Leutenbach

Zoff wegen Gewerbegebiet

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Winnenden will das Gewerbegebiet vergrößern, Leutenbach ist dagegen. © Alexander Roth

Leutenbach/Winnenden. Die Stadt Winnenden will das im Flächennutzungsplan vorgesehene Gewerbegebiet Untere Schray zwischen der Schwaikheimer und der Marbacher Straße vergrößern. Die Gemeinde Leutenbach wird allerdings in der anstehenden Versammlung des Gemeindeverwaltungsverbandes dem Aufstellungsbeschluss für die erforderliche FNP-Änderung nicht zustimmen.

Dass die Leutenbacher Vertreter in der Versammlung mit „Nein“ abstimmen sollen, hat der Gemeinderat auf Empfehlung der Verwaltung beschlossen. Leutenbach lehnt allerdings nicht die Vergrößerung an sich ab. Die Gemeindevertreter befürchten aber, dass es zu Mehrverkehr durch die sich dort ansiedelnden Betriebe kommen und damit sich das bereits bestehende Verkehrsproblem in dem Bereich verstärkt wird.

Es gibt zum einen zur abendlichen Hauptverkehrszeit noch immer Rückstaus an der B-14-Abfahrt Winnenden West/Leutenbach aus Richtung Waiblingen, wobei sich die Lage seit der Verlängerung der Abfahrtsspur auf der B 14 zumindest etwas entspannt hat. Zum andern gibt es nach wie vor Rückstaus morgens zur Hauptverkehrszeit auf der Landesstraße aus Richtung Affalterbach vor dem Kreisverkehr auf Leutenbacher Gemarkung und es gibt ebenfalls Rückstaus auf der Leutenbacher B-14-Zufahrt, der K-1898-Querspange, für den Verkehr von Leutenbach her aus dem Ort heraus. Leutenbach, als durchaus Hauptbetroffener, sagt, bevor dieses Verkehrsproblem nicht wirklich gelöst ist, stimmt es der Winnender Gewerbegebietsvergrößerung nicht zu.

Winnenden: Zusätzlicher Verkehr falle im Vergleich nicht ins Gewicht

Winnenden hält dem entgegen, dass angesichts des insgesamt trotz geplanter Vergrößerung (um rund 3,5 Hektar von bislang rund 1,3 Hektar) doch kleinen Gewerbegebiets der zusätzlich entstehende Verkehr im Verhältnis zum Verkehrsaufkommen, das es dort bereits gibt, vernachlässigbar sei. Zum anderen sei das Verkehrsproblem unabhängig vom Gewerbegebiet doch längst erkannt, als solches anerkannt, auch von Winnenden, auch von Bund, Land und für beide stellvertretend vor allem vom Regierungspräsidium. Es gebe von einem renommierten Verkehrsplaner erarbeitete Lösungsvorschläge mit einer Vorzugsvariante.

Vor allem aber seien die Leutenbacher Bedenken verfrüht. Man stehe erst ganz am Beginn des Flächennutzungsplanänderungsverfahrens. Ob es in puncto Verkehr wegen der Gebietsvergrößerung Handlungsbedarf gebe, könne erst im Zuge des Bebauungsplanverfahrens für das Gebiet festgestellt werden, nämlich erst wenn es für dieses auch ein Nutzungskonzept gibt. Winnenden verweist zudem auf die langen Verfahrensdauern und darauf, dass erst das Gewerbegebiet Schmiede III in Hertmannsweiler an der Reihe sei, dass bis im Gebiet Untere Schray begonnen werde zu bauen, dort aufgesiedelt sein werde. Kurzum: Dieses Problem, wenn es überhaupt eines gebe, stehe erst an, wenn das eigentliche Problem schon längst gelöst sei, schon längst gelöst sein müsse, auch aus Winnender Sicht, so das Versprechen.

In Leutenbach wiederum fehlt es an Glauben daran. Es überwiegt zudem die Skepsis bei der Frage, ob diese Vorzugslösung wirklich funktionieren, das Verkehrsproblem also lösen wird. Die Devise „Kreuzung statt Kreisel“, damit der Verkehr besser fließt, so grob vereinfacht der Vorschlag, sorgte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats für Hohn und Spott, ohne dass die Bürgervertreter die Pläne bislang genau kennen, die Verwaltung allerdings schon.

