Leutenbach

Leutenbach richtet einen Kindergarten unterm Kirchturm ein - und steckt 1 Million Euro in den kindgerechten Umbau

Kirchekiga
Aus dem Gebäude der neuapostolischen Kirche wird ein Kindergarten. © Gaby Schneider

Das ehemalige Gebäude der neuapostolischen Kirche im Birkachweg ist in einem guten Zustand. Beim Bau war allerdings nicht vorgesehen, dass irgendwann einmal ein Kindergarten daraus werden soll, weshalb die Gemeinde es nun umbauen lässt. Etwas mehr als eine Million Euro werden dafür veranschlagt. Über den reinen Kaufpreis haben Gemeinde Leutenbach und Kirchengemeinde Stillschweigen vereinbart.  Bei all den Kosten kam die Kritik auf, dass die Gemeinde keinen Ganztagsbetrieb plant. 

Die Kinderzahlen in der Gemeinde steigen weiter an. Mit den aktuellen Kindergärten kann der Bedarf nicht gedeckt werden. Laut einer Prognose müssen bis 2025 vier Krippengruppen und zwei Kindergartengruppen zusätzlich geschaffen werden. Um dies zu realisieren, hat sich die Gemeinde das ehemalige Kirchgebäude ausgeguckt. Bereits im Januar haben Gemeinderäte das Gebäude begutachtet, um sich ein Bild von den notwendigen Umbauarbeiten zu machen.

Verletzungsgefahr für Kinder: Innenputz ist zu grob

Unter anderem muss die Wand- und Deckenverkleidung renoviert werden. „Der grobe Innenputz ist für einen Kindergarten nicht geeignet. Wenn ein Kind fällt, würde es vermutlich zu Verletzungen kommen“, schätzt Bauamtsleiter Johannes Kocher. Aus energetischen Gründen werden die Fenster ausgetauscht. Der sakrale Ursprung des Gebäudes soll erhalten bleiben, wie es in der Vorlage zur jüngsten Gemeinderatssitzung heißt. Das Untergeschoss bekommt einen Anbau, darin sollen ein behindertengerechtes und ein Personal-WC untergebracht werden. Im Erdgeschoss plant die Gemeinde außerdem ein Büro, auf diesem soll eine Spielfläche entstehen. Die Raumhöhe macht dies möglich.

Problematisch sind die Wasserleitungen aus Kupfer, die 32 Jahre alt sind. Diese müsse man aus hygienischen Gründen austauschen, außerdem, um einem Wasserrohrbruch vorzubeugen. Die Verwaltung plant den Einbau einer Wärmepumpe und einer Fußbodenheizung. Zudem will man die Elektroleitungen erneuern und die Beleuchtung auf LED umstellen.

„Nicht zukunftsorientiert und zu kurz gedacht“

Zwölf Stellplätze bestehen für das Gebäude bereits. Diese sollen erhalten bleiben. Zwar sind die Parkplätze in dieser Anzahl laut Vorlage baurechtlich nicht vorgeschrieben, sorgen aber für Entspannung in der Straße. Der Fußweg vom Parkplatz zum Haupteingang bekommt eine Rampe.

Der Kindergarten und die Krippengruppe sind als Einrichtung mit verlängerten Öffnungszeiten geplant, ein Ganztagesbetrieb ist nicht vorgesehen. Das wiederum sorgt aus den  Reihen des Gemeinderates für Kritik. „Hier wird viel Geld verbaut. Die Tatsache, dass es keine Ganztageseinrichtung wird, ist nicht zukunftsorientiert und zu kurz gedacht“, kritisierte Peter Hildenbrand, Gemeinderat der Freien Wählergemeinschaft (FWG).

Bürgermeister Jürgen Kiesl erwiderte, dass man Schlafräume brauche, wenn man aus dem Kindergarten eine Ganztageseinrichtung machen wolle. „Wir können viel anbieten, aber wir müssen es dann auch bezahlen“, fügte der Bürgermeister hinzu. Hauptamtsleiter Jakob Schröder ergänzte: „Ich wehre mich nicht dagegen. Aber dann müssen wir noch einmal viel Geld in die Hand nehmen.“ Außerdem gebe es Anbaupotenzial. Wenn man merke, dass man mehr Platz brauche, könne man jederzeit weitere Räume ergänzen. „Wir achten beim Umbau darauf, dass Erweiterungen möglich sind“, versicherte er.

"Charakter vom Gebäude bleibt erhalten"

Um in ein Förderprogramm aufgenommen zu werden, sollten die Bauaufträge noch vor der Sommerpause vergeben werden. Um die Vergaben zu beschleunigen, bat die Verwaltung um eine Ermächtigung, Aufträge innerhalb des Budgets direkt vergeben zu können. „Der Zeitdruck gefällt mir nicht. Ich sehe die Pläne jetzt zum ersten Mal und soll ad hoc darüber entscheiden. Das finde ich schwierig“, so FWG-Rat Claus Lämmle. CDU-Rätin Karin Kögel hingegen lobte die Planungen. „Ich denke, dass das Beste aus dem Gebäude herausgeholt wird, ohne Spinnereien. Schön finde ich, dass der Charakter vom Gebäude erhalten bleibt.“ Bei einer Enthaltung haben die Räte den Baubeschluss mehrheitlich verabschiedet. Die Verwaltung darf Aufträge nun außerdem direkt vergeben, wenn sie im Budget liegen.

Das ehemalige Gebäude der neuapostolischen Kirche im Birkachweg ist in einem guten Zustand. Beim Bau war allerdings nicht vorgesehen, dass irgendwann einmal ein Kindergarten daraus werden soll, weshalb die Gemeinde es nun umbauen lässt. Etwas mehr als eine Million Euro werden dafür veranschlagt. Über den reinen Kaufpreis haben Gemeinde Leutenbach und Kirchengemeinde Stillschweigen vereinbart.  Bei all den Kosten kam die Kritik auf, dass die Gemeinde keinen Ganztagsbetrieb plant. 

Die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper