Leutenbach

Leutenbacher Helfer zur Razzia in Asylunterkunft

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Laura Salwey (l.), Nina Binder (2. v. r.) und Leif Brändle (r.) vom Freundeskreis Flüchtlinge und Nazari Allahmohammad aus Afghanistan. © Ramona Adolf

Leutenbach. „Es gibt ja Probleme in der Unterkunft und die sind auch nicht wegzudiskutieren“, erklärt Leif Brändle vom Freundeskreis Flüchtlinge zur Razzia in der Gemeinschaftsunterkunft bei der Winnender Straße jüngst. Die Aktion der Polizei könne einen Anschub geben, die Probleme anzupacken. In der Unterkunft hielten sich zum Beispiel Leute auf, die dort eigentlich nicht hingehören. Wahrscheinlich habe auf diese die Razzia eine abschreckende Wirkung.

Wenn es so käme, das also eingedämmt werde, wäre es gut und der Freundeskreis stehe dahinter, versichert Brändle. Dieser, im Oktober 2014 gegründet, habe aber früh auf Missstände in der Unterkunft hingewiesen, auch selbst, soweit möglich, versucht, die Umstände dort zu verbessern. „Wir stoßen aber als Ehrenamtliche da an Grenzen.“

Brändle verweist auf einen Brandbrief des Freundeskreises ans Landratsamt vom August. „Wir haben auch gesagt, dass die Unterkunft stärkere Betreuung braucht.“ Anfangs sei einmal in der Woche ein Sozialarbeiter gekommen, für eine halbe, maximal eine Stunde, und das für 50 Leute. Der Freundeskreis habe gewarnt, dass, wenn sich daran nichts ändere, riesige Probleme zu erwarten seien, sowohl innerhalb der Unterkunft als auch nach außen. Auch die Leutenbacher Gemeindeverwaltung sei informiert worden.

Danach sei die Betreuung besser geworden, zunächst sei dreimal in der Woche jemand gekommen, mittlerweile sei täglich ein Sozialarbeiter vor Ort, berichtet Nina Binder. Auch der Sicherheitsdienst, zunächst nur sporadisch eingesetzt, sei nun täglich in der Unterkunft. Die Security sei im Übrigen nicht gegen die Flüchtlinge gerichtet, sondern unterstütze die, helfe als neutrale Instanz immer wieder, Streitigkeiten zu schlichten.

Hausverbote für „Fremde“ sind im Interesse der Bewohner

Die Bewohner hätten außerdem den Freundeskreis selbst auf die Mängel in der Unterkunft hingewiesen, ergänzt Laura Salwey. Brändle weist darauf hin, dass die Sozialarbeiter mittlerweile Leute aus der Unterkunft wegschicken, die dort nicht hingehören, auch gegebenenfalls Hausverbote aussprechen. Das sei auch im Interesse der Bewohner der Unterkunft richtig. Es sei also gut, dass das Hausrecht konsequent angewandt werde.

„Es gab Zeiten, da war die Situation aber noch deutlich schlechter. Der Zeitpunkt der Razzia vermittelt da etwas einen falschen Eindruck“, so Brändle weiter. Den Sinn der Razzia will er aber nicht in Abrede stellen. Es gehe auch darum, die Flüchtlinge in der Unterkunft zu schützen, die sich korrekt verhalten. „Die meisten dort sind ja nicht kriminell.“

Sicher sei die öffentliche Wahrnehmung durch die Aktion eine andere, bleibe also wohl etwas hängen. „Wir wollen das auch nicht kleinreden. Natürlich gibt es bei uns die Befürchtung, dass da ein ganz falscher Eindruck entsteht.“ Aber der Freundeskreis lasse sich davon nicht entmutigen. Die Razzia sei ein Vorkommnis, „über das wir uns, klar, erst mal nicht unbedingt gefreut haben, aber wir sehen das ganz pragmatisch“, so Brändle.

Sie hätten mit den Bewohnern über die Razzia gesprochen, so Nina Binder: „Die große Mehrheit von ihnen sagt, was die Polizei dort gemacht habe, sei durchaus in Ordnung gewesen.“ Wichtig sei für die Bewohner, dass nicht alle dort als Kriminelle dargestellt werden. „Die lesen ja auch Zeitung und informieren sich übers Internet“, betont Laura Salwey.

Ein Unding sei in dem Zusammenhang, dass es in der Unterkunft immer noch kein WLAN, also keinen freien Zugang ins Netz gebe, kritisiert Brändle. „Der ist für die Leute dort geradezu existenziell wichtig, nicht nur wegen des Kontakts in die Heimat, auch für die Integration, um sich über freie Stellen zu informieren oder wegen der kostenlosen Deutschkurse im Netz.“

„Wir brauchen Arbeit und Deutschkurse“

Einer der Bewohner ist Nazari Allahmohammad aus Afghanistan. Er arbeitet halbtags in Winnenden, bei der Firma Sauer Raumausstattung, und er besucht täglich einen Deutschkurs der Volkshochschule. Er spricht offen aus, das Leben in Deutschland sei schwierig, das Verhältnis zwischen Einheimischen und Flüchtlingen nicht optimal, es gebe Vorbehalte und Vorurteile. Die „schlechten“ Leute seien in der Unterkunft eine Minderheit, versichert Allahmohammad. Der 25-Jährige ist gelernter Schneider. Im Gegensatz zu den allermeisten anderen in der Unterkunft ist er verheiratet und er hat zwei Kinder. Die Familie wollte ihm folgen, wurde aber, berichtet er, unterwegs „aufgehalten“ und zurückgeschickt. Er ist seit anderthalb Jahren in Deutschland und wartet immer noch auf die Anhörung in seinem Asylverfahren. Zu den Berichten über eine angebliche Verbesserung der Situation in seiner Heimat schüttelt er den Kopf: „In allen Städten ist Krieg.“ Zu seiner Situation und der seiner Mitbewohner in der Unterkunft hat er eine klare Meinung: „Wir brauchen Arbeit und Deutschkurse. Jeder muss einen Kurs machen. Und Arbeit ist doch für jeden Menschen wichtig.“ Bei der Jobsuche hat ihm eine Helferin des Freundeskreises geholfen. Sie hat mit ihm einfach Betriebe „abgeklappert“, „Klinken geputzt“.