Leutenbach

Schätze auf dem Dachboden des Heimatmuseums

Dachbodengeschichten
Dachbodengeschichten Heimatmuseum Franz Herrschlein Welche Schätze verbergen sich auf dem Speicher und im Keller des Heimatmuseums? Ich wage einen Blick hinter die Kulissen. Foto: Alexandra Palmizi © Palmizi / ZVW

Video: Der Vorsitzende des Historischen Vereins Franz Herrschlein zeigt die Schätze auf dem Dachboden des Heimatmuseums.

Leutenbach-Weiler zum Stein. Hier eine mindestens hundert Jahre alte Wahlurne mit dem königlichen Wappen, dort ein Kinderwagen neben einem alten Schaukelpferd und daneben Bauklötzchen, die abgegriffen vom Spielen sind – auf dem Dachboden des Heimatmuseums verbergen sich allerlei Schätze. „Das ist gut so“, sagt Franz Herrschlein. „Denn was wäre das Heimatmuseum für ein Museum, wenn es keine Exponate für eine Sonderausstellung auf Lager hätte.“

Franz Herrschlein zieht eine Holzkiste aus dem Regal. Sie scheint schwer zu sein. Er stellt sie auf ein kleines Tischlein, wie man es in den 50er Jahren in den Wohnzimmern stehen hatte. Vorsichtig schließt er es auf. „Das finde ich klasse, dass wir das hier haben“, sagt er und lächelt fast unmerklich. Kein Schatz im eigentlichen Sinn kommt in dieser Holzkiste zum Vorschein. Doch für den Vorsitzenden des Historischen Vereins ist es eines der Schätze schlechthin – ein Stück Ortsgeschichte. Zum Vorschein kommt ein Mikroskop, gut verstaut in der einen Hälfte der Kiste, in der anderen sind die Glasplättchen fixiert.

Trichinenfrei – Weiler zum Stein

Verwendet wurde es vom amtlichen Fleischbeschauer. Hausschlachtungen gab es damals fast überall. Unter dem Mikroskop hat man das Schwein auf Trichinen untersucht (winzige Fadenwürmer), daher rührt auch der Begriff Trichinenschau. Fand der Fleischbeschauer nichts Auffälliges, kam ein Stempel drauf: „Trichinenfrei – Weiler zum Stein“. Der Stempel befindet sich in dem Holzkästchen, genauso wie das Sezierbesteck, bestehend aus einer kleinen Schere und Pinzetten. Es wurde im Rathaus gefunden. Franz Herrschlein weiß, wie es ist, wenn der Fleischbeschauer kommt. Er kennt das aus seiner Kindheit. „Ich bin als kleiner Junge immer ganz ehrfürchtig vor ihm gestanden“, sagt er.

Hier auf dem Dachboden im ehemaligen Schafhaus hat sich in den Jahren einiges angesammelt. Der Raum ist einer von insgesamt drei Magazinen, die Schatzkiste des Heimatmuseums. „So können wir unseren Besuchern immer etwas Neues bieten“, sagt Franz Herrschlein. Sobald das Museum im April aus dem Winterschlaf erwacht, wird der eine oder andere Besucher im Wohnzimmer der 50er einen Fernseher entdecken. Im Moment steht dieser noch auf dem Dachboden – aber „der kommt nach unten. Der passt super rein“, sagt er. Mit seinem auf Hochglanz polierten Holzgehäuse ist er auch ein schmuckes Stück.

Krautstande und Waschtisch aus dem ehemaligen Lamm

Ein anderer Neuzugang ist schon auf der Ausstellungsfläche: Eine Krautstande aus gebranntem Ton, die Herrschlein im ehemaligen Lamm entdeckt hat. Das Besondere: Sonst wurden zum Beschweren Holzbretter verwendet, doch zur Krautstande vom Lamm gibt es einen Beschwerstein. „Das habe ich noch nie gesehen“, so Herrschlein. Ein Waschtisch mit Marmorplatte sowie passender Waschschüssel, ebenfalls von der Lammwirtin, stehen bisher im Keller-Magazin.

Für sie und andere Dinge ist im Moment kein Platz in den Ausstellungsräumen, andere Sachen sind doppelt im Museum vorhanden. Es kommt auch vor, dass der Gegenstand nirgends so richtig dazu passt wie die Wahlurne von 1900. Vorne ist das königliche Wappen angebracht. Eine Marke gibt die Herkunft an: Formulardruckerei Salach. Faszinierend ist der Mechanismus. Während man heute mit einem Blatt Papier den Schlitz verschließt, gibt es an der Wahlurne einen Schieber aus Metall.

Was keinen Platz findet, lagert hier

Daneben im Regal reihen sich Bierkrüge oder grau-blaue Schmalztöpfe, die mit Butterbrotpapier zugebunden wurden, erklärt der Vorsitzende des Historischen Vereins. Dann holt er Förmchen aus einem Regal hervor: Albertle-Ausstecher. Vielleicht so zehn Stück der Keckse haben Frauen in ein Paket gesteckt und den Soldaten an ihren Einsatzort geschickt.

Aus einem Gang zwischen den Regalen zaubert Lisa Nieratka einen Kinderwagen hervor. Mit seinem geschwungenen Griff und dem Ledersonnenschutz ist er gut erhalten. Das Steckkissen, das einst ein Baby wärmte, liegt noch darin. Er findet zurzeit ebenso keinen Platz in der Ausstellung wie ein altes Holzschaukelpferd – oder „wer kennt denn so etwas heute noch?“, fragt Franz Herrschlein, lacht vergnügt und holt ein schwarzes Kästchen hervor. „Ein Humidor“, sagt er. In die Drahtvorrichtung an den Türchen wurden Zigarren gesteckt. Es stammt aus der Zeit um 1900. „Wenn man das auf dem Schreibtisch hatte, war das klasse!“, so Herrschlein. Innen gab es etwas zum Anfeuchten, „so blieb das Aroma der Zigarren erhalten.“ Und über einen anderen Neuzugang aus dem Teilort Leutenbach freut sich Franz Herrschlein ganz besonders: 40 alte Schellackplatten und ein Plattenspieler von 1910 oder 1920. Er funktioniert ohne Strom und durch Kurbeln. „Er muss noch restauriert werden“, weiß der Hobby-Historiker. Schon einmal hat der Verein einen alten Plattenspieler herrichten lassen. Das Ergebnis sehen Museumsbesucher heute im ersten Stock. Dreht Franz Herrschlein dort die Kurbel, ertönt das Lied „Wenn der weiße Flieder wieder blüht.“

Neue Druckerei

Das Heimatmuseum Leutenbach hat einen neuen Ausstellungsbereich: eine Druckerei. Sie wird am Sonntag, 7. Mai, der Öffentlichkeit vorgestellt. Besucher erfahren in einer Vorführung, wie früher Buchstaben gesetzt und wie in einer Druckerei gearbeitet wurde. Eindrücke vom Leben in früheren Zeiten erhalten Interessierte bei der Ausstellung mit historischen Bildern. Das Museum ist von 2. April an wieder sonntags geöffnet.

Der Historische Verein ist mit einem Stand beim Neubürgertag am Sonntag, 29. Januar, in der Rems-Murr-Halle vertreten.

Außerdem bereitet der Verein zusammen mit der Gemeindeverwaltung eine Weinprobe vor, die am Samstag, 25. März, im Heimatmuseum in Weiler zum Stein stattfinden wird.