Leutenbach

Projekt "Grünes Klassenzimmer": Grundschüler setzen Apfelbäume und kümmern sich auch noch Jahre später um sie

Grünes Klassenzimmer
Ralf Lachenmaier vom Obst- und Gartenbauverein zeigt den Kindern, wie es geht. © Gabriel Habermann

Die Kinder der beiden ersten und der beiden zweiten Klassen sind mit Feuereifer dabei. Verständlich, aus-, um- und eingraben mit Werkzeug und dann auch noch draußen an der frischen Luft, das ist eine willkommene Abwechslung vom Schulalltag – auch wenn der seit Corona doch schon selbst ziemlich anders aussieht als sonst.

„Grünes Klassenzimmer“ heißt das Ganze. Die Erst- und Zweitklässler der Grundschule Weiler zum Stein setzen an diesem nasskalten Morgen 14 Apfelbäume. Die noch zarten Triebe des Wurzelballens werden mit Drahtgitter gegen Mäuse geschützt, ehe die Kuhlen dafür wieder mit Erde zugetreten werden und jeder Jungstamm einen Pfahl nebendran bekommt, der ihn stützen, stabilisieren und auch gegen Wind und Sturm schützen soll.

Verbunden wird beides mit Kokosschnur, eine Naturfaser, die im Lauf der Zeit verwittert, was aber gewollt ist. Das Grundstück direkt hinterm „Lamm“-Biergarten gehört der evangelischen Kirchengemeinde, die es für das Schulprojekt zur Verfügung stellt. Es liegt keine 200 Meter Luftlinie von der Schule entfernt.

Mit dem Baumsetzen heute ist es aber für die Schüler nicht getan. Sie werden hierher immer wieder zurückkehren, über die ganze Grundschulzeit und auch noch später. Sie werden die Baumscheiben am Anfang freihalten, im ersten Jahr die Bäume gießen, beim erstmaligen Schneiden dabei sein, nach etwa sechs bis zehn Jahren die Äpfel sammeln und die auch selbst zu Saft pressen, etwa beim alljährlichen Apfeltag des Obst- und Gartenbauvereins auf dessen Lehrgartengrundstück unweit des Heidenhofs.

Exkursionen in den renaturierten Steinbruch

Zum „Grünen Klassenzimmer“ gehören auch Exkursionen in den renaturierten Steinbruch bei Weiler zum Stein, wo die Kinder Frösche, Molche, Vögel in natura beobachten können, die also nicht nur aus Schulbüchern kennen. Oder Gras mähen und Kühe füttern im Stiftsgrundhof. Oder das Bienenprojekt mit einem örtlichen Imker, wo sie immer wieder mit diesem zu seinen Stöcken am Ort kommen. Oder, wie in der vierten Klasse, Kartoffeln pflanzen, ernten und zu Ofenkartoffeln oder Salat verarbeiten. Die Schule hat dafür einen Garten samt Hochbeet.

Wie immer, wenn es in Weiler zum Stein um Äpfel geht, ist der OGV nicht weit. Er hat alte Sorten für die Baumpflanzung ausgewählt, Brettacher, Kaiser Wilhelm und Gewürzluiken. Zwei von ihnen sind gut als Tafelobst essbar, die dritte gibt einen guten Kuchen und alle drei sind für Saft oder Most geeignet. Auch einen geeigneten Termin zu finden, war wichtig. Denn der Boden muss noch offen sein, darf also nicht gefroren sein, so dass das Wasser noch eindringen kann.

Ralf Lachenmaier, vom Beirat des Vereins, mit Landwirtschaft groß geworden, wie er betont, betreut das Projekt. Die Kinder sollen durch dieses einen Bezug zur Natur, zu Nahrungsmitteln und eben zur Landwirtschaft bekommen, erklärt er. Der Nachwuchs solle Artenvielfalt und Naturschutz konkret erfahren, ergänzt Rektor Heinz Wolfmaier. Wobei man Kindern aus Weiler zum Stein nach wie vor nicht erklären muss, dass Milch nicht wirklich aus dem Tetrapack stammt und dass Kühe nicht wirklich lila sind.

Die Klassen verewigen sich mit Täfelchen an den Bäumen

Rolf Krautter, der Vorsitzende des Vereins, verweist darauf, dass für das Baumpflanzen bewusst Hochstämme ausgewählt wurden, so könne man auf dem Grundstück eben auch mähen und Heu gewinnen. Die Klassen werden sich mit Täfelchen an den Bäumen verewigen. Das Projekt läuft seit Anfang der 2000er Jahre. Krautter kennt Erwachsene, die bis heute immer wieder zu „ihrem“ Baum zurückkehren. Die Bäume hat der Verein im Rahmen der Sammelbestellung der Gemeinde beschafft.

So, die Arbeit ist mittlerweile getan, schade eigentlich, die Kinder würden wohl gerne auch noch die angrenzenden Grundstücke mit Bäumen versehen. Jetzt heißt es aber allmählich zurück in die nahe Schule. Bleibt allerdings die Frage, wie sie das dort mit den Schuhen hinbekommen. Denn natürlich haben die Racker die Gelegenheit genutzt, auf der nassen Wiese mit ihren Stiefeln so richtig zu matschen und sich dabei völlig zurecht keinerlei Gedanken gemacht, wie nun ihr picobello Schulhaus vor ihnen geschützt werden soll.

Zum „Grünen Klassenzimmer“ gibt es bücherweise, bibliothekenfüllende Schriften. Vielleicht am besten, aber mit Sicherheit am kürzesten hat die Idee dahinter auf den Punkt gebracht der berühmte Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746 bis 1827):„Lernen mit Kopf, Herz und Hand?. Das Konzept des „Grünen Klassenzimmers“ wurde mehrmals von der UNESCO als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet.

Die Kinder der beiden ersten und der beiden zweiten Klassen sind mit Feuereifer dabei. Verständlich, aus-, um- und eingraben mit Werkzeug und dann auch noch draußen an der frischen Luft, das ist eine willkommene Abwechslung vom Schulalltag – auch wenn der seit Corona doch schon selbst ziemlich anders aussieht als sonst.

„Grünes Klassenzimmer“ heißt das Ganze. Die Erst- und Zweitklässler der Grundschule Weiler zum Stein setzen an diesem nasskalten Morgen 14 Apfelbäume. Die noch zarten

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