Leutenbach

Rheinische Frohnatur: Der neue Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden in Weiler zum Stein und Nellmersbach, Sebastian Habeck

pfarrer habeck
Sebastian Habeck. © privat

Neue Pfarrerin in Schwaikheim, damit dort zwei Seelsorgerinnen und - wenn man Pastoralreferentin Maria Lerke bei den Katholiken dazunimmt – drei, neue Pfarrerin in Berglen – damit dort „halbe-halbe“, nun ein neuer Pfarrer in Leutenbach, beziehungsweise für Nellmersbach und Weiler zum Stein, mit Pfarrerin Susanne Blatt herrscht also auch dort Geschlechterparität.

Sebastian Habeck heißt er und ist weder verwandt noch verschwägert mit dem Mann, von dem behauptet wird, er könnte möglicherweise der neue Bundeskanzler sein. Er kommt aus Lindau, nein, nicht aus dem am Bodensee, sondern aus dem in Niedersachsen. Der 36-jährige ist verheiratet, die Familie hat zwei Söhne, zwei und vier Jahr alt.

Aufgewachsen in Burgdorf bei Hannover, einer 30 000-Einwohner-Stadt, von der Größe her also vergleichbar mit Winnenden, habe er die „klassische Laufbahn“, sprich kirchliche Sozialisation, erlebt, erzählt er beim Videochat, bei dem er immer wieder humorvoll antwortet, was er selbst mit seiner Geburt in Neuss, der rheinischen Frohnatur in ihm, in Verbindung bringt. Also, er war bei den christlichen Pfadfindern, hat es dort bis zum „Stammesführer“ gebracht, tolle Gemeinschaft, tolles Miteinander erlebt, sie hätten dort als Jugendliche viel ausprobieren können. Eigentlich habe er, mit guten Noten in Mathe und Physik, Maschinenbauingenieur werden wollen, aber die Aussicht, konstruierend die meiste Zeit vor dem Computer zu hocken, habe ihn noch mal über seinen Berufswunsch nachdenken lassen und sei dabei, als Ergebnis, „Richtung Pastor“ gekommen. Er machte bei einer befreundeten Pastorin ein Praktikum, dem ein Theologiestudium folgte, für das er aber zuvor noch Hebräisch und Griechisch lernen musste, Latein konnte er schon von der Schule her. Er könne alles noch ganz gut, um die Bibel aber wirklich im Original lesen zu können, nutzt er die Hilfe eines Computerprogramms. Greifswald, Göttingen und Kiel hießen die Studienorte, wobei er in Greifswald noch etwas Nützliches fürs Leben lernte: Er machte in der Stadt an der Ostsee den Segelschein.

Nach Theologiestudium erst mal als Veranstaltungstechniker gearbeitet

Nach dem Studium gab’s allerdings eine „Pause“, wie er sagt, in der Theologenlaufbahn. Er machte eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker, arbeitete anschließend in dem Beruf auch, hatte in dem Bereich schon während des Studiums gejobbt. Und er erkundete mit dem Wohnmobil Norddeutschland. Das Vikariat absolvierte er in Gifhorn, knapp 180 000 Einwohner und sehr stark von der „Konkurrenz“ geprägt, wie er sagt, damit allerdings VW und die Konkurrenz die zu Daimler meinend. Der Probedienst war in Katlenburg-Lindau bei Göttingen, wo es zwar keinen See, aber immerhin einen Feuerlöschteich gebe.

Dort ist Habeck nach wie vor Pfarrer, zuständig für die Kirchengemeinde Lindau-Bilshausen, fünf Orte, zwei Kirchen, mitten in einem ansonsten sehr katholischen Gebiet und einer sehr jungen Gemeinde mit vielen neu zugezogenen Familien. Es ist eine Dreiviertel-Stelle, wobei aber ein Viertel ausläuft, auch das ein Grund, sich neu zu orientieren, wie Habeck erklärt. Seine Frau ist Erziehungswissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Marburg, wo sie sich habilitiert und dabei auf der Zielgeraden ist.

Investitur erst in zwei Jahren, bis dahin auf „unständiger“ Stelle

Fahrradfahren nennt Habeck als Hobby, bislang auf dem Trekking-Bike, Mountainbike sei angedacht, in Lindau nutzt er ein E-Bike als Dienstfahrzeug, um von Ort zu Ort zu kommen, vielleicht empfiehlt sich das auch für seine baldige Pendelei zwischen Nellmersbach und Weiler zum Stein. Dort tritt er seinen Dienst am 1. Mai an. Der Einführungsgottesdienst ist für 9. Mai vorgesehen, nicht zu verwechseln mit der Investitur. Die kann erst zwei Jahre später stattfinden. Er ist nämlich bis dahin „nur“ Pfarrer im „unständigen“ Dienst, wird dort zunächst befristet arbeiten. Erst danach ist das Ständigwerden der Stelle möglich, wenn er und die Kirchengemeinde(n) das befürworten.

