Leutenbach

Sorge, dass die Leutenbacher Schule leidet

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In Leutenbach ist der Erweiterungsbau mit der Mensa seit diesem Schuljahr in Betrieb. © Büttner / ZVW

Leutenbach. Bislang ist aus Leutenbach öffentlich nichts zu hören gewesen zu den neuesten Entwicklungen in Sachen Gemeinschaftsschulen im Raum Winnenden. Nun meldet sich Bürgermeister Jürgen Kiesl zu Wort. Er befürchtet einen „inoffiziellen“ Schulbezirk Winnenden-Schwaikheim, unter dem die Leutenbacher Schule leiden könnte.

Video: Was würde die Zusammenlegung für für Leutenbach bedeuten? Bürgermeister Jürgen Kiesl aus Leutenbach gibt Antwort darauf.

Er habe die Entwicklung zunächst entspannt gesehen, gedacht, da halten wir uns als Leutenbacher zurück, gießen kein Öl ins Feuer, so Kiesl. Es sei klar, dass Schulpolitik einen Spagat zwischen Kirchturmdenken und Denken als Raumschaft bedeute. Das Eckpunktepapier, vom Winnender OB Hartmut Holzwarth veröffentlicht, die Vereinbarung zwischen Winnenden und Schwaikheim zum weiteren Vorgehen bei ihren Gemeinschaftsschulen, sei aber ohne Leutenbacher Beteiligung und auch ohne Berglen zustande gekommen, zudem nach seinem Kenntnisstand ad hoc, so Kiesl. Er bemängelt, diese Vorgehensweise und das Eckpunktepapier würden dem Anspruch einer regionalen Schulentwicklung „nicht ganz gerecht“. Erst im Nachhinein habe es ein Spitzengespräch aller vier betroffenen Kommunen im Schulamt gegeben. Dabei habe Übereinstimmung geherrscht, dass der Gedanke der regionalen Schulentwicklung beim weiteren Vorgehen angemessen Beachtung finden solle und damit die Auswirkungen auch auf Leutenbach und Berglen zu bedenken seien.

Großer Druck in Sachen Schule

Ihm sei durchaus bewusst, dass auf Winnenden und Schwaikheim in Sachen Gemeinschaftsschule ein großer Druck laste, so Kiesl. Leutenbach habe nun mal einen „Pflock eingeschlagen“ beziehungsweise früh „Nägel mit Köpfen“ gemacht, rund 3,5 Millionen Euro investiert in den Erweiterungsbau mit Mensa und Ganztagebetreuungsräumen, wobei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht sei. Bis 2020 seien für weitere Klassenräume zusätzlich 1,,5 Millionen Euro fällig, so Kiesl, der darauf verweist, dass die Leutenbacher Schule jedes Jahr auch Schüler aus Winnenden aufnimmt. Diese seien willkommen und das solle auch weiterhin so sein.

Eine Fusion sei heikel

Eine Fusion von Schulen mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten sei heikel, er sehe hier die Gefahr, dass die neue Schulform beschädigt wird. Ebenso sei zu bedenken, was wäre, wenn Eltern, wie schon „angedroht“, ihre Kinder künftig stattdessen auf die Realschule schicken. Kiesls Sorge ist, dass bei einem „inoffiziellen“ Schulbezirk Winnenden-Schwaikheim die Gefahr bestehe, dass keine Winnender Schüler mehr die Leutenbacher Gemeinschaftsschule besuchen: „Das darf auf keinen Fall eintreten. Anders gesagt: Ein Schulbezirk, wenn man es so nennen will, darf nur über positive Anreize funktionieren. Die Eltern haben Wahlfreiheit.“ Leutenbach werde deshalb erstmals in Winnenden bei der Informationsveranstaltung für Viertklässler und deren Eltern über weiterführende Schulen seine Gemeinschaftsschule vorstellen.

Forderung, Buslinie nach Leutenbach nicht zu benachteiligen

Eine weitere Gefahr sieht Kiesl darin, dass bei einer möglichen Bevorzugung der Linie Winnenden-Schwaikheim die Schulbusverbindung nach Leutenbach leiden könnte. Außerdem fordert er, mit Blick auf die Winnender Schüler in der Leutenbacher Schule, dass, nachträglich, Leutenbach gleichgestellt wird, sollte sich Winnenden an Investitionskosten für den Ausbau der Schwaikheimer Schule beteiligen.

Kiesl verweist auch auf die Genehmigung der Leutenbacher Schule. Diese dürfe, sollte die Fusion scheitern, nicht gefährdet werden, hier stehe das Schulamt in der Pflicht. „Der schlimmste Fall wäre natürlich, wenn das Konzept komplett scheitert, das heißt, es weder in Winnenden noch in Schwaikheim künftig eine Gemeinschaftsschule geben würde.“ Die in Leutenbach sei nur zweizügig ausgelegt, könne also maximal 56 Schüler je Klassenstufe aufnehmen, betont Kiesl.

Angebot der Ganztagesbetreuung

Auch die Leiterin der Leutenbacher Gemeinschaftsschule, Sonja Frech, spricht mit Blick auf die Wahlfreiheit der Eltern vom „freien Spiel der Kräfte“. Es gehe um die Eltern, die sich bewusst für diese Schulform entscheiden, die pädagogisch etwas ganz anderes sei als die Realschule, indem sie das Prinzip der Grundschule – keine frühe Auslese, gemeinsames Lernen – weiterziehe.

Kiesl rechnet damit, dass die neue Mensa und der Ganztagesbereich zum neuen Schuljahr sich in einer steigenden Anmeldezahl niederschlagen werden. Auch Sonja Frech geht von einer positiven Wirkung vor allem auf Eltern aus, die auf eine Ganztagesbetreuung ihrer Kinder angewiesen sind.

Sollte die Schwaikheimer Schule scheitern, wäre sie die erste Gemeinschaftsschule, die zumacht, so Kiesl. „Das wäre schulpolitisch bedeutsam. Deswegen wird alles getan, damit das nicht passiert, deswegen jetzt die Fusion mit Winnenden.“