Leutenbach

Silber bei "Cider World": Bernhard Müller aus Leutenbach überzeugt mit Apfelmost

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Die Druckmesser an den Flaschenverschlüssen hat Bernhard Müller selbst konstruiert, da geht er lieber auf Nummer sicher. © speiser

Bernhard Müller, der alle bisherigen einheimischen Mostprämierungen gewann, hat auch international wieder „abgeräumt“. Bei der „Cider World“ im Frankfurter Palmengarten gab es jüngst Silber für seinen „Männercider“. Hessen ist ohnehin das Mekka, in jeder Kneipe dort gibt es Apfelmost, in jedem Lokal steht er auf der Getränkekarte.

Rund 180 Cidermacher nahmen teil, aus ganz Europa, darunter viele Norweger, aber auch aus den USA und Japan. An einen Luxemburger erinnern sie sich besonders: Der kauft alte Whisky- und Rum-Holzfässer auf und baut in denen seinen Cider aus (Most mit Kohlensäure, vulgär Apfelschaumwein, die Kohlensäure entsteht durch chemische Umwandlung, Fermentation, von Zucker).

Müller hat sieben Moste im Sortiment, darunter, wie er sagt, fünf „normale“, sortenreine, darunter Bittenfelder, aber auch eine Birnencuvee. Er experimentiert gern und offensichtlich gut. Auch mit der Aronia-„Wunderbeere“, die aus Nordamerika über Osteuropa eingewandert ist, viele Bitterstoffe hat, aber als Zweimal-50-Milliliter-Dosis am Tag verträglich und gesundheitsfördernd sei, so Müller: „Sieht aus wie Holunder, ist aber kleiner.“ Auf drei Hektar Fläche haben sie vor sechs Jahren deren Sträucher im Stiftsgrundhof angebaut. Im Hofladen gibt es Aronia als Tee, Pulver, getrocknet, als Gummibeeren und als Wein, trotz hoher Öchslezahl wegen des herben Geschmacks der Beerenhaut eher „räß“.

Der Vater hat auch „Craft Cider“ in der Sektflasche, Most mit Restsüße abgefüllt (versetzt mit süßem Apfelsaft, bei dem die Hefe wieder anfängt zu vergären), das gleiche Experiment hat er auch mit Traubensaft gemacht. Fünf eigene Mostobststückle hat er in den Gewannen Galgenberg und -grund Richtung Schwaikheim gegenüber dem Gelände der Hundefreunde an der Affalterbacher Straße. „Alles, was in die Flasche kommt, ist handaufgelesen“, betont Müller. Sein Vater Hermann, einst Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins, habe zwei Eimer gehabt zum Auflesen – den einen für die mackenlosen Äpfel, den anderen zum „Abgeben“. Aber das mit den Macken sei so eine Sache, es komme nämlich auch drauf an, wie schnell man die Äpfel verschaffe.

102 von maximal 120 Punkten

Aber zurück zum Wettbewerb, was ist der „Männercider“? Ein Most aus Bittenfelder, pur, fruchtig und herb zugleich, laut Etikett auf der Rückseite „nichts für empfindliche Geschmacksknospen“. Silber für den gab es in der Kategorie „Cider sparkling“ (spritzig). 120 Punkte wären das Maximum gewesen, ab 109 hätte es für Gold gereicht, er bekam 102. Im vergangenen Jahr, wo es keinen Wettbewerb vor Ort gab, sondern alles online lief, hatte Müller für seinen „Denis Cider“ (benannt nach seinem Schwiegersohn) ebenfalls Silber gewonnen, dem fehlte also nur ein Punkt zur Goldenen. Der, mit weniger Alkohol (4,5 Prozent statt 7,5), ist fruchtiger, perliger, süffiger. Dafür lief es heuer nicht so gut mit Müllers zweitem Kandidaten, dem „Gold Cider“, der fiel durch, warum auch immer, ist ihnen beiden unerklärlich, sie findet es richtig ungerecht, er sieht’s entspannter, will aber nachhaken, was genau der Jury an dem nicht passte.

Seine Frau schwärmt derweil daheim vom Treffen mit den Kollegen, Fest der Gleichgesinnten, die sie dort kennengelernt oder endlich, nach Corona, wiedergetroffen haben. Wobei gegen die meisten dort, mit ihren mehr und größeren Flächen – in Norwegen regelrechten Plantagen – und Maschinen, seien sie eine „Manufaktur“, gingen einem Hobby nach. „Wir hatten dort ja auch keinen eigenen Verkaufsstand, für uns war’s ein netter Ausflug.“

Sogar die beiden Vornamen von ihnen passen zueinander

Sie heißt Uschi, zumindest nennen sie alle so, aber eigentlich Ursula, was „kleine Bärin“ bedeutet, sein Vorname dagegen „starker Bär“, das passt also auch. Sein Spitzname ist eigentlich nicht Bernie, sein Kosename aber Giuseppe, so hat ihn nämlich mal ein Kellner am Gardasee genannt, in der Annahme, er, braun gebrannt und mit schwarzem Schnurrbart, sei ein Landsmann, das hat ihr so gefallen, dass es, exklusiv für sie, dabei geblieben ist. Sie sind beide sehr gesellig, nehmen auch die Mosterei nicht bierernst. Er singt im Männerchor 07, ein Kamerad von dort hat ihnen die Etiketten gestaltet, jeder Cidre hat auf der Rückseite seine eigene Beschreibung.

