Plüderhausen

200 000 Bienen für Plüderhausen: Wie sich die Firma Etiket Schiller für Nachhaltigkeit engagiert

Patenschaft Bienenvölker
Imker Thomas Deckert kümmert sich um die Bienenvölker bei der Firma Etiket Schiller. © Benjamin Büttner

Mitten im Plüderhäuser Industriegebiet haben vier Bienenvölker ein neues Zuhause gefunden. Auf der Wiese hinter der Fabrik von Etiket Schiller am Ortsrand nahe der Rems haben sie nun ihr Domizil. Im Rahmen einer kleinen Feier wurden die Insekten jüngst von Susanne Daiber begrüßt. „Wir wollen damit einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz leisten“, sagt die Geschäftsführerin. Man freue sich auch auf den Honig, den die Firma später an Kunden und Mitarbeiter verteilen möchte.

Das 35 Mitarbeiter zählende Familienunternehmen will sich aber nicht nur gemeinsam mit Imker Thomas Deckert aus Erdmannshausen um die Bienen kümmern. „Wir wollen auch Kindergärten und Grundschulen dazu einladen, um ein Verständnis für die Wichtigkeit der Bienen zu wecken“, so Geschäftsführerin Daiber.

Honig, der später verschenkt werden kann, ist bislang aber noch nicht angefallen, sagt Thomas Deckert. „Wir kämpfen gerade darum, dass sie überleben“, berichtet der Imker. „Das, was sie sammeln, brauchen sie gerade für ihre Brut.“ Die Honigräume, aus denen später einmal Blütenhonig entnommen werden soll, hätten die Bienen noch nicht angenommen. Hauptgrund dafür ist vor allem das regnerische Wetter, bei dem die Bienen kaum Nektar und Pollen sammeln können.

Azubis und ein Imker aus der Region betreuen die Völker

Der Imker aus Erdmannshausen hat die Verantwortung für die vier Völker übernommen – und wird alle ein bis zwei Wochen nach dem Rechten sehen. Also den Zustand der Völker überprüfen, die Brut- und Honigräume kontrollieren – und die Gesundheit der Königin im Blick behalten.

Aber auch die Firma selbst beteiligt sich im Rahmen eines Ausbildungsprojektes an der Pflege der Insekten. Im Vorfeld haben fünf Azubis die bunten Bienenkästen bemalt, eine Blütenbiese eingesät und auch beim Umzug der Bienen mitgeholfen. Die Samen für die Blumenwiese, die die Auszubildenden von Etiket Schiller auf dem Betriebsgelände ausgesät haben, sind eine Spende der Waiblinger Firma Aeroxon Insect Control. Außerdem plant die Firma auch einen kleinen Stand am Wander- und Fahrradweg als weiteres Azubiprojekt. Interessierte können sich dort dann über das Projekt und die Bedeutung von Bienen in der Natur informieren – und wenn genug davon anfällt, auch Plüderhäuser Honig erwerben.

Die vier Bienenvölker sollen nun die nahe gelegenen Wiesen und Bäume bestäuben und somit das Ökosystem vor Ort bereichern. Thomas Deckert hält den Standort im Industriegebiet für „sehr schön“, denn zum einen ist die Rems gleich in der Nähe. „Dort können sie sich mit Wasser versorgen, und wir können uns das elegant einsparen.“ Bienen haben nämlich auch Durst. Außerdem ist die Umgebung sehr gemischt, es gibt neben dem Fluss viele Wiesen, Hecken, Büschen, Streuobstwiesen sowie Blühwiesen – und nur wenig strukturierte Landwirtschaft. „Das lieben die Bienen.“

Und die haben es, Stichwort Insektensterben, ja gerade nicht so leicht. Schuld an dem „Sterben auf breiter Front“ sei unter anderem der Klimawandel. Laut einer Studie von Krefelder Insektenkundlern aus dem Jahr 2017 ist die Biomasse aller fliegenden Insekten in weiten Teilen Deutschlands innerhalb der letzten 30 Jahre um rund drei Viertel zurückgegangen. „Wir müssen imkerlich einiges tun, damit die Honigbiene überleben kann“, sagt deshalb Deckert.

Firma hat sich seit fünf Jahren der Nachhaltigkeit verschrieben

Jedes Volk mit seinen rund 50 000 Bienen benötigt am Tag rund zwei bis drei Kilo Honig, um zu überleben. Das entspricht in etwa dem Nektar, den eine große Linde produziert. Von Mitte Januar bis vor drei Wochen hat der Imker noch zufüttern müssen. Dennoch ist Thomas Deckert optimistisch, dass im Winter aus den vier Völkern fünf werden. Das ist zumindest das Ziel des Imkers: ein Volk auszuzüchten. Auch, um einen Ersatz zu haben, sollte es etwa zu einem Befall mit Varoamilben kommen.

Für Etiket Schiller sind die vier Bienenvölker Teil einer bereits 2016 begonnenen Ausrichtung der Firma in Richtung Nachhaltigkeit. In Plüderhausen setzt man auf umweltfreundliche Materialien wie Graspapier, das in der Herstellung 99 Prozent weniger Wasser als herkömmliches Papier benötigt. Und achtet auf eine nachhaltige Lieferkette vom Einkauf bis zur Entsorgung, etwa mit Etiketten aus biologisch abbaubarer und kompostierbarer Folie.

Etiket Schiller war schon häufiger sozial aktiv

Auch Bürgermeister Andreas Schaffer lobt die Initiative als „ganz tolles Projekt im Sinne der Nachhaltigkeit und des Gemeinsinns“, zumal es in Plüderhausen kaum mehr Imker gebe. Das Angebot an die Schulen und Kindergärten nehme er gerne an. Schaffer betonte, dass die seit 33 Jahren in Plüderhausen ansässige Firma immer wieder mit Aktionen für die Gemeinschaft wie Konzerten, Ausstellungen oder dem Engagement für die Bürgerstiftung in Erscheinung getreten sei. Mit Blick auf die Bienen sagte er: „Ich hoffe, dass es jetzt auch richtig Ertrag gibt.“

Mitten im Plüderhäuser Industriegebiet haben vier Bienenvölker ein neues Zuhause gefunden. Auf