Leutenbach

Online bestellt und nie bezahlt

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Symbolbild. © Mathias Ellwanger

Leutenbach/Waiblingen. Lügen haben kurze Beine. Das hat sich bei einer Verhandlung am Waiblinger Amtsgericht bestätigt. Ein 45-Jähriger hatte „fleißig“ online bestellt, unter gefälschten Identitäten, allerdings immer von seinem eigenen Computer in Leutenbach aus, so dass über die IP-Adresse die Spur zu ihm zurückführte. Für den Betrug ist er zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Die Bestellungen erfolgten im Zeitraum Februar bis April vergangenen Jahres, vor allem beim Otto-Versand. Der Mann orderte ein Bett, eine Wohnlandschaft, eine Kommode, einen Schwebetürenschrank und einen Fernseher, Waren im Wert von insgesamt rund 4000 Euro. Otto lieferte allerdings nicht, ohne dass vorher bezahlt wurde. Als das nicht geschah, wurde der Auftrag storniert. In der Folgezeit teilte der Mann seine Bestellung sozusagen auf, wodurch sich der jeweilige Warenwert entsprechend verringert und Otto deshalb nur Anzahlungen forderte. In den meisten Fällen wurde auch dem nicht nachgekommen, also auch hier wurden die Aufträge storniert. Beim Fernseher kam allerdings eine Teilrate, er wurde ausgeliefert. Das restliche Geld blieb der Mann schuldig. Auch übers Tchibo-Onlineportal orderte er Gardinen, Vorhänge, eine Tischdecke und Kleidung, Wert der Waren knapp 200 Euro. Zudem ging bei einer Spielwarenfabrik eine Bestellung im Wert von rund 100 Euro ein.

Die Masche des Manns war immer die gleiche: Er bestellte unter falschen Namen, nämlich denen von Bekannten. Dass das Ganze irgendwann auffliegen musste, man ihm über kurz oder lang auf die Schliche kommen würde, er die Waren entweder ohnehin nicht behalten würde können oder sie erst gar nicht bekommen würde, dass er sich des fortgesetzten Betrugs schuldig machte, das musste ihm eigentlich klar sein und deswegen ist sein Verhalten ein Rätsel. Es bleibt auch ein Rätsel, weil der Mann bei der Gerichtsverhandlung nichts zur Aufklärung beitrug, abgesehen davon, dass er die ihm vorgeworfenen Taten ohne Umschweife einräumte, dabei durchaus den Eindruck hinterlassend, dass ihm seine Missetaten von damals heute peinlich, unerklärlich sind, ja er über sich selbst den Kopf schütteln muss.

40-jährige Ehefrau wird in der Verhandlung freigesprochen

Mitangeklagt war auch seine 40-jährige Ehefrau, wobei in der Verhandlung aber schnell klar wurde, dass sie nicht beteiligt war. Allerdings konnte sie das Rätsel ein wenig lösen, indem sie den familiären Hintergrund schilderte. Einige Monate, bevor die betrügerische Bestellerei losging, war bei ihr Knochenkrebs festgestellt worden. Sie sei in der Folgezeit wegen der OP und der Therapie „neben der Spur gewesen“. Überhaupt sei die ganze Lebenssituation der Familie in dieser Zeit bedrückend gewesen. Es gab einen Umzug, in der vorherigen Wohnung habe es Schimmel gegeben, viele Dinge, für die ihr Mann offenbar Ersatz beschaffen wollte, seien deshalb kaputt gewesen. Auch finanziell sei es ihnen nicht gut gegangen, zudem habe die Beziehung zu ihrem Mann, ihre Ehe gelitten, auch die Kinder hätten darunter gelitten. Es habe mehr ein Nebeneinanderher- als ein Miteinanderleben gegeben.

Sie müsse sich vorwerfen, dass sie gewusst habe, was ihr Mann da so treibe, ihn aber nicht daran gehindert habe, „obwohl ich wusste, dass wir uns das gar nicht leisten können“. Allerdings habe ihr Mann sie auch teilweise getäuscht. Die meisten der Sachen habe er nicht für sie beide bestellt, sondern für die Tochter. In den Fällen, in denen Anzahlungen geleistet wurden, sei dies von deren Konto geschehen, ohne deren Zustimmung. Sie selbst habe nichts von diesen Sachen bestellt, beteuerte die Frau glaubhaft. Sie wurde freigesprochen.

Kundenkonto für andere Person angelegt

Als Zeuge sagte ein Mitarbeiter von Otto aus, der berichtete, dass auf eine Anfrage der Polizei hin seine Firma den fraglichen Bestellungen nachgegangen war und damit die ganze Betrügerei letztlich offen zutage trat. In einem Fall war telefonisch bestellt worden, und zwar so, dass für einen Dritten ein Kundenkonto angelegt wurde. Das dürfe eigentlich nicht vorkommen, dass so etwas aber überhaupt nicht vorkomme, dafür könne er seine Hand nicht ins Feuer legen, so der Mitarbeiter.