Leutenbach

Spielend zum Erfolg

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Hat gut lachen: Christian Kiefer hat mit seinem Start-Up einen internationalen renommierten Preis gewonnen. © Christine Tantschinez / ZVW
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Die Weiterbildung als Spiel fürs Smartphone.
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Der Avatar für die Edeka-AG trägt das typisch grüne Shirt mit einem gelben Herz.

Leutenbach/Berlin. Christian Kiefer entwickelt mit seiner Firma Apps für Unternehmen, um Mitarbeiter mit Wissens-Duellen spielerisch zu schulen. Jetzt gab es für die Umsetzung mit Edeka einen internationalen Preis.

Bis zu 214-mal am Tag greifen wir zum Smartphone. Vor allem die unter 30-Jährigen verbringen bis zu drei Stunden täglich mit ihrem mobilen Begleiter. Ziemlich clever also, genau dieses Medium zu nutzen, um nebenbei auch noch spielerisch Wissen zu vermitteln. Genau das macht Christian Kiefer mit seinem jungen Unternehmen Mobile Learning Labs. Der 41-jährige Ex-Leutenbacher und Wahl-Berliner entwickelt seit 2015 Anwendungen für Smartphones, sogenannte Apps, die Lerninhalte in Quiz-Form vermitteln. Für Unternehmen wie Generali, Spar, Beiersdorf oder die Edeka AG. Damit schulen Firmen ihre Mitarbeiter, vom Auszubildenden über die Fachkraft bis zum Manager, von Allgemeinbildung bis zum Spezialwissen.

Die Umsetzung für die Edeka AG ist nun preisgekrönt. Nach dem „eLearning-Award 2018“ im Januar folgte Ende August die internationale Auszeichnung „Brandon Hall Award“ in Silber, in der Kategorie „Best Use of mobile Learning“, beste Anwendung im Bereich mobiles Lernen. Damit steht die Mobile Learning Labs mit ihren drei festen Angestellten in einer Reihe mit internationalen Preisträgern wie Air France, Bridgestone oder General Motors.

Das Geheimnis des Erfolges erklärt Kiefer mit dem spielerischen Ansatz seiner App. Die Anwender messen ihr Wissen durch Quizfragen, entweder alleine oder im Duell mit einem Kollegen. Je mehr sie spielen, desto mehr Auszeichnungen erhalten sie und klettern in der Rangliste nach oben. Und das auf dem Smartphone überall und immer, wann sie gerade Lust haben.

Gewünscht: Brillen, Bärte, graue Haare

Damit die Kollegen auch wissen, wer da so gut abschneidet, kann jeder Spieler einen eigenen Avatar gestalten: Von der Gesichtsform, Haar- und Hautfarbe bis zur Frisur und Kleidung nimmt das digitale Ich jede gewünschte Form an. Theoretisch auch ganz anders als im realen Leben, erstaunlicherweise ähneln sich Avatare und ihre menschlichen Entsprechungen aber sehr oft. „Wenn wir erstmals bei einem neuen Kunden das Demosystem zum Test anbieten und wir dann hinterher die Mitarbeiter treffen, können wir die optisch meist immer zuordnen“, sagt Kiefer. Der Wunsch des ersten großen Kunden war auch prompt, dem virtuellen Alter Ego Brillen, Bärte und graue Haare verleihen zu können, die vorher gar nicht im Programm waren. Und eines der meistgenutzten Features der Lern-Anwendung: Das Bild des eigenen Avatars kann man sich per Mail zuschicken – um es dann auch anderweitig als Profilbild zu verwenden.

Die besten Fragen kommen aus der Belegschaft

Die Mobile Learning Labs entwickeln nicht allein die Apps für die Kunden, sie geben den Unternehmen ein komplettes System an die Hand. Fragenkataloge, die verwendeten Farben, ja sogar die Kleidung der Avatare können individuell angepasst werden. Die Edeka-Avatare tragen beispielsweise die typischen grünen T-Shirts mit einem kleinen gelben Herz.

Die besten Fragen für die Quiz-Runden seien jene, die aus der Belegschaft selber kämen. „Man lernt durch stetige Wiederholung und Nachdenken besser, als wenn man einfach etwas vorgesetzt bekommt“, erklärt Kiefer das Prinzip. „Oft ist man geschockt, wenn ein Quiz offenbart, wie wenig man dann doch vom Thema weiß. Aber das spornt an, im nächsten Duell besser zu sein.“ Jede Antwort, jeder Begriff lässt sich nachschlagen und nachlesen. Sein bestes Beispiel: Im firmeneigenen Testsystem ist seine eigene Mutter die beste Spielerin. Sie spielte so oft, dass sie mittlerweile in jedem Quizduell ungeschlagen bleibt.

Mitmachen ist freiwillig

Avatare, Ranglisten, Punkte, das alles könnte man auch als Auswertung des Mitarbeiters verstehen. Hier gibt Kiefer Entwarnung: „Wir sprechen uns immer mit den Betriebsräten ab und alles ist datenschutzkonform. Die Punkte oder Auszeichnungen, die man im Spiel holt, müssen nicht öffentlich sichtbar sein.“

Die Teilnahme ist für die Mitarbeiter freiwillig, niemand muss spielen. Aber viele tun es offenbar, oft und gern. In einem Unternehmen spielten 5500 Teilnehmer über vier Millionen Fragen durch, in einem anderen schafften es 100 Nutzer auf über 110 000 Fragen. Einige Firmen veranstalten sogar richtige kleine Wettbewerbe, mit Preisen, ein Firmen-Shirt oder Trikots der Nationalmannschaft zur WM. Dann lohnt sich der Griff zum Smartphone und zur Quiz-App für den Mitarbeiter gleich noch mal.

Als Schwabe in Berlin

Aufgewachsen ist Christian Kiefer im Rems-Murr-Kreis, in Fellbach, Leutenbach und Birkmannsweiler, zur Schule ging er in Winnenden. 2003 zog es ihn nach Berlin. Dort studierte er internationale Medieninformatik und kam über Praktika und studentische Mitarbeit zum Thema E-Learning. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. 2015 gründete er die Mobile Learning Labs. Seine Eltern wohnen in Leutenbach.

Warum ist es leichter, in Berlin ein Start-up zu gründen als im Rems-Murr-Kreis? Kiefer kann sich zwei Gründe vorstellen: „Zum einen die Lebenshaltungskosten, in Berlin kann man von einem Existenzgründer-Stipendium tatsächlich auch leben, dazu kommt das eher niedrige Gehaltsniveau für Mitarbeiter. Geldgeber zu finden ist auch nicht schwierig. Zum anderen haben Schwaben eine eher bodenständige Einstellung. Wenn sie etwas machen, dann richtig. Es wird weniger herumexperimentiert“.