Leutenbach

Nellmersbacher schreibt Biografie von Jon Bon Jovi

Jürgen Seibold
Jürgen Seibold hat einen unsentimentalen Blick auf das Showgewerbe, er weiß nur zu gut, nach welchen Regeln dort gespielt wird. © Alexandra Palmizi

Ein Nellmersbacher – zumindest lebt er dort seit über 20 Jahren und seine Frau stammt von dort – schreibt die Biografie eines Weltstars: Jürgen Seibold die von Jon Bon Jovi. Der 61-Jährige kehrt damit zu seinen Wurzeln zurück. Hierzulande eher als Krimiautor mit Lokalkolorit bekannt, war er einst Musikjournalist, schrieb Ende der 80er seine erste Biografie über einen Titanen der Rock- und Popgeschichte: Paul McCartney. Im Jahr darauf folgte eine über die Band von Jon Bon Jovi. Deren Frontmann feiert dieses Jahr seinen 60. Der runde Geburtstag ist der Aufhänger für Seibolds Buch, wobei er davon ausgeht, zu der Ehre – der Anfrage des Verlags an ihn als Verfasser – gekommen zu sein, weil er sich schon mal mit dem Star befasst hat, einerseits. Andererseits, weil das Werk von damals offenbar nach wie vor viel gelesen und mittlerweile auch häufig verlinkt werde.

Ihm kam der Auftrag gerade recht, es ist immer noch Corona-Zeit, Lesungen fallen deshalb nach wie vor flach. Auch er muss schließlich Geld verdienen, das sieht er ganz pragmatisch. Über 30 Jahre ist das nun her und es hat sich nicht nur in seinem Leben, sondern wohl erst recht in dem von Jon Bon Jovi viel getan. Der Biograf lacht: „Wär’ ja schlimm, wenn’s anders wäre.“ Seibold will seine damalige Autorenschaft nicht überbewertet wissen. Ab Mitte der 80er Jahre habe sich der damalige Verlag die Frage gestellt, mit welchen Biografien über Künstler, vor allem bekannte Musiker, sich wohl Geld verdienen lassen würde. Herausgekommen seien eher dicke, vor allem bebilderte Hefte. „Das waren immer etwa 80 Seiten, mit vielen Fotos, die so um die zehn Mark gekostet haben.“

Paul McCartney, Led Zeppelin, Rolling Stones, aber auch „Take That“

Das Ganze sei so vier, fünf Jahre gegangen, ein paar Dutzend seien’s am Ende gewesen. Seibold erinnert sich an Ausgaben über die Beatles, ihren Kopf McCartney, Led Zeppelin, ZZ Top, Aerosmith, die Stones, Phil Collins, alles Rocklegenden, aber auch gecastete Boygroups wie „Take That“ und die Backstreet Boys, die auch, auf ihre Art, sehr erfolgreich waren. „Alles, was in den Charts oder im Gespräch war“, bringt Seibold schmunzelnd die Geschäftsidee von damals auf den Punkt. Vom Aufwand her seien das eigentlich längere Zeitungsartikel gewesen, „es ging vor allem um die Fotos“.

Das Buch, das er nun geschrieben hat und das im Februar erscheint, hat dagegen etwa 320 Seiten, „also ungefähr so viel wie bei meinen Krimis, aber die hier sind relativ locker gesetzt“, wiegelt der Autor wieder lächelnd ab. Aber 30 Jahre seither vergangen, da gab es sicher viel zu recherchieren? Klar, aber zuerst hat er sein eigenes Buch von damals noch mal gelesen und dabei auch erkannt, „dass das damals eine ganz andere Zeit war“. Als sein Jon Bon Jovi 1984 (vor 38 Jahren) seinen ersten Welthit mit „Runaway“ landete, waren Faxe der letzte Schrei, von Streamen hatte noch nie jemand was gehört, und der neueste Apple-Rechner kostete 10 000 Dollar, wie sein Verlag in einer Pressemitteilung zum Buch schreibt.

Seibold, der aus Rettersburg stammt, hatte beim Zeitungsverlag Waiblingen volontiert, danach bei der Esslinger Zeitung gearbeitet und sich 1983 selbstständig gemacht. Er erinnert sich noch, wie teuer Faxen damals war, welches Privileg es war, ein eigenes Gerät im Pressebüro beim Winnender Bahnhof zu haben. In einem riesigen Schrank lagerte ein umfangreiches Archiv ausgeschnittener und gesammelter Zeitungsartikel, darunter eine ganze Mappe voll über Jon Bon Jovi.

