Leutenbach

Weite Anfahrt für den Wochenmarkt: Der sizilianische Standbetreiber kommt mit seinen italienischen Spezialitäten vom Bodensee

Wochenmarkt
Der Sizilianer hat auch eine große Auswahl an Mandelgebäck, eine Spezialität seiner Heimat. © ALEXANDRA PALMIZI

Um 4 Uhr fährt Vittorio Spallino von Hergensweiler bei Lindau los. Sein Transporter ist vollgepackt mit italienischen Spezialitäten. Um kurz nach 6 trifft er in Leutenbach ein, baut anschließend seinen Stand auf dem Löwenplatz auf. Der 63-jährige Sizilianer verkauft dort seit kurzem auf dem Wochenmarkt. Er macht sich bislang nur an einem der beiden Markttage, mittwochs, auf den langen Weg, vom Bodensee zum Buchenbach, könnte man sagen. Am Samstag will er in Bälde auch noch kommen.

Sein Sortiment ist nicht 08/15, er wirbt nicht bloß damit, sondern bietet wirklich Spezialitäten an. Eine große Auswahl an Mandelgebäck aus Sizilien zum Beispiel, Wildschwein-Salami aus dem Piemont, natürlich auch Parma-Schinken, Pepperoncino Piccante aus Kalabrien, Pesto mit Paprika, bei dem „super scharf“ auf der Verpackung steht, Werbung oder Warnung oder beides? Selbstverständlich gibt es auch hochwertiges Olivenöl, eingelegte Oliven und Pecorino, den italienischen Käse aus Schafsmilch, Ravioli mit Steinpilzen, Taglioni, die Bandnudel-Variante aus der Region Emilia Romagna. Aus der Toskana stammen die schwarzen Trüffel. Weiße gäbe es ja auch, aus dem Piemont, die seien aber viel zu teuer, erklärt er: „10 000 Euro das Kilo“. Unerschwinglich also wohl für die Kundschaft des Leutenbacher Wochenmarkts. Zwischen den essbaren Köstlichkeiten stehen auch Weinflaschen. Spallino preist, als er merkt, dass das Auge darauf fällt, sofort vor allem den Nero d’Avola aus seiner Heimat an.

Er verkauft auch in Rommelshausen

Es ist kühl, zugig an diesem Morgen, der Markt ist nicht gerade überlaufen. Warum tut er sich diesen Aufwand an? „Ich muss, wenn ich zu Hause bleibe, verdiene ich nichts.“ Natürlich ist Spallino auch auf Wochenmärkten in der Nähe seines Wohnorts, etwa in Friedrichshafen, Radolfzell, Singen, Gottmadingen. Aber auch in Kernen-Rommelshausen. Er beschickt zudem Krämer- und Jahrmärkte.

Aber jetzt kommen Kunden, er muss das Gespräch unterbrechen, sich um sie kümmern, sofort schneidet er von seiner besten Salami Scheibchen ab zum Probieren. Ob diese überzeugen oder er „bloß“ mit seiner offenen Art bei dem älteren Ehepaar gut ankommt, die ganze Salami geht auf jeden Fall über die Theke. Und er vergisst nicht, höflich, nicht aufdringlich, nachzufragen, ob es noch etwas sein darf.

Seit 15 Jahren verkauft Spallino auf Märkten. Seit 1976 ist er in Deutschland. Er hat hier zunächst als Angestellter im Weinhandel eines Landsmanns gearbeitet. Mit Lebensmitteln hatte er immer zu tun, schon auch in der Heimat Sizilien. Er hat drei Kinder, längst alle erwachsen. Und seine Frau? Na, die ist auch auf Wochenmärkten, an dem Tag, an dem er in Leutenbach ist, steht sie am Stand beim Bahnhof in Karlsruhe.

„Buongiorno“ wünscht eine Kundin, sofort Geplauder auf Italienisch

Eine weitere Kundin. „Buongiorno“ wünscht sie munter, noch ehe er was sagt. Klarer Fall, eine Landsfrau. Sofort beginnt ein angeregtes, aber auch gelassenes Geplauder auf Italienisch. Was macht die Familie, wie geht es den Kindern, der Gattin, dem Ehemann. Nur verkaufen, kaufen, kassieren, gehen, wäre unhöflich, das gehört sich unter Italienern nicht. Spallino macht aber ohnehin einen sehr umgänglichen, ja geselligen Eindruck. Freundlich sein, dazu muss er sich nicht zwingen. Er kommt schnell ins Gespräch mit Kunden – so die es auch wollen, zulassen.

Geld verdient er auf Märkten mit vielen Leuten, aber Corona ...

Ist er denn mit dem Umsatz in Leutenbach überhaupt zufrieden? Es scheint unmöglich, wenn man den Aufwand betrachtet, seinen Einsatz eingerechnet, dass er auf seine Kosten kommt, geschweige denn, dass es sich lohnt. Na ja, eigentlich schon, meint er. Leutenbach sei für ihn, um Unkosten abzudecken, die er auch hätte, wenn er nicht da wäre. Er nimmt das Geld von hier also mit, macht sich dabei über seine eigene Arbeitszeit aber keinen Kopf. Richtig verdienen tue er ohnehin woanders, wo große Märkte mit vielen Leuten seien. Aber Corona hat ihm da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es hagelte Ausfälle, Absagen, der Umsatz ging in den Keller. Nicht umsonst schafft seine Frau in dem Familienbetrieb mit, hat ihren eigenen Stand.

Am Mittwoch sind außer dem italienischen Stand auch noch das Göckelemobil aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd, der Stand der Metzgerei Häfele und der große Obst-, Salat-, Gemüse- und Blumenstand der Familie Bollinger aus dem Kirschenhardthof da. Letzter ist der „Ankerstand“ des Leutenbacher Wochenmarkts, hat, während andere Beschicker immer wieder wechselten, über all die Jahre diesem die Treue gehalten. Häfele kommt seit November nicht mehr auch samstags. Dafür ist nach einer Zeit lang der Stand der Familie Kircher von der Gaststätte Waldeck in Murrhardt-Siebenknie in die Bresche gesprungen.

Dass es Wurst auf dem Wochenmarkt gibt, ist umso wichtiger, seit es keinen eigenen Metzgerladen in Leutenbach mehr gibt. Verabschiedet hat sich das Pizzamobil, aber nicht, weil das Geschäft auf dem Wochenmarkt schlecht lief, sondern weil der Betreiber sehr viele Lieferanfragen hat und denen nachzukommen für ihn vorrangig ist. Leutenbach ist froh um jeden Stand, der kommt, und um jeden, der bleibt. Die Gemeinde erhebt deswegen keine Standgebühren.

Um 4 Uhr fährt Vittorio Spallino von Hergensweiler bei Lindau los. Sein Transporter ist vollgepackt mit italienischen Spezialitäten. Um kurz nach 6 trifft er in Leutenbach ein, baut anschließend seinen Stand auf dem Löwenplatz auf. Der 63-jährige Sizilianer verkauft dort seit kurzem auf dem Wochenmarkt. Er macht sich bislang nur an einem der beiden Markttage, mittwochs, auf den langen Weg, vom Bodensee zum Buchenbach, könnte man sagen. Am Samstag will er in Bälde auch noch

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