Leutenbach

Trickserei mit Tüv-Plakette

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So sehen die Original-Plaketten für die Hauptuntersuchung aus. © Christine Tantschinez

Leutenbach/Waiblingen. Der 48-Jährige hatte an seinem Anhänger nicht nur eine manipulierte Tüv-Plakette, sondern tauchte auch mit einer gefälschten Bescheinigung über eine angeblich bestandene Hauptuntersuchung bei der Polizei auf. Für diese, juristisch gesehen, Urkundenfälschungen hat das Amtsgericht Waiblingen den gebürtigen Kosovaren zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt.

Die manipulierte Tüv-Plakette war Anfang 2014 einer Polizeistreife an dem im Wohngebiet Mühlefeld abgestellten Anhänger aufgefallen, weil sie überaus dilettantisch angebracht war. Als der Halter ermittelt war, bekam er eine Vorladung aufs Winnender Revier. Zu dem Termin brachte er jedoch Papiere über eine angeblich bestandene Hauptuntersuchung mit, die ebenfalls einem genaueren Hinsehen nicht standhielten. Angezeigt war der Mann allerdings auch wegen eines weiteren, gleichartigen Vergehens bei einem Pkw. In der Anklage wurde auch klar ausgesprochen, um was es wohl bei der Täuscherei ging: nämlich sich die anstehenden Hauptuntersuchungen, die Gebühren für diese, aber vor allem die Ausgaben für anfallende Reparaturen an den Fahrzeugen zu ersparen.

Vor Gericht erzählte der Mann, der 1994 nach Deutschland gekommen war, seine Version. Er sei selbstständiger Stuckateur, habe einen Betrieb mit einigen Angestellten. Er habe, weil er „einfach keine Zeit dafür“ gehabt habe, sich über einen Bekannten jemanden vermitteln lassen, der solche Aufgaben im Auftrag erledige. Dieser habe aber eben leider „gepfuscht“. Dass der mit Fälschungen gearbeitet habe, habe sein Mandant damals nicht mitbekommen, beteuerte der Anwalt des Angeklagten. Zu der Gerichtsverhandlung war es im Übrigen überhaupt erst gekommen, weil der Mann gegen einen Strafbefehl Widerspruch eingelegt hatte.

 Der Richterin wurde es schließlich, als der Angeklagte auch auf ihre Nachfragen hin bei seiner Geschichte blieb, zu bunt. Christel Dotzauer erklärte in ihrer unnachahmlich trockenen Art, sie sei ja immer für „gute Geschichten“ zu haben, „schlechte hasse ich aber wie die Pest“. Sie riet, mit viel Erfahrung und gesundem Menschenverstand, dem Anwalt, sich noch mal mit seinem Mandanten draußen, während einer Verhandlungspause, zu besprechen, damit der sich eines Besseren besinne.

Rat an Anwalt: Den Mandanten zu einem Geständnis bewegen

Der Angeklagte sei ja nicht vorbestraft. „Sehen Sie, um die beiden Sachen mit dem Anhänger kommt er ja nicht drum herum“, so die Richterin. Den dritten Anklagepunkt allerdings, die Täuscherei mit der Tüv-Plakette für den Pkw, werde sie ohnehin fallenlassen, weil nicht klar sei, ob der Angeklagte zum fraglichen Zeitpunkt überhaupt dessen Halter gewesen war. Beim Strafrahmen habe der Angeklagte außerdem nicht mehr als 60 Tagessätze zu befürchten.

Nach der Pause kam schließlich zwar nicht vom Angeklagten selbst ein Geständnis, er ließ aber durch seinen Anwalt, wenn auch ziemlich gewunden, erklären, er räume die Fälschereien beim Anhänger ein. Nach einer halben Stunde Verhandlung war damit die Kuh vom Eis.

Das Straßmaß:

Richterin Christel Dotzauer fasste in ihrem Urteil die beiden Vorwürfe, für die es im Strafbefehl jeweils 40 Tagessätze gegeben hatte, zu 60 Tagessätzen zusammen und erhöhte dafür deren jeweiligen Beitrag. Der Angeklagte hat damit im Endeffekt, abgesehen vom Pkw-Fall, nicht mehr, aber auch nicht weniger zu berappen, als zunächst gegen ihn verhängt worden war.