Klarer Fall, dass die im Hofcafé im Stiftsgrundhof, das ihre Tochter Steffi (natürlich ist ein Cider, verfeinert mit Traubensaft, auch nach ihr getauft) betreibt, gefragt, sind, genauso wie ihre Mostschorle zum Essen. Seine Familie hat schon immer Most gemacht, er hat bereits als Kind alles dazu gelernt, was es braucht bis hin zum Fassputzen, und er durfte als Jugendlicher immer 100 Liter für sich machen.

Bei der ersten Leutenbacher Weinprämierung 2005 war er mit seinem „Sonntagsmost“ erfolgreich, den es also nur an diesem Wochentag gab oder zu besonderen Anlässen und dem zehn Prozent süßer Wein vom Weingut Wagner beigemischt waren. Mittlerweile nehmen sie das nicht mehr so genau. Der Erfolg stachelte seinen Ehrgeiz an und seine Ausprobierfreude in den folgenden Jahren, nämlich zu zeigen, „was man alles aus Apfel machen kann“, bis hin zum Sekt, der vor allem bei jungen Leuten sehr gut ankomme.

Bei der nächsten heimischen Mostprämierung will er aussetzen

Das sei schon ein bisschen arg, das mit dem dauernden Gewinnen, meint auch seine Frau, sie befürchten, dass deshalb irgendwann die anderen deshalb keine Lust mehr haben könnten mitzumachen. Also er wird mal aussetzen, vielleicht nur etwas als Probiererle „hinstellen“, damit mal ein anderer drankommt. Er sorgt sich eher um die alten einheimischen Apfelsorten, der Klimawandel, die vertrügen Hitze und Trockenheit nicht: „Ob der Bittenfelder überlebt?“

Seine Experimentierfreude beschränkt sich allerdings nicht auf Apfel und Most. Auch mit Keksen (Kümmel, Sesam, Leinsamen) hantiert er. Und sie sind beide voll eingespannt mittlerweile im Hofcafé, wo er einen großen Garten angelegt hat. Sie sind beide Rentner, der 66-Jährige war früher Maschinenbauer, dann Konstrukteur, hat sich CAD in kurzer Zeit beigebracht. Ein schwäbischer Tüftler eben durch und durch, die Druckmesser an seinen Sektflaschen sind Eigenkonstruktionen. In ihre im Hofcafé angebotene Apfeltorte kommen je zwei Flaschen Männercider, das macht die etwas säuerlich und damit sehr begehrt. Die Kuchen, darunter Schwarzwäldertorte, dort sind eh alle selbst gebacken.

Er tüftelt auch immer weiter an seinem Mascarpone herum

Er habe eigentlich gedacht, jetzt, endlich in Rente, habe er mehr Zeit für sich, tatsächlich aber gar keine mehr: „Das Café ist mittlerweile ein Vollzeitjob auch für uns.“ Wie auch für ihre Gegenschwieger. Da gehören auch Stallführungen dazu und Frühstückmachen für 40, 50 Besucher. Seine Uschi (und wohl nicht nur sie) schwärmt von seinem sich stetig verbessernden Mascarpone und Eierlikör. Er weiß warum: Da geht es um die Konsistenz, um die „Speis“, sein Vater war nicht nur Landwirt, sondern auch Gipser, das hat er im Blut, genauso wie Eselsgeduld, bis es perfekt ist. Die eigenen Spätzle, er macht aus allem eine Wissenschaft, „aber mit Liebe“, betont sie, lacht wieder: „Also, wir können unser Geld ja gar nicht ausgeben, wir haben keine Zeit mehr dafür.“

Bernhard Müller, der alle bisherigen einheimischen Mostprämierungen gewann, hat auch international wieder „abgeräumt“. Bei der „Cider World“ im Frankfurter Palmengarten gab es jüngst Silber für seinen „Männercider“. Hessen ist ohnehin das Mekka, in jeder Kneipe dort gibt es Apfelmost, in jedem Lokal steht er auf der Getränkekarte.

Rund 180 Cidermacher nahmen teil, aus ganz Europa, darunter viele Norweger, aber auch aus den USA und Japan. An einen Luxemburger erinnern sie sich

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