Leutenbach

Volksbank-Schließungen im Rems-Murr-Kreis: Sind Bank-Kooperationen die Lösung?

Bankfiliale
In Teilort Leutenbach haben Volksbank und Kreissparkasse noch Filialen, aber in Weiler zum Stein und in Nellmersbach ist die Kreissparkasse ganz raus und die Volksbank hat dort noch Geldautomaten. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Schließung von Bankfilialen oder ihre Umwandlung in SB-Filialen geht weiter. Ein Grund, wohl die Hauptursache, dafür ist, dass immer mehr Bankkunden Onlinebanking nutzen, ihre Bankgeschäfte also digital abwickeln, nicht mehr vor Ort in den Filialen erscheinen und diese deshalb, Stichwort Personalaufwand und Gebäudekosten, für die Banken zunehmend unwirtschaftlich werden. Aber es gibt nach wie vor auch Leute, die kein Onlinebanking „können“ oder es nicht wollen, vor allem Ältere. Es gibt zudem Menschen unter ihnen, die nicht so mobil sind und denen der Hinweis auf eine andere Filiale im nächsten Ort nicht recht weiterhilft.

Eine Möglichkeit ist, diesen „Rückzug der Banken aus der Fläche“ mit dem Erhalt von SB-Filialen beziehungsweise Geldautomaten abzufedern. Wenn nur noch ein Geldautomat im Ort ist, in der Regel also entweder von der Volksbank oder der Kreissparkasse, dann könnten diese dort kooperieren, wie zum Beispiel in Backnang. Dort können Kunden an den Geldautoamten der jeweils anderen Bank Geld abheben, ohne dass sie dafür die üblichen Gebühren bezahlen müssen.

Dieses Modell hat auch die Leutenbacher SPD vorgeschlagen, eben für Leutenbach. genauer gesagt für die Teilorte Weiler zum Stein und Nellmersbach. In allen Teilorten ist nur noch die Volksbank vertreten. Wobei es allerdings nur noch im Teilort Leutenbach eine Filiale von ihr gibt. Die Filialen in Nellmersbach und Weiler zum Stein wurden in SB-Filialen beziehungsweise in ein Beratungscenter mit eingeschränktem Service umgewandelt. Die Kreissparkasse ist nach der Schließung ihrer Filialen in Nellmersbach und Weiler zum Stein nur noch mit einer Filiale im Teilort Leutenbach vertreten.

Orthen: Das würde dazu beitragen, das verbliebene Angebot zu sichern

Der SPD-Ortsvereinvorsitzende und Gemeinderat Pierre Orthen verweist darauf, dass es zumindest Bedarf für einen Geldautomaten in jedem der Teilorte gibt, er wisse aus persönlichen Gesprächen, dass viele Bürger dieses Angebot nutzen würden. Wobei es allerdings, wie gesagt, auch in Nellmersbach und in Weiler nach wie vor die Möglichkeit gibt, Geld am Automaten abzuheben, aber eben nur bei der Volksbank und damit für Kunden der Kreissparkasse mit anfallenden Gebühren.

Eine Kooperation der beiden Banken könne dazu beitragen, das verbliebene Angebot zu sichern, so Orthen, denn schließlich würde so die Nutzerfrequenz erhöht und die Kosten würden dann ja auf beide Banken verteilt, so seine Annahme. Orthen räumt allerdings auf Nachfrage ein, dass er beziehungsweise die SPD die beiden Banken mit dem neuerlichen Vorstoß nicht direkt konfrontiert hat. Man habe bereits vor zwei Jahren, im Zug der Schließungen der Kreissparkasse-Fililalen in Weiler zum Stein und Nellmersbach den Erhalt wenigstens des Geldautomaten gefordert, vergeblich allerdings.

Der Pressesprecher der Volksbank Stuttgart Robert Hägelen macht auf Nachfrage keinen Hehl darauf, dass seiner Bank die Antwort auf den Vorstoß schwerfällt. Denn „wir sind ja mit der Filiale im Teilort Leutenbach und den Geldautomaten in Weiler zum Stein und Nellmersbach gut vertreten und sehen keine Notwendigkeit, etwas zu ändern“. Generell sehe man sich in der Region ohnehin gut aufgestellt. In anderen Worten: Wenn, dann müsse die Initiative zur Kooperation von demjenigen ausgehen, der zumindest in Leutenbach nicht so aufgestellt ist, also von der Kreissparkasse.

Deren Pressesprecherin Kathrin Obergfell betont auf Nachfrage zunächst, dass keine Umwandlung der Geschäftsstelle, also der Filiale, im Teilort Leutenbach geplant sei. Sie verweist darauf, dass das aber geplant sei bei zwölf anderen Filialen, unter anderem in Birkmannsweiler und im Schelmenholz. Was die vorgeschlagene Kooperation zum beiderseitigen kostenlosen Geldabheben am Automaten angehe, so gebe es eine solche an 19 Standorten der Kreissparkasse und an 25 der Volksbank Backnang. Eine solche Kooperation gebe es auch an vier Standorten mit der Volksbank Stuttgart. Die Kreissparkasse Waiblingen stehe Kooperationen dieser Art „grundsätzlich offen gegenüber“.

Klingt also nicht danach, als ob die Kreissparkasse die Initiative ergreift, und die Volksbank sieht offenkundig keinen Grund dafür.

Kiesl: Es ist schwierig zu fordern, den Mitbewerber zu integrieren

Die Gemeinde habe seinerzeit, als sich die Kreissparkasse aus den beiden Teilorten vor zwei Jahren komplett verabschiedet habe, darauf gedrängt, dass wenigstens jeweils ein Geldautomat von ihr vor Ort erhalten bleibt, erinnert Bürgermeister Jürgen Kiesl auf Nachfrage. Die Kreissparkasse sei dazu aber eben nicht bereit gewesen. Immerhin sei ja die Volksbank in den beiden Orten noch vertreten. Wenn aber auch deren Geldautomaten dort zum Abbau anstünden, „dann sähe ich beide Banken in der Pflicht“.

Was den Vorstoß der SPD angehe, halte er es derzeit für schwierig, gegenüber einer Bank (hier also der Volksbank) zu fordern – und damit in den Markt einzugreifen – dass sie ihren Mitbewerber integrieren soll, nachdem der sich entschieden hatte, sich zurückzuziehen. Der einfachste Weg, so Kiesl weiter, wäre aus seiner Sicht, die Kreissparkasse erstatte ihren Kunden in Nellmersbach und Weiler zum Stein die Gebühren, die anfallen, wenn diese an den dortigen Automaten der Volksbank Geld abheben. „Das ist aber eine unternehmerische Entscheidung“, betont der Leutenbacher Bürgermeister.

Die Schließung von Bankfilialen oder ihre Umwandlung in SB-Filialen geht weiter. Ein Grund, wohl die Hauptursache, dafür ist, dass immer mehr Bankkunden Onlinebanking nutzen, ihre Bankgeschäfte also digital abwickeln, nicht mehr vor Ort in den Filialen erscheinen und diese deshalb, Stichwort Personalaufwand und Gebäudekosten, für die Banken zunehmend unwirtschaftlich werden. Aber es gibt nach wie vor auch Leute, die kein Onlinebanking „können“ oder es nicht wollen, vor allem Ältere. Es gibt

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