Seine Frau stammt aus der Nähe von Freudenstadt

Seine „Probezeit“ dort und seine „Beurlaubung“ für diese an seiner bisherigen Arbeitsstätte akzeptiert Habeck mit einem Schmunzeln, darauf verweisend, dass es ja bei seinem Wechsel immerhin auch um einen Wechsel der Landeskirche gehen wird. An seinem und dem Willen seiner Familie, langfristig hier zu bleiben, lässt er aber keinen Zweifel aufkommen. Er wisse durchaus, worauf er sich mit den Schwaben einlasse. Seine Frau kommt nämlich aus einem kleinen Ort bei Freudenstadt. Sie haben hier also Verwandte und Freunde nicht so weit weg. Deshalb auch das Interesse, sich im Großraum Stuttgart umzusehen, nicht zuletzt, weil sie sich dort auch für seine Frau gute Chancen ausrechnen, eine Stelle zu bekommen. Sie wird vorerst in Marburg bleiben, um die Habilitation zu Ende zu bringen. Hilfreich ist und für einen Wechsel jetzt spricht zudem, dass die beiden Kinder noch nicht auf die Schule gehen.

Seit Oktober 2018, als Pfarrer Ingo Walter ging, ist die Pfarrstelle in Nellmersbach vakant, seit Juli 2020, als Pfarrerin Rosemarie Gimbel-Rueß in Ruhestand ging, die Pfarrstelle in Weiler zum Stein. Der Pfarrplan sieht künftig für Leutenbach nur noch zwei Pfarrstellen vor, die Nellmersbacher Stelle durfte also zunächst nicht ausgeschrieben werden, man musste bis zur Verabschiedung von Gimbel-Rueß warten. Habeck wird Pfarrer beider Kirchengemeinden. Dass die in der bisherigen Form aber weiterbestehen, ist ausgeschlossen. Denn auch da gibt es „von oben“ den Auftrag, dass sich was tun muss. Es sei ja der gemeinsame Wille, dass sich der neue Pfarrer eben einbringen soll, ihm die neue Gemeindestruktur nicht, wenn er hier ankomme, übergestülpt werde, so Magdalene Kellermann, eine der beiden Vorsitzenden des Besetzungsgremiums: „Er soll sich in den Reformprozess einbringen können, ja, ihn mitgestalten.“ Wie auch Dekan Timmo Hertneck übrigens.

Klar ist bereits, dass Habeck regelmäßig auch in der Kirchengemeinde Leutenbach predigen wird, wie Kollegin Susanne Blatt in Nellmersbach und Weiler zum Stein. Er wird sich verstärkt um die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit in allen drei Teilorten kümmern, sie sich um die Erwachsenenbildung dort. Aufgaben werden also aufgeteilt. Mit der Vielfältigkeit von kleinen Kirchengemeinden und auch mit zusammen fast 3000 Gemeindegliedern habe Habeck ja Erfahrung, betont Rainer Gerlach, der andere Vorsitzende des Besetzungsgremiums.

Zweimal war die Stelle ausgeschrieben, beide Male vergeblich, wobei Magdalene Kellermann mit einer ganzen Reihe von Kandidaten, die sie im Auge hatte, sprach. Alle winkten aber ab, auch weil sie ihre Gemeinden nicht in der schweren Coronazeit verlassen wollten. „Da wird man dann irgendwann müde und denkt ,Gott, du hast uns hoffentlich nicht vergessen’.“ Hat er offensichtlich nicht. Nach dem zweiten Anlauf kam die Ausschreibung in einen Ordner des Oberkirchenrats, und damit durften sich auch Interessierte von außerhalb der Landeskirche bewerben, und wo sie auch Habeck bald erblickte und sich meldete. Der Dekan vermittelte, Habeck war dann mit Frau und Kindern vor Ort, schaut sich alles an. Ergebnis: „Match“, wie es neudeutsch heißt, also Treffer, die Sympathie war gegenseitig.

Erst mal Funkstille, bis das „Go“ vom Oberkirchenrat kam

Dann herrscht erst mal lange Funkstille, bis auch das „Go“ vom OKR kam, nachdem er sich auch dort vorgestellt hatte. Wegen Corona war allerdings kein persönliches Vorstellen in den beiden Kirchengemeinderäten und auch nicht im Besetzungsgremium möglich. Dafür wurden Gottesdienste in seiner bisherigen Kirchengemeinde live gestreamt, die also auch in Weiler zum Stein und Nellmersbach angeschaut werden konnten und durch die sich die dortigen Gemeindeglieder ein Bild von ihm machen konnten. Noch ein Volltreffer, wenn man so will: Als Veranstaltungstechniker ist er Profi für diese Form der Kommunikation.

Neue Pfarrerin in Schwaikheim, damit dort zwei Seelsorgerinnen und - wenn man Pastoralreferentin Maria Lerke bei den Katholiken dazunimmt – drei, neue Pfarrerin in Berglen – damit dort „halbe-halbe“, nun ein neuer Pfarrer in Leutenbach, beziehungsweise für Nellmersbach und Weiler zum Stein, mit Pfarrerin Susanne Blatt herrscht also auch dort Geschlechterparität.

Sebastian Habeck heißt er und ist weder verwandt noch verschwägert mit dem Mann, von dem behauptet wird, er könnte

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