Heutzutage dagegen brauche man nur ins Internet zu gehen, um Material zu finden, natürlich aber auch Kontakt aufnehmen zu dessen damaliger Plattenfirma. Kurioserweise ist er bei der immer noch akkreditiert. Natürlich hat er wegen eines Interviews angefragt, aber nicht wirklich damit gerechnet, dass es auch klappt. Er kennt das Showgewerbe zu gut: „Warum sollte der sich Fragen stellen für ein Buch, an dem er nichts verdient?“ Nein, er habe stattdessen mit Kollegen gesprochen, „das alles zusammen reicht schon für ein ziemlich gutes Bild.“

Er ist bekennender Beatles-Fan und kann das auch gut begründen

Was hält er denn selbst von Jon Bon Jovi, als Musiker? „Manches ist toll, manches nicht.“ Seibold ist bekennender Beatles-Fan und kann das auch begründen. Die seien in so vielem Vorreiter, Pioniere gewesen, man müsse sich nur die Klangbögen, Melodien moderner Popgruppen anhören, da komme einem vieles bekannt vor, was allerdings auch in der Natur der Sache liege, es gebe nun mal nur eine begrenzte Anzahl von Grundtönen. Aber er habe auch früher schon meist nicht selbst interviewt, sondern seine Leute zu den Stars, meist über den Atlantik, geschickt. „Ich war froh, wenn ich daheim bleiben durfte. Denn du lernst die dabei nicht wirklich kennen, die lassen dich gar nicht richtig an sich ran.“

Seibold plaudert gleichwohl aus dem Nähkästchen. Jon Bon Jovi plane im April eine Tour in den USA, mit von seiner Band signierten Sitzen in den vorderen Reihen, „die kann man dann nach dem Konzert mit nach Hause nehmen, ist schon cool – wenn man 2500 Dollar dafür hat.“ Immerhin, dafür sei auch noch die Teilnahme an einem Brunch mit südfranzösischem Touch und Ambiente, auf das Jon Bon Jovi stehe, inklusive.

Aber ist es denn um den nicht in den letzten Jahren deutlich ruhiger geworden, reißen sich die Leute überhaupt noch um die Karten? „Na ja, auf jeden Fall hat er weniger Nummer-eins-Hits als früher.“ Außerdem sei auch Jon Bon Jovi älter geworden, so Seibold, der mache es sich mittlerweile eben gemütlich. Sorgen müsse man sich allerdings um ihn nicht machen, er gehöre nach wie vor in die erste Liga der Großverdiener, zusammen mit Bryan Adams und Phil Collins etwa, während es die Stars von heute deutlich schwerer hätten, Stichwort Streaming, mit Musik (viel) Geld zu verdienen. „Der hat ja Hunderte von Millionen Platten verkauft.“

Aber gut, der habe auch eine andere, nämlich wohltätige Seite. Zum Beispiel hat er eine Foundation gegründet, die Familien hilft, denen Obdachlosigkeit droht, wie seine Plattenfirma nicht vergisst, in der Pressemitteilung zum Buch zu erwähnen, ebenso wie, dass der Weltstar nach wie vor mit seiner High-School-Liebe verheiratet ist, dass er ein Enkel sizilianischer Einwanderer ist, in New Jersey aufwuchs und dass er sich in seinem eigenen Lokal, in dem jeder für sein Essen so viel bezahle, wie er könne, auch mal ans Spülbecken stelle, wenn Not am Mann sei.

Krimiserie mit „Remslingen“ und „Badheim an der Murr“

„Jon Bon Jovi“ ist ein Zungenbrecher, Seibold verspricht beim wiederholten Versprecher seines Interviewpartners schmunzelnd: „Beim nächsten Mal schreib’ ich über Phil Collins.“ Nein, Spaß, er bleibe lieber bei seinen Krimis, hat Jon Bon Jovi „abgehakt“, ist längst an Neuem dran, hat gerade ein Hörbuch eingesprochen, zu einer Komödie von ihm, die schon 2010 erschienen war, „Bloß keine Maultaschen“, am Stuttgarter Bopser spielend.

In einer Krimiserie geht es um einen Buchhändler, sie spielt in Orten mit Namen wie „Remslingen“ und „Badheim an der Murr“ und statt einer Döner- gibt es eine Maultaschenbude, wo die schwäbische Delikatesse im Brötchen verkauft wird. Halt, das ist gar nicht erfunden, das gibt es doch wirklich! Seibold lächelt wieder: „Also, als Backnang den neuen, jungen OB bekam, dachte ich, wie wäre es denn, wenn so etwas auch in Waiblingen passiert? Und kurz darauf hieß es, Hesky tritt nicht mehr an und wie ging’s dann weiter? Ironie der Geschichte.“ Was in „Badheim an der Murr“ wirklich geschah, passiert also bald auch in „Remslingen.“

Ein Nellmersbacher – zumindest lebt er dort seit über 20 Jahren und seine Frau stammt von dort – schreibt die Biografie eines Weltstars: Jürgen Seibold die von Jon Bon Jovi. Der 61-Jährige kehrt damit zu seinen Wurzeln zurück. Hierzulande eher als Krimiautor mit Lokalkolorit bekannt, war er einst Musikjournalist, schrieb Ende der 80er seine erste Biografie über einen Titanen der Rock- und Popgeschichte: Paul McCartney. Im Jahr darauf folgte eine über die Band von Jon Bon Jovi. Deren

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