Leutenbach

Nummernschilder geklaut

Justitia gerichtsverhandlung urteil symbol symbolbild
Symbolbild. © Joachim Mogck

Leutenbach/Waiblingen. „Wenn jetzt noch das Geringste passiert, sind Sie zwei Jahre weg vom Fenster und dann ist alles vorbei“, lauten die letzten Worte der Richterin in einer Verhandlung gegen einen jungen Mann, der Nummernschilder gestohlen und mehrfach ohne Führerschein gefahren ist. Ausnahmsweise setzt sie seine Haftstrafe zur Bewährung aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass der 26-Jährige aus Leutenbach als Angeklagter vor Gericht sitzt. 2012 wurde er von einem Gericht wegen drei Diebstählen (zwei davon gemeinschaftlich) zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit wurde verlängert, weil er 2014 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde. Im Zusammenhang mit dem Urteil wurde ihm auch eine Führerscheinsperre wegen Untauglichkeit auferlegt. Die hätte eigentlich im Februar 2016 enden müssen, wurde aber bis November verlängert, wegen der zu diesem Zeitpunkt schon laufenden Ermittlungen, weil er im Frühjahr 2015 ohne Fahrerlaubnis als Kurierfahrer gearbeitet und Nummernschilder gestohlen haben soll. Diese Taten werden nun vom Amtsgericht Waiblingen verhandelt.

Italienische Kennzeichen sollten der Polizei die Ermittlungen erschweren

Er hat noch nie einen Führerschein besessen. Das Geld dazu habe immer gefehlt, erklärt der junge Mann, weil er nach der mittleren Reife in der Ausbildung nicht viel verdient hätte und seine Familie ihn nicht bei den Kosten für die Fahrerlaubnis unterstützt habe. Ein eigenes Auto, mit dem er ohne Führerschein fuhr, hat er trotzdem. Wie er das finanziert hat, wird vom Gericht nicht erfragt. Zugelassen und versichert war sein Wagen jedenfalls nicht – und eben aus diesem Grund hat der Angeklagte im Oktober 2014 zwei italienische Nummernschilder gestohlen und sie an seinem Auto angebracht. „Ich wollte mit dem Wagen ja gar nicht fahren, sondern ihn verkaufen. Aber er stand auf einem öffentlichen Parkplatz und ich brauchte Kennzeichen, damit er nicht abgeschleppt wird“, erklärt der 26-Jährige. Er habe extra italienische Nummernschilder gestohlen, weil er dachte, die fremde Sprache erschwere der Polizei die Ermittlungen. Nur zweimal sei er mit seinem Auto dann auch gefahren, im März 2015 – einmal zum Einkaufen, weil er wenig Zeit hatte, und einmal zu einem Bewerbungsgespräch in Stuttgart.

Seit mehr als einem Jahr kein Auto angerührt

Den Job hat er auch bekommen – als Fahrer für einen Kundendienst. Zweieinhalb Wochen machte er mit dem Kastenwagen seines Arbeitgebers etwa vier Fahrten pro Tag im Raum Stuttgart, bis die Polizei ihn erwischte. Derzeit arbeitet er für eine Zeitarbeitsfirma und fährt mit Bus und Bahn zur Arbeitsstelle. Er versucht, seine Ausbildung zum Automechaniker zu beenden, die er kurz vor dem Ende abgebrochen hatte. Er hat schon ein paar Vorstellungsgespräche und durch den Zeitarbeitsjob erstmalig genug Geld, dass er den Führerschein machen will, sobald die Sperre aufgehoben ist.

Deshalb habe er auch vor acht Monaten schon selbstständig die Beratung eines Verkehrspsychologen aufgesucht. Er hofft, dass er die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), die die Fahreignung beurteilt, besteht, einen Führerschein und einen Ausbildungsabschluss machen kann und dass dann endlich alles normal läuft. Seit mehr als einem Jahr habe er kein Auto angerührt und sich nichts anderes zuschulden kommen lassen, beteuert der junge Mann.

Auch wenn die Richterin vor allem den Diebstahl als schwerwiegend betrachtet, setzt sie die Haftstrafe von einem Jahr aufgrund seiner Lebenssituation noch einmal zur Bewährung aus, für zwei Jahre – seine dritte Bewährungsstrafe und letzte Chance, warnt sie ihn. Wenn er noch etwas Kriminelles macht, werden die drei Strafen zusammengelegt und er müsste für zwei Jahre ins Gefängnis. „Ich bin mir bewusst, dass die Motivation und guten Vorsätze oft nur bis zum Tag der Hauptverhandlung halten. Viele intelligente Jungs mit guten beruflichen Aussichten haben sich schon durch Fahren ohne Fahrerlaubnis in den Knast manövriert. Sie haben es in der Hand.“

Verkehrspsychologe

Die Richterin knüpft an das Urteil folgende Auflagen: Innerhalb dieser zwei Jahre Bewährungszeit muss der 26-Jährige regelmäßig einen Verkehrspsychologen aufsuchen, mit einem Bewährungshelfer Kontakt halten, seine Fahrerlaubnis machen und dem Gericht unaufgefordert vierteljährlich Nachweise über diese Bemühungen erbringen – kommen diese Nachweise nicht, behält sie sich Auflagen wie Geldstrafen oder Arbeitsstunden vor.