Leutenbach

Vier prächtige Bischofskostüme liegen bereit - aber der Nikolaus darf nicht losziehen

leut-nikolaus
Brigitte Schäfer, Ehrenamtskoordinatorin der Katholischen Kirche, Manuela Voith, Leiterin des Amts für Soziales, Senioren und Integration der Stadt sowie Ines und Werner Latowitz vom Tafelladen in Winnenden. © Privat

Noch nie hatte es der Nikolaus so schwer wie in diesem Jahr. Immer durfte er sich persönlich an den leuchtenden Kinderaugen erfreuen, wenn er Geschenke brachte. In diesem Jahr gilt der Alte als Risikoperson und darf den Kindern nicht zu nahe kommen, berichtet Birgid Weller vom Freundeskreis Flüchtlinge. Wie gern hätten die Flüchtlingshelfer den leibhaftigen Nikolaus in die Heime geschickt, so wie in früheren Jahren: da kam er entweder zur Weihnachtsfeier oder persönlich in die Heime und sorgte bei den Bewohnern für Nüsse, Tannenzweige und auch reichlich Lacher. Aber im Jahr 2020? Mit den Flüchtlingen zusammen lachen: längst gestrichen!

Corona in Flüchtlingsheimen: Helfer müssen sich fernhalten

Seit März kamen kaum mehr Helfer in die Heime, viele der Helfer sind Rentner und sollten sich nicht in Gefahr bringen, unter den Flüchtlingen gab es auch Fälle von Corona, so dass man die Heime meiden musste. Schweren Herzens mussten ausgerechnet die Menschen, die für Integration zuständig sind, diesmal über lange Monate für Isolation der Flüchtlinge sorgen. Das taten sie auch pflichtschuldigst gegenüber dem Nikolaus. Vier prächtige Bischofskostüme lagen schon bereit, für vier Nikoläuse in drei Heimen in Winnenden und Leutenbach und in den Flüchtlingswohnungen in der Stadt. Was übrig blieb von vielen wunderschönen Plänen, war: das Packen von gut 200 Tüten für Familien und Einzelpersonen mit Äpfeln und Nüssen, kleinen Süßigkeiten, einem Kärtchen und einem mehrsprachigen Brief. Anstatt dass in den Höfen der Heime Trompetenklänge erklingen dürfen, anstatt dass Kinder den Nikolaus bestaunen dürfen, huschen jetzt Helfer heimlich von Tür zu Tür und legen dort ihre Gaben ab.

Die Nikolausprojektegruppe steckt viel Liebe in die Tüten

„Hoffentlich spüren die Empfänger, dass in den Tüten nicht nur Äpfel und Nüsse stecken, sondern jede Menge Liebe“, schreibt Birgid Weller. Bereits Anfang Oktober begannen die Überlegungen, wie man am Nikolaustag den Flüchtlingen eine Freude machen kann. Der Verein „Freundeskreis Flüchtlinge - Leutenbach & Winnenden“ das Amt für Soziales, Senioren und Integration, Sachgebiet Integration und der Tafelladen taten sich zusammen, es entstand eine „Nikolausgruppe“ aus lauter netten Menschen, in deren Köpfen monatelang Äpfel und Nüsse nur so herumkullerten. Unterstützt wurden sie von Nikolaus’ Bodenpersonal, der evangelischen Kirche in Leutenbach und der katholischen in Winnenden. Weil die Helfer doch wirklich alle brav waren, dürfen sie sich bestimmt vom Nikolaus was wünschen: dass alle bald wieder den Flüchtlingen ganz unmittelbar begegnen und ihnen eine Freude machen können.