Leutenbach

Nellmersbacher Halle wird nicht wie geplant saniert

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Vor vier Jahren bekam die Halle einen neuen Boden. © Gemeinde Leutenbach
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An vielen Stellen ist der Mörtel an den Walmziegeln porös oder bereits ausgebrochen.

Leutenbach. Dach und Fassade der Nellmersbacher Halle werden nicht wie bislang geplant saniert, auch aus Kostengründen. Die Gemeinde stellt die Sanierung, die nach mehrfachem Durchsickern von Regenwasser geplant war, zurück. Bei einer mittlerweile erfolgten Begehung sei festgestellt worden, dass das Dach sich eigentlich in einem noch ordentlichen Zustand befinde, die Standsicherheit nicht gefährdet sei, so die Verwaltung. Reparatur und Austausch von Dachziegeln sollen vorerst reichen.

In der Halle gelangte in den vergangenen Jahren mehrfach, an verschiedenen Stellen, Regenwasser durchs Dach und tropfte auf den Boden. Seit dem Unglück in Bad Reichenhall 2006, als 15 Menschen beim Einsturz einer Eislaufhalle starben (Dach überlastet durch Schnee), müssen die Dächer von großen Hallen regelmäßig geprüft werden. In Nellmersbach fand dies zuletzt vor zwei Jahren statt, mit einer Begehung durch ein Ingenieurbüro aus Ludwigsburg. Das fand Wasserspuren an der Holzkonstruktion der Dachträger.

Ursache war zum einen die mangelhafte Dachabdichtung, zum andern die Bildung von Kondenswasser an der Isolierverglasung im Winter. Beides gefährde allerdings, Stand damals, nicht die Standsicherheit des Dachs, so die Prüfer, die auch ein Gutachten aus dem Jahre 2009 heranzogen, darauf verweisend, dass es an den Holzbauteilen in der Zwischenzeit offenbar keine Veränderungen gegeben habe.

Die Ziegeleindeckung ist zum Teil beschädigt

Das Dach ist eine Holzkonstruktion mit einer Neigung von 15 Grad und einer Ziegeleindeckung. Die Ziegel sind laut Verwaltung zum Teil beschädigt. Eigentlich sei die Neigung für eine Ziegeleindeckung zu gering. Es gebe undichte Stellen an der Konstruktion. Entlang der Längsachse der Halle ist eine Oberlichtverglasung mit Metallrahmen und Sonnenschutz angebracht, die 2012 saniert worden war.

Auch am Anschluss der Dachfläche an das Oberlicht gibt es undichte Stellen, an denen immer wieder mal Regenwasser durchkam. Die Halle hat an einer Längsseite, zum Kunstrasenplatz hin, große Fenster. Zwischen dem unteren und oberen Fensterband gibt es eine Holzwandkonstruktion, die keine Dampf- und Luftsperre hat.

Seit jüngster Begehung kein Wassereinbruch mehr

Zwischenzeitlich gab es eine erneute Begehung des Dachs, mit Vertretern des Bauamts, des TSV Nellmersbach und einer Dachdecker- und Flaschnerfirma aus Stuttgart. Außer einigen gebrochenen oder gerissenen Dachziegeln, vielen Stellen, wo der Mörtel an den Walmziegeln mittlerweile porös und deshalb ausgebrochen ist, wurde Regenwasser am Durchgang zu den Umkleidekabinen festgestellt. Aber: Seither sei kein Wasser mehr in die Halle gedrungen, auch nicht bei starkem Regen, so die Verwaltung.

Die Dachdeckerfirma empfiehlt deshalb eine kurzfristige Reparatur, nämlich etwa 300 Dachziegel auszutauschen, beschädigte Walmziegel wieder instand zu setzen und die verschmutzten Dachrinnen zu säubern. Geschätzte Kosten: etwa 6000 Euro. Insgesamt nämlich befinde sich das Ziegeldach in einem ordentlichen Zustand, mit der vorgeschlagenen Reparatur könne dessen Lebensdauer deutlich verlängert werden.

Die Verwaltung hat im Gemeinderat bei ihrer Empfehlung, die Dachsanierung aufzuschieben, es vorerst bei der Reparatur zu belassen, auf die geplanten großen Vorhaben der Gemeinde und deren erhebliche Kosten verwiesen. Zum anderen darauf, dass auch der TSV sich mit dieser Vorgehensweise einverstanden erklärt habe. Michael Belstler vom Bauamt versicherte auf Nachfrage aus dem Gremium, dass bei der Begehung keine Schäden an den Hauptträgern der Dachkonstruktion festgestellt worden seien.


Sanierung würde etwa 600 000 Euro kosten

Das Sanierungskonzept der Gemeinde, zusammen mit dem Ingenieurbüro Bauphysik 5 aus Backnang erarbeitet, sah vor, die bestehende Dacheindeckung samt Unterkonstruktion zu entfernen.

Dazu hätte vorher die Fotovoltaikanlage auf dem Dach abgebaut werden müssen. Die Verwaltung hat im Gemeinderat auf Nachfrage versichert, dass der Wassereintritt nicht durch die Anlage verursacht wurde.

Von außen soll auf die Holzkonstruktion eine geschlossene Holzschalung mit Wind- und Dampfsperre gesetzt, diese an alle umlaufenden Bauteile angeschlossen und parallel dazu auch die Fensterfassade saniert und so ein funktionierender Anschluss hergestellt werden. Auf der Schalung soll die Wärmedämmung aus Mineralfaser und eine Blecheindeckung aus Aluminium mit einer Unterkonstruktion aufgebracht werden. Außerdem ist ein besserer Wärmeschutz im Sommer an der Fassade vorgesehen.

Die Kostenschätzung des Fachbüros für die Dach- und die Fassadensanierung liegt bei insgesamt rund 600 000 Euro. Die Mittel sind im Haushalt vorgesehen.

Eine Förderung durch das Land mit 30 Prozent ist möglich, allerdings ist das betreffende Programm überzeichnet, es gibt deutlich mehr Anträge, als Mittel vorhanden sind. Leutenbach müsste möglicherweise also mehrere Jahre auf eine Förderzusage warten.

Prüfungen des Dachs durch ein Fachbüro sind alle drei Jahre vorgeschrieben, die nächste findet im kommenden Jahr statt. Die Verwaltung hat dem Gemeinderat versichert, sie werde die Lage weiter beobachten und bei Schäden berichten.

Die Sanierung würde auch einen niedrigeren Verbrauch an Brennstoff (laut Verwaltung geschätzt bis zu 20 Prozent) und damit Einsparungen bei den Heizkosten in Höhe von 1600 Euro im Jahr bringen.