Leutenbach

Mit 36,5 Gramm Heroin durch Leutenbach - Prozess am Amtsgericht Waiblingen

Polizei
Die Polizisten hatten den Mann bereits im Visier, in der Seestraße in Leutenbach nahmen sie ihn fest. © Benjamin Büttner

Die Drogenabhängigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben eines 45-Jährigen, der sich jüngst vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten musste: Im Alter von elf Jahren begann er, Haschisch und Alkohol zu konsumieren, mit 14 stieg er auf Benzodiazepin, Codein, Kokain und Heroin um, das er bevorzugt schnupfte und rauchte. Bis zu seiner jüngsten Entgiftung nahm er die Droge, die zwei seiner Brüder tötete, noch bevor sie 30 Jahre alt wurden, und ihm selbst bisher insgesamt zwölf Jahre Aufenthalt in Strafvollzugsanstalten einbrachte. Die aktuellste Anklage hat er sich eingehandelt, weil er mit 36,5 Gramm Heroin am Körper in Leutenbach erwischt wurde.

Hauptschulabschluss im Gefängnis nachgeholt

Der Angeklagte wuchs mit fünf älteren Geschwistern auf, in einer Familie, in der bereits seine Eltern immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt kamen. Im Alter von sechs Jahren kam er zunächst zu Verwandten, dann in verschiedene betreute Wohngruppen. Aus der Grundschule heraus wurde er in eine Förderschule überstellt, nachdem man bei ihm ADHS diagnostiziert hatte. Den Hauptschulabschluss holte er in der Justizvollzugsanstalt nach.

Das bisherige Strafregister des Mannes ist geprägt von Drogenabhängigkeit und Beschaffungskriminalität – angefangen mit gefährlicher Körperverletzung und Diebstahl 1994, bis zur letzten Verurteilung im September des vergangenen Jahres wegen Diebstahl und Sachbeschädigung, begangen, während der Angeklagte noch der Führungsaufsicht eines Bewährungshelfers unterstand. Mehrere Therapieversuche scheiterten.

Schließlich habe er es aber doch geschafft, berichtete er jetzt am Amtsgericht der Sachverständigen Dr. Bettina Holtschmidt-Täschner, die ihn im Auftrag des Gerichts zu begutachten hatte. Sie bescheinigte dem Angeklagten eine angesichts der Drogenkarriere überraschend gute Gesundheit. Es gebe keinen Hinweis auf eine eingeschränkte Schuldfähigkeit, wohl aber stünden die Taten, über die an diesem Tag zu urteilen war, im Zusammenhang mit seiner Sucht. Nun sei er motiviert, eine Therapie durchzustehen, dadurch sei diese trotz mehrerer Abbrüche in der Vergangenheit nicht aussichtslos, somit zu bejahen.

Die Sachverständige verwies darauf, dass der Angeklagte bereits 2015 im Maßregelvollzug gewesen und zu einem drogenfreien Leben fähig sei. Im Jahr 2020, nach dem Tod seiner damaligen Lebensgefährtin, sei der Angeklagte jedoch wieder „voll hineingerutscht“ in seinen Drogenkonsum und die entsprechenden Abhängigkeiten, erklärte sie vor Gericht.

Ohne Führerschein, auf Drogen und mit 36,5 Gramm Heroin im Gepäck erwischt

Nicht „hineingerutscht“ ist der Angeklagte dagegen am 3. Mai 2021 in eine Polizeikontrolle, als er gegen 21.45 Uhr in der Leutenbacher Seestraße mit dem Auto seiner Mutter ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss unterwegs war. Die Polizisten, die ihn aus dem Verkehr zogen, beschatteten ihn bereits über einen längeren Zeitraum hinweg und fanden bei ihm 36,5 Gramm Heroin, die er am Körper versteckt hatte. Er habe das Rauschgift zum Preis von 600 Euro für seinen eigenen Konsum gekauft, von jemandem, der es ganz dringend loshaben wollte, erklärte er dem Gericht.

Sowohl der Angeklagte wie auch sein Wahlverteidiger Rechtsanwalt Michael Grath, Staatsanwältin Hellwig und Richter Steffen Kärcher als Vorsitzender des Schöffengerichts teilten in der Hauptverhandlung das Bestreben, dass es zügig zum Abschluss des Verfahrens und zu einer Verurteilung des Angeklagten kommt, der sich von Mai 2021 bis Januar 2022 und seit einem Monat erneut in Untersuchungshaft befindet. Eröffnete ihm ein schnelles Urteil doch die Möglichkeit, ab Ende Januar sich einer stationären Drogentherapie zu unterziehen.

Für den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge in Tateinheit mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs ohne die dazugehörende Fahrerlaubnis, sowie die in seine Verurteilung mit einzubeziehende Strafe von zwölf Monaten Freiheitsentzug, die das Amtsgericht Heilbronn am 16. September des vergangenen Jahres gegen ihn verhängt hatte, verurteilte das Waiblinger Schöffengericht den Angeklagten nun zu einer Gesamtfreiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren und acht Monaten. Weiter verhängte es gegen ihn eine zwölfmonatige Sperre, in der ihm keine Fahrerlaubnis erteilt werden darf, und ordnete auf Antrag der Staatsanwaltschaft auf Grundlage von Paragraf 64 des Strafgesetzbuchs seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Die Vollstreckung des Urteils wird zugunsten einer Therapie ausgesetzt

Dieses Urteil, begründete der Richter, eröffne dem Verurteilten den Weg, sich in Therapie zu begeben. Auf der Grundlage von Paragraf 35 des Betäubungsmittelgesetzes könne die Vollstreckung des Urteils für zwei Jahre zurückgestellt werden, um dem verurteilten Betäubungsmittelabhängigen die Teilnahme an „einer seiner Rehabilitation dienenden Behandlung“ zu ermöglichen. Dafür müsse allerdings bis zum Therapiebeginn am 24. Januar 2023 das Urteil dem Beteiligten zugestellt und dessen Aussetzung von der Staatsanwaltschaft genehmigt werden.

Sollte diese Behandlung scheitern, komme die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zur Anwendung. „Sie haben jetzt zwei Chancen“, gab der Richter dem Verurteilten mit auf den Weg zurück in die Untersuchungshaft.

Er habe es selbst in der Hand, sich aus seiner Drogenabhängigkeit zu befreien, eine weitere Chance werde es nicht geben. Dafür würde der Kostenträger seine Zustimmung fordern, und die werde es nicht geben. „Sie haben inzwischen in ihrem Leben genug Unheil und Schaden angerichtet, irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, so Kärcher.

Sowohl die Staatsanwältin wie auch der Verurteilte akzeptierten das Urteil und verzichteten darauf, mit einer Berufung oder Revision dagegen vorzugehen, so dass es sofort rechtskräftig wurde.

Die Drogenabhängigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben eines 45-Jährigen, der sich jüngst vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten musste: Im Alter von elf Jahren begann er, Haschisch und Alkohol zu konsumieren, mit 14 stieg er auf Benzodiazepin, Codein, Kokain und Heroin um, das er bevorzugt schnupfte und rauchte. Bis zu seiner jüngsten Entgiftung nahm er die Droge, die zwei seiner Brüder tötete, noch bevor sie 30 Jahre alt wurden, und ihm selbst bisher insgesamt zwölf

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