Leutenbach

Zwei Pfarrer, drei Kirchengemeinden:  Nellmersbacher Kirchengemeinderäte halten nichts von einer Fusion und wünschen sich eine behutsame Annäherung  an Leutenbach und Weiler zum Stein

Kirchengemeinde Nellmersbach
Silke Gruber, Magdalene Kellermann und Alexander Schweiker (v.l) © ZVW / Uwe Speiser

Im Juni schrieb Pfarrerin Rosemarie Gimbel-Rueß im Gemeindebrief, dass nach einem Jahr intensiven Auseinandersetzens mit dem Thema der Zug in Richtung Verbundkirchengemeinde fahre, weil dieses Modell am besten der Situation mit drei Kirchengemeinden und nur noch zwei Pfarrern entspreche. Die Gemeinden blieben so rechtlich selbstständig und weiter im Besitz von Gebäuden, Grundstücken und Rücklagen, die drei Kirchengemeinden blieben in den bisherigen Größen bestehen, bildeten aber zusätzlich einen Gesamtkirchengemeinderat, der bei weiterreichenden Entscheidungen das Sagen hätte und auch einen gemeinsamen Haushalt für alle drei Gemeinden beschließen würde.

Beim Gespräch mit Mitgliedern des Nellmersbacher Kirchengemeinderats hört sich das allerdings anders an. So wie sie die drei Kirchengemeinden erlebe, seien die doch sehr unterschiedlich, gibt Magdalene Kellermann, 44, seit 2002 in Nellmersbach wohnend, die Vorsitzende des Gremiums, zu bedenken. Von daher und „auch aus der unterschiedlichen Geschichte heraus“, plädiere sie dafür, zunächst „den ersten Schritt“ zu tun. Noch habe man nicht so viel zusammen gemacht. Es brauche ein behutsames Weiteraufeinanderzuwachsen. Sie empfehle also zunächst eine Gesamtkirchengemeinde mit weiterhin maximaler Selbstständigkeit und nach vier, fünf Jahren den nächsten Schritt. Es gebe in Nellmersbach so viele zu beackernde Themen, „wie soll das mit einem Gesamtkirchengemeinderat funktionieren?“

Alexander Schweiker, 54, seit einem Vierteljahrhundert in Nellmersbach wohnend und neu, seit der Wahl im vergangenen Jahr, im Kirchengemeinderat, räumt ein, dass es angesichts der nur zwei Pfarrer für drei Kirchengemeinden auf jeden Fall nicht so weitergehen könne wie bislang, es eine Veränderung, auch eine „Verschlankung“ brauche: „Aber man muss dabei die Leute mitnehmen.“ Es brauche mehr Zeit, damit die Gemeindeglieder das mittragen. Hinzu komme, dass alle drei Gremien ziemlich neu besetzt seien. Durch Corona sei der Prozess um mindestens ein halbes Jahr gebremst worden. Dass ein Zusammengehen nicht so einfach werde, habe auch eine gemeinsame Sitzung vor der Sommerpause gezeigt. Er sei für ein „organisches Zusammenwachsen", durchaus mit dem weitergehenden Ziel Verbundkirchengemeinde.

