Leutenbach

Von Blech zu Holz: Der ehemalige Leiter der BMW-Niederlassung in Winnenden sägt jetzt im Ruhestand Kerzenständer und Engel

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Seine „Sachen“, sagt Herzeg selbst, müssen nicht jedem gefallen. Sie finden aber immer mehr Abnehmer, auch dank Internet. © büttner

Von Blech zu Holz. Helmut Herzeg hat die Branche gewechselt, wenn man denn so will und sich traut, eine bekannte bayrische Automarke als Blech zu bezeichnen. Herzeg war lange Jahre Niederlassungsleiter von BMW Mulfinger in Winnenden. Mittlerweile, mit 65, im aktiven Ruhestand, ist er Hobbyschreiner und sägt aber nicht nur für sich.

Nach Winnenden sei er „zwangsversetzt“ worden

Der gelernte Industriekaufmann arbeitete am Anfang bei Kärcher, später bei Elko in Winterbach, und ab Anfang der 80er Jahre bei Mulfinger in Backnang, zunächst als Verkäufer, dann als Niederlassungsleiter, ehe er in gleicher Funktion an seinen Geburts- und Wohnort Winnenden „zwangsversetzt“ wurde, wie er es schmunzelnd nennt. Denn eigentlich wollte er nicht auch noch dort arbeiten, wo ihn schon fast alle kennen. Der Job bedeutete damals selbstverständlich Sechs-Tage-Woche und zwischen 60 und 70 Stunden in der Woche. Keine Zeit für irgendwelche Hobbys also. Zumal er für BMW auch oft auf Lehrgängen war.

2016 ging er in Rente, versuchte, wie er wieder frotzelt, die auf einmal viel freie Zeit zu genießen, „mich zu langweilen, das gelang mir aber schon vorher nie“. Aber: Auf einem Markt im Allgäu entdeckte er geschnitzte Kerzenständer, die ihm sofort gefielen. Er sagte sich, das probiere ich jetzt einfach mal aus. Mit Holz als Werkstoff hatte er bis dahin keinerlei Erfahrung. Er brachte es sich nach und nach selbst bei. Vor allem aber lernte er, dass dieses Material Zeit braucht und man sich die nehmen muss: „Hetzen bringt da gar nichts, sonst wird’s Ausschuss“. Mit Holz zu arbeiten, das sei für ihn fast Entspannungstechnik. Und eigentlich sei es ja einfach: „Man muss wegschneiden und alles, was übrig bleibt, ist dann das, was man will.“ Und Kerzenständer, für die sich Haselnuss und Birke am besten eigneten, seien eh simpel: „Hinten und vorne abschneiden, und dann versuchen, die Kerze draufzukriegen. Irgendwann war die Wohnung voll damit.“

Moderne Engel wolle kein Hund, klassische kämen gut an

Der Bedarf, nicht nur der eigene, war also gedeckt, der nächste logische Schritt war, das Sortiment zu erweitern, mit Kreuzen, Herzen, Krippefiguren. Zunächst war alles zum Verschenken an Freunde und Bekannte gedacht. Wobei er von sich aus und freimütig einräumt: „Das ist Geschmacksache, das gefällt nicht jedem, aber das muss es auch nicht. Das kann und soll jeder für sich entscheiden. Der eine oder andere will es halt.“ Noch eine selbstironische Erkenntnis von ihm: Moderne Engel wolle kein Hund, „klassische Versionen“ dagegen kämen gut an. Denn inzwischen haben seine Werke vor allem über die sozialen Netzwerke weitere Abnehmer gefunden. Seine Lebensgefährtin Tanja Seifert rührt dort für ihn die Werbetrommel. Es gibt sogar Videos von den Sachen, unterlegt mit Musik. Sie hat auch den Raum in Weiler zum Stein beigesteuert, an dem die Hobbykunstwerke entstehen. Dort arbeiteten einst der Großvater und der Vater in einer mechanischen Werkstatt, mit Aufträgen unter anderem von Mahle und AEG.

Der Vater seiner Lebensgefährtin spielte einst beim VfB

Ihr Vater ist in Winnenden vielleicht noch bekannter als ihr Freund. Denn Siegfried Seifert gehörte einst der VfB-Mannschaft an, die 1963 deutscher Amateur-Meister wurde, ehe die Bundesliga startete. Weil es damals noch keine Profis gab, selbst die Elitekicker davon alleine nicht leben konnten, brauchten sie noch einen „anständigen“ Beruf, wie man damals sagte. Siegfried Seifert wechselte später zur TSG Backnang und danach zum damaligen TSV Winnenden, wo er auch Trainer und im Vorstand war.

Aber zurück zu Herzeg. Ist er denn jeden Tag in der Werkstatt? „Ja, wenn ich will, und ich will.“ Doch über seine Rente müsse man sich keine Sorge machen, auch wenn man als Schwabe ja immer meckern müsse. Mit seinen „Sachen“ werde er wohl keine Million scheffeln, brauche es aber auch nicht. Die Sachen gehen also über Internet raus oder ein paar Läden in Stuttgart. Eigentlich sind beziehungsweise wären sie ja wie geschaffen für Weihnachtsmärkte, da sieht es dieses Jahr aber mau aus und außerdem mag er ohnehin nicht sich draußen die Füße verfrieren, bis sich vielleicht jemand erbarmt. Denn die Sachen seien ja nicht „erklärungsbedürftig“. Er muss da also nicht selbst dabei sein. „Die gefallen einem oder eben nicht.“

Anfangs sei’s im Ruhestand katastrophal gewesen

Na ja, seit vier Jahren in Rente, am Anfang sei es für ihn, vorher ständig auf Achse, immer beschäftigt, „katastrophal“ gewesen, sei er auch ständig, wenn er irgendwo auftauchte, auf die Firma angesprochen, sogar daheim dazu angerufen worden: „Ich musste den Leuten erst beibringen, dass das jetzt rum ist.“ Aber mittlerweile habe sich das alles relativiert. Woher bekommt er eigentlich das Holz? Als schwäbisches Cleverle hat er mitbekommen, dass in Baumärkten vieles „liegenbleibt“, weil es niemand will, Krummes, Verbogenes. Mittlerweile bezieht er den Rohstoff auch günstig von einem Händler in Stuttgart.

Von Blech zu Holz. Helmut Herzeg hat die Branche gewechselt, wenn man denn so will und sich traut, eine bekannte bayrische Automarke als Blech zu bezeichnen. Herzeg war lange Jahre Niederlassungsleiter von BMW Mulfinger in Winnenden. Mittlerweile, mit 65, im aktiven Ruhestand, ist er Hobbyschreiner und sägt aber nicht nur für sich.

Nach Winnenden sei er „zwangsversetzt“ worden

Der gelernte Industriekaufmann arbeitete am Anfang bei Kärcher, später bei Elko in Winterbach, und

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