Kiesl: Städtebaulich habe Leutenbach keine Einwände

Das Zutrauen in den Bund als Straßenbauherr hat außerdem in den vergangenen Jahren insbesondere bei Bürgermeister Jürgen Kiesl gelitten. Er betonte allerdings im Gemeinderat auch, dass die Leutenbacher Bedenken nicht städtebaulicher Art sind. Der Standort sei auch aus Leutenbacher Sicht sehr geeignet für ein Gewerbegebiet. Kiesl wies mehrfach aber auch darauf hin, dass im GVV Winnenden alleine bereits die erforderliche Mehrheit für einen Beschluss zur Erweiterung habe, also gar nicht auf die Zustimmung Schwaikheims und Leutenbachs angewiesen sei.

Der Standort liegt nahe zur B 14 und zur Anschlussstelle, zu einem bereits bestehenden Gewerbegebiet, außerdem so nahe zum Winnender Bahnhof, dass Mitarbeiter der Betriebe, die sich dort ansiedeln, mit der Bahn anreisen und von dort zu Fuß zur Arbeit kommen können, und auch noch einigermaßen fußläufig zur Innenstadt.


Ein "Turbo"-Kreisel und eine Kreuzung

Die Vorzugsvariante sieht einen Umbau des Kreisverkehrs auf Winnender Gemarkung zu einem „Turbo“-Kreisel mit zwei Fahrspuren vor, ähnlich wie beim Kreisel am Bahnviadukt in Endersbach. Eventuell soll vor ihm, auf der Abfahrt von der B 14 aus Richtung Waiblingen, ein „Bypass“ angelegt werden, für die Weiterfahrt nach Winnenden. Damit würden die betreffenden Fahrzeuge erst gar nicht zum Kreisel mehr fahren und damit auch nicht mehr diesen belasten.

Der zweite Kreisel, auf Leutenbacher Seite, soll, so der Vorschlag, durch eine Kreuzung mit Ampeln (T-förmig, die Abfahrt von der B 14 aus Richtung Backnang auf die Landesstraße von Affalterbach beziehungsweise Winnenden her stoßend) ersetzt werden. Die B-14-Zufahrt aus Leutenbach heraus, die K-1898-Querspange, würde nicht mehr dort enden, sondern verschwenkt, nach dem Baugebiet Mühlefeld, zu dem die Straße parallel verläuft, scharf nach rechts wegknicken und damit deutlich weiter nördlich auf die Landesstraße von Affalterbach her (L 1127) einmünden, ebenfalls an einer T-förmigen Kreuzung, die neu angelegt werden müsste und an der auch Ampeln den Verkehr regeln würden. Dort ist ein Bypass vorgesehen für die Autofahrer, die von der B 14 oder von Winnenden her kommen und auf der (neuen) Querspange runter nach Leutenbach wollen.

Die Idee dahinter: Damit würde ein bisheriger stauträchtiger Knotenpunkt entflechtet, der Verkehr, der dort bislang einmündete und sich aufstaute, auseinandergezogen.

Zwar gäbe es für die Ampelregelungen ein festes Programm, das die jeweiligen Rot- und Grünphasen festlegt, aber über Induktionsschleifen in den Fahrspuren, die das tatsächliche Verkehrsaufkommen in Echtzeit erfassen, könnte bei Bedarf auf „heikle“ Situationen unmittelbar mit einer Änderung der Phasen reagiert werden.

Die Prognose des Verkehrsplaners besagt, dass mit alldem die bisherigen Wartezeiten an den Kreisverkehren sich deutlich verringern (oft auf unter 30 Sekunden, immer auf unter 60 Sekunden), ja sogar die leidigen Staus dort zu den Hauptverkehrszeiten sich auflösen würden.

Nun beruhen diese Prognosen auf der Erfassung des Ist-Zustands und Modellhochrechnungen anhand statistischer Erfahrungswerte. Es lässt sich ihnen entgegenhalten, dass man sich schon mal verrechnet hat. Denn bereits dem Bau der beiden Kreisverkehre lagen solche „Berechnungen“ zugrunde. Mittlerweile weiß man, dass diese Lösung des Verkehrsproblems, nämlich zwei Kreisel kurz hintereinander, nicht funktioniert, weil der Verkehr sich nicht gleichmäßig auf die „Äste“ der Kreisverkehre verteilt, sondern der Verkehr von der B-14-Abfahrt aus Richtung Waiblingen und der von der Landesstraße aus Richtung Affalterbach die anderen Verkehre deutlich überlagert. Ein gewisser Argwohn gegenüber neuerlichen „Berechnungen“ ist daher zumindest nicht abwegig.