Für Silke Gruber sind vor allem bei den Finanzen die Fragen ungeklärt

„Alt“-Kirchengemeinderätin Silke Gruber, 51, die den Prozess, bei dem die Kirchengemeinden vom Oberkirchenrat beraten, begleitet werden, erlebt hat, schließt die größtmögliche Änderung, die Fusion, „komplett“, wie sie sagt, aus: „Alles so zu lassen, wie es ist, aber auch.“ Anfangs habe sie einen Verbund gutgefunden, aber als es in den Sitzungen um die Finanzen ging, sei es schwierig geworden, seien nicht alle Fragen beantwortet worden. Von daher sei sie mittlerweile auch für eine Gesamtkirchengemeinde. Sie gibt zu bedenken, dass alle amtierenden Kirchengemeinderäte gewählt worden seien, damit also ein Mandat erhalten hätten. Mit „Gemeinsamkeiten“ zwischen den drei Kirchengemeinden habe sie kein Problem, „es gibt ja auch keine Gegensätze“. Sie betont  die Schwierigkeit aus ihrer Sicht, wenn ein Gremium Entscheidungen für die Probleme aller drei Kirchengemeinden treffen sollte. „Das sehe ich genauso, die Probleme werden ja dadurch nicht weniger, die Argumente nicht schlagkräftiger“, stimmt Schweiker zu. Silke Gruber verweist darauf, dass es in Nellmersbach kein Problem gegeben habe, genügend Kandidaten für die Kirchengemeinderatswahl zusammenzubekommen.

Eine Sorge aller drei, die bei der Strukturdebatte aus ihrer Sicht eine wichtige Rolle spielt: dass künftig sonntags nicht mehr in allen drei Orten Gottesdienste stattfinden würden. Den Beispielen, die Dekan Hertneck pro Verbundgemeinde anführt, dass damit die Pfarrer sich weniger um Verwaltung kümmern müssten und so mehr Zeit und Energie für pastorale Arbeit hätten, hält Magdalene Kellermann entgegen, dass dies in Nellmersbach ohnehin nicht zutreffe, auch weil vieles traditionell gar nicht vom Pfarrer geleistet werde, sondern von Ehrenamtlichen. Es sei doch klar, dass mit dem „übergestülpten“ Pfarrplan die beiden Pfarrer dafür gar keine Zeit mehr haben, stimmt Silke Gruber zu.

Apropos Pfarrer: Dass es Probleme mit der Stellenbesetzung gebe, stimme, aber das sei nicht nur hier der Fall, da sei bei der rechtzeitigen Ausbildung von Pfarrern regelrecht geschlafen worden, kritisiert Magdalene Kellermann. Auch dem Argument, dass ein stärkeres Zusammengehen die Position nach außen stärken würde, kann das Trio nichts abgewinnen. Stärkere Position gegenüber wem, etwa dem Oberkirchenrat? Da seien Zweifel angebracht. Und bei welchem Thema, so ein weiteres Contra. Beim größten Problem, den Pfarrstellen, sei doch schon „oben“ entschieden worden. Und für die neue Diakonstelle habe es trotz gemeinsamen Auftretens der Kirchengemeinde drei, vier Anläufe gebraucht.

Alexander Schweiker: Die Stellenbesetzung steht über allem

Über allem stehe die Besetzung der vakanten Pfarrstelle, betont Schweiker. Da sei sicher nicht hilfreich, dass man derzeit in einer Strukturdebatte stecke. In Gesprächen mit einigen Pfarrern sei ihr aber auch gesagt worden „Toll, dass man bei euch mitgestalten kann“, so Magdalene Kellermann, „man kann deshalb auch nicht sagen, dass, wenn wir jetzt einen Verbund hätten, es für die Bewerber einfacher wäre. Es gibt ja auch welche, die möglichst viel anpacken können möchten.“ Es müsse auch für den Dekan das Wichtigste sein, dass die Stelle möglichst bald wieder besetzt wird, betonen Silke Gruber und Schweiker, weil die Situation für Pfarrerin Blatt nicht mehr lange so andauern könne.

Im Juni schrieb Pfarrerin Rosemarie Gimbel-Rueß im Gemeindebrief, dass nach einem Jahr intensiven Auseinandersetzens mit dem Thema der Zug in Richtung Verbundkirchengemeinde fahre, weil dieses Modell am besten der Situation mit drei Kirchengemeinden und nur noch zwei Pfarrern entspreche. Die Gemeinden blieben so rechtlich selbstständig und weiter im Besitz von Gebäuden, Grundstücken und Rücklagen, die drei Kirchengemeinden blieben in den bisherigen Größen bestehen, bildeten aber zusätzlich

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