Leutenbach

Zu viele Schulformen im Land

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Redakteurin Dr. Pia Eckstein (Zeitungsverlag Waiblingen) moderierte die Podiumsdiskussion zur Gemeinschaftsschule mit dem Korber Gemeinschaftsschüler Dominik Horvat, Konrektorin Martina Gaßner (Gemeinschaftsschule Korb), Sabine Elser (Stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende des Bildungszentrums Weissacher Tal), Renate Schmetz (Leiterin des Fachbereichs Bildung und Familie Stadt Ludwigsburg) und Dr. Thorsten Bohl (Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Tübingen). © Ramona Adolf

Leutenbach. Die Stadt Winnenden will die baulichen Veränderungen an der Uhland-Schule verfolgen und mitgestalten, erklärte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth bei einem Forum zur Gemeinschaftsschule. Entgegen der Erwartungen vieler Besucher ging es dabei vor allem um die Schulform und nicht um aktuelle Entwicklungen. Ganz bewusst hatte Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring das Thema „Gemeinschaftsschule im Fokus von Wissenschaft und Praxis“ gewählt, um die Schulform zu stärken. Das Mikrofon ging deshalb erst zum Schluss an den OB.

Video: Hartmut Holzwarth über die Zukunft der Schulen im Raum Winnenden.

Zusammen mit Bürgermeister Norbert Sailer und Schulleiter Andreas Hein sei Holzwarth nach Leutenbach gekommen, „nicht weil uns Schulpolitik ganz allgemein interessiert, sondern weil wir den erfolgreichen Prozess einer erfolgreichen Schulstruktur mit der Gemeinschaftsschule in der Raumschaft Winnenden mitgestalten wollen“, sagte er zwei Tage, nachdem der Gemeinderat das Bürgerbegehren abgelehnt hatte.

Holzwarth wünscht sich rasche Neubesetzung der Schulleiterstelle

„Wir wollen, dass die Gemeinschaftsschule in Leutenbach gut läuft, dass die in Schwaikheim gut wird, und dass unsere Robert-Boehringer-Schule in Winnenden einen guten Weg bei der Zusammenführung geht – das ist unser Ziel.“ Holzwarth wünscht sich rasche Neubesetzung der Schulleiterstelle.

Gleichzeitig sollten Kinder, die bisher an der Boehringer-Schule sind, auch dort als Außenstelle der Uhland-Schule ihren Abschluss machen können, so Holzwarth. Dazu sei es wichtig, dass die Schulleiterstelle in Schwaikheim rasch neu besetzt werde. Winnenden will sich an der Gestaltung in Schwaikheim beteiligen.

Chance früh erkannt und umgesetzt

Denn bei den angestellten Planungen zur Boehringer-Schule habe die Stadt viele Erfahrungen gesammelt. In Leutenbach dagegen ist die Schulumgestaltung weit fortgeschritten, betonte Bürgermeister Jürgen Kiesl. Die Gemeinde habe die Chance früh erkannt und umgesetzt. Das jüngste Beispiel, die neue Schulmensa, diente als Veranstaltungsort. Mehr als 200 Besucher waren da.

„Qualität entscheidet sich im Klassenzimmer und nicht durch eine bestimmte Schulart“, erklärte Professor Thorsten Bohl von der Universität Tübingen. Der allerbeste Unterricht und die allerbesten Methoden seien nichts wert, wenn „die Botschaft bei den Schülern nicht ankommt.“ Die Kunst sei es, Schüler zu motivieren, das wiederum sei die Basis eines Lernprozesses.

Eine neue Dreigliedrigkeit zwischen Gymnasium, Realschule und Gemeinschaftsschule

Genauso wichtig sei es seiner Meinung nach auch, dass man die Kräfte bündle, dass eine Schulart mehrere Bildungsabschlüsse ermögliche. Im Moment entstehe in Baden-Württemberg eine neue Dreigliedrigkeit zwischen Gymnasium, Realschule und Gemeinschaftsschule. Laut Bohl wäre langfristig eine Zusammenführung von Realschule und Gemeinschaftsschule sinnvoll, „um Unruhen im System zu beseitigen“ und sprach sich für die beiden Schulformen Gymnasium und Gemeinschaftsschule aus. Eine Schule brauche aber auch eine bestimmte Größe. „Wenn eine Schule immer an der Zweigliedrigkeit knabbert, ist das keine gute Prognose“, so Pohl wobei viele in Gedanken bei der geringen Schülerzahl der Schwaikheimer Schule waren.

Welche Vorteile letztere Schulform im Alltag mit sich führt, zeigte der Korber Schüler Dominik Horvat bei der Podiumsdiskussion auf, die von ZVW-Redakteurin Pia Eckstein moderiert wurde. Selbstbewusst plauderte der Neuntklässler von seinem Schulalltag. Er fühle sich an der Korber Gemeinschaftsschule gut aufgehoben. Seine Grundschulempfehlung sei nicht so gut gewesen. „Jetzt mache ich den Realschulabschluss und danach schaue ich weiter“, sagte der Neuntklässler mit Stolz in der Stimme.

Gemeinschaftsschule

  • Mittlerweile gibt es 299 Gemeinschaftsschulen im Land Baden-Württemberg. 23 Prozent aller Grundschüler besuchen heute eine Gemeinschaftsschule.