Leutenbach

Pilotprojekt in Leutenbach: Der digitale Hundekotbeutelspender

digitale Hundetütenstation
Der Vierbeiner guckt, als ob er gleich so eine Tüte brauchen wird. © Alexandra Palmizi

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Jetzt kommt sie sogar auf einem Gebiet zum Einsatz, das einem nicht gleich in den Sinn kommt, dem Nachschub an Entsorgungsbeuteln für Hundekot.

Man muss, um die Tragweite dieses technischen Fortschritts erfassen zu können, auf die lange Geschichte des Umgangs der Menschheit mit den Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zurückblicken und sich vergegenwärtigen, dass alle Domestizierung und Züchtung ja nichts daran geändert haben, dass die nach wie vor von Zeit zu Zeit „groß müssen“.

Eine Idee, nach Jahrtausenden des Einfach-gewähren-Lassens

Nach Jahrtausenden des Einfach-gewähren-Lassens, wo und wann Canis lupus mit dem bezeichnenden Beinamen familiaris wollte, genauer gesagt musste, kam der Mensch (Homo sapiens) vor gar nicht allzu langer Zeit auf den Gedanken, das Zeug einzusammeln in eigens dafür geschaffenen Behältnissen, um es einer geordneten Entsorgung zuzuführen. Auf dass man nicht weiterhin allerorten reintritt, zum einen, und auf dass dieser durchaus organische Abfall sich nicht weiterhin unter das mischt, was auf Äckern, Feldern und Wiesen wächst und dem Verzehr von Mensch und Nutztier zugeführt wird, zum andern.

Laut Syna ist Leutenbach im Rems-Murr-Kreis als Erstes dran

In der nächsten Stufe wurden sogar eigens Behälter aufgestellt, aus denen man diese Beutel ziehen konnte, und wo diese anschließend auch gleich entsorgt werden konnten. Nun also der nächste Schritt der Zivilisation: Über zwei Sensoren wird erfasst, ob der Hundekottütenspender leer ist und es also Nachschub braucht und wie der „Füllstand“des dazugehörigen Mülleimers ist. Das neue System kommt laut Syna, für die es eine Netztochter entwickelt hat, remsmurrkreisweit zuerst in Leutenbach zum Einsatz. 26 „analoge“ Behälter im Außenbereich werden flächendeckend, über die ganze Markung verteilt, dafür ausgetauscht.

Damit werden dem Bauhof künftig unnötige Wege erspart, er kann seine Fahrten zu den Behältern optimieren, weil er vorher schon weiß, ob er überhaupt dort hin muss, weil Tüten fehlen. Die Stationen sind per Onlineportal auf dem Laptop gelistet, auf einer digitalen Standortkarte hinterlegt. Es gibt drei Statusanzeigen zum Bedarf: Orange steht für „fast leer, muss bald aufgefüllt werden“, Rot für „bereits leer, bitte sofort auffüllen“ und Grün für „Es sind noch genügend Tüten drin, das Wiederauffüllen hat noch Zeit“. Und ob der Mülleimer bald geleert werden muss.

Noch ein Gag: Die Sensoren brauchen für ihren Betrieb ja Strom, wenn auch sehr wenig, weil mit Niederspannung gearbeitet wird, der „Saft“ kommt von einem Mini-Solarpanel auf dem Tütenspender.

Keine unnötigen Fahrten mehr für den Bauhof

Bauhofleiter Andreas Gogel und seine Leute wissen also auf ihren allwöchentlichen Fahrten, jeweils freitags, schon vorher, welche Behälter sie ansteuern müssen und welche nicht. Die Anschaffungskosten betragen einmalig rund 35.000 Euro, mit den Unterhaltskosten dürfte der Aufwand auf zehn Jahre gerechnet etwa insgesamt 40.000 Euro betragen, schätzt Kämmerer Heiko Nothacker.

 Bürgermeister Jürgen Kiesl geht davon aus, dass die überflüssigen Fahrten, die es nicht mehr braucht, samt dem Personalaufwand dafür ein Mehrfaches an Einsparung ausmachen, auch weil der Bauhof sich in dieser Zeit eben anderen Aufgaben widmen könne. Und wenn er hört, dass Leutenbach Pilotgemeinde ist und endgültig zum „Smart Village“ werde, wer mag ihm da den unverhohlenen Stolz verdenken? Leutenbach müsse aber nicht gleich zur „Smart City“ werden, bremst er sich selbst ein. Die digitalen Tütenspender sind ein erster Schritt. Weitere Sensoren sollen im kommunalen Alltag zum Einsatz kommen, in Leutenbach erprobt werden: Auch Erdfeuchte und Raumtemperaturen können mit ihnen erfasst und online angezeigt werden.

Gleichwohl, bei aller Digitalisierung: Der Anlass für das Ganze wird wohl niemals auch noch „virtuell“ wird und deshalb braucht es auch künftig wirkliche, reale Beutel und Herrchen/Frauchen, die das Zeug einsammeln und es in den vorgesehenen Behältnissen entsorgen. Aber wer weiß, vielleicht fehlt da auch nur (bislang), die nötige Fantasie, sich vorstellen zu können, wie auch das alles eines Tages nur noch „im Netz“ sich abspielt und damit „ verschwindet“, sich quasi in Luft auflöst.

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Jetzt kommt sie sogar auf einem Gebiet zum Einsatz, das einem nicht gleich in den Sinn kommt, dem Nachschub an Entsorgungsbeuteln für Hundekot.

Man muss, um die Tragweite dieses technischen Fortschritts erfassen zu können, auf die lange Geschichte des Umgangs der Menschheit mit den Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zurückblicken und sich vergegenwärtigen, dass alle Domestizierung und Züchtung ja nichts daran geändert haben, dass

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