sicher nicht auf deutlich unter 1000 Euro für 1000 Liter, wie vor zwei, drei Jahren noch? Hoffnung darauf macht Härdter nicht, er ist ohnehin vorsichtig mit Aussagen zur Preisentwicklung. „Ich bin kein Wahrsager.“ Ihm ist abzunehmen, wenn er versichert, auch er wisse nicht, in welche Richtung es gehe.

Seinen Rat, vorerst nicht zu viel zu bestellen, verbindet er mit dem Hinweis, dass man ja gegebenenfalls im Frühjahr nachbestellen könne, dann entweder zum unverändert hohen Preis, nach dem Motto „Dann hat man auch nichts verloren“,oder möglicherweise zu einem günstigeren und sich dann eben deshalb diese Strategie auszahle. Aber was ist, wenn die Preise noch mal anziehen, dann wäre die ja eben nicht aufgegangen? Härdter schließt auch das nicht aus. „Wer weiß schon, was passiert, es ist keine Prognose möglich, weil das von so vielen Dingen abhängt, die wir hier vor Ort gar nicht beeinflussen können, vor allem von den politischen Entwicklungen. Aber das weiß überhaupt keiner vorher.“ Das sei eben alles „Zockerei“.

Derzeit gehe es auf dem Markt bei allen fossilen Energieträgern, auch bei Holzpellets, „etwas retour“, beträgt der Preis je Liter im Schnitt (je nach Bestellmenge) knapp 1,40 Euro bei ihm. Wobei der aber genauso „volatil“ ist wie der von Benzin an der Tankstelle. Und im Grunde genauso wenig von Härdter beeinflussbar ist wie der vom Tankstellenpächter vor Ort. Man rede hier von Tagespreisen, so Härdter, was in den Medien als Preise genannt werde, seien Mittelwerte, soll heißen, es hat keinen Zweck, bei einer Bestellung bei ihm sich darauf zu berufen. Wer also glaubt, dass Händler wie Härdter von dem enormen Preisanstieg seit Anfang des Jahres profitierten, sie ihre Kunden „abzocken“, ist auf dem Holzweg, weil die Marge für ihn sich nicht ändert, er muss genauso viel teurer einkaufen, wie der Preis für den Endkunden gestiegen ist. Die Spanne, die Differenz, bleibt woanders, nicht bei ihm.

Der Tipp gilt aber nicht für Kunden mit kleinem Tank

Härdter kommt noch mal auf seinen Tipp zurück, nicht zu viel zu ordern, den Nachschub auf mehrere Lieferungen zu verteilen, macht dazu eine Einschränkung. Wer einen kleinen Tank habe (2000 Liter oder noch weniger), bei dem lohne sich das nicht, weil der Frachtkostenanteil – fix pro Abladestelle – ja immer dabei sei und damit bei kleinen Bestellmengen stärker zu Buche schlage. Erst ab 3000 Liter mache es Sinn zu splitten, das zeige sich auch daran, dass ab da der Literpreis niedriger wird, die Preisspreizung, die Staffelung beginne.

Aber noch mal zum Thema „Abwarten“ beziehungsweise „Zocken“. Härdter verweist noch mal darauf, dass es ja noch nicht richtig kalt sei, also noch nicht groß geheizt werden müsse. Wenn das Thermometer aber erst mal „Minus“ anzeige, dann werde es „spannend“. 14 Tage am Stück bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, das werde sich „bemerkbar“ machen, weiß er aus Erfahrung, „und dann werden sich auch die mit Wärmepumpen umgucken, weil sie dann ihr Haus nicht mehr richtig warm kriegen“.

Noch mal: Soll man darauf spekulieren, dass der Preis noch weiter runtergeht? Das komme drauf an, was man noch im Tank habe, wie die Nachfrage dann sei, wenn er leer ist, und wie bis dahin das Wetter ist, so Härdter. Sicher sei, dass, wenn es kalt werde, die Nachfrage schnell stark anziehen werde.

Es gilt der Preis, der bei der Bestellung genannt wurde

Härdter wiederholt eine weitere „Ansage“ von ihm aus dem Frühjahr: Der Preis, den ein Kunde beim Anruf von ihm genannt bekommt, gilt. Also der Zeitpunkt der Bestellung. Nicht der der Lieferung. Denn wenn der bis dahin fällt, dann gebe es ständig leidige, nervige Diskussionen mit Kunden, die darauf beharren, es müsse doch jetzt billiger sein. „Es zählt aber der Tagespreis am Tag des Verkaufs und das ist der der Bestellung, egal, wann ausgeliefert wird.“ Es könne ja auch passieren, und das geschehe ebenfalls, dass der Tagespreis am Tag der Lieferung über dem der Bestellung liegt. Dann hat der Kunde Glück gehabt und Härdter Pech (im gegenteiligen Fall eben umgekehrt). „Dann kann ich ja auch nicht sagen, es gilt der teurere, der aktuelle Preis. Der Kunde wird da auf dem vereinbarten Preis bestehen, zu Recht.“ Härdter betont, dass das auch für ihn selbst gilt, nämlich, wenn er einkauft. „Das ist wie bei einem Bankkredit, es gilt das vorher Vereinbarte, egal, was später passiert.“ Natürlich sei ihm klar, dass sich die Leute ärgern, wenn zwischen Bestellung und Lieferung der Preis deutlich runtergegangen ist.

Er kommt noch mal auf den Vergleich mit den Tankstellen. Selbst er könne nicht mehr nachvollziehen, was da passiere, Preissprünge von 10 bis 20 Cent an einem Tag, das habe mit der „Wirklichkeit“ nichts mehr zu tun, andererseits sei das alles zentral von wenigen Global Playern gesteuert. „Da gehört eigentlich ein Riegel davor gemacht.“

Nachschub kommt aus Ludwigshafen und Speyer

Härdter ist 50, den Betrieb gibt es seit über 100 Jahren, er ist die vierte Generation. Zwei Fahrer sind ständig unterwegs, plus er, „als Joker“, sagt er schmunzelnd. Das Öl holen sie aus Ludwigshafen beziehungsweise Speyer, von den dortigen Rheinhäfen, sie müssen jeden Tag Nachschub ordern. Karlsruhe wäre zwar näher, würde aber trotzdem länger dauern wegen der Baustelle auf der A 8. Wenn viel los ist, bei ihnen bestellt wird, ist eine Tankwagenladung mit 30.000 Litern quasi noch am gleichen Tag schon wieder weg. Auch das muss also ständig organisiert werden, gewährleistet sein, sonst sitzt er selbst auf dem Trockenen, kann nicht liefern. Stuttgart wäre zwar noch näher. Aber das Öl kommt von den Raffinerien dorthin mit der Bahn, per Kesselwaggons. Erstens laufe es dort ständig leer, gebe es also nix, wenn andere schneller seien, so Härdter: „Das ist wie eine Lotterie.“ Zweitens sei es dort teurer. Dass der Nachschub dort nicht verlässlich sei, liege an der Bahn, die sei einfach unflexibel.

Wie ist die Lage auf dem Heizölmarkt? Frage an den in Leutenbach, der es zu den Leuten bringt, wer könnte es besser wissen als Händler Torsten Härdter? Das Wichtigste zuerst, inhaltlich die gleiche Antwort von ihm wie schon im Sommer: „Es ist genug da, die Leute müssen sich deshalb keinen Kopf machen.“ Geholfen habe das milde Wetter in den vergangenen zwei Monaten, die Nachfrage halte sich auch von daher bislang in Grenzen. Vorher habe die Lieferzeit jedoch bis zu acht Wochen betragen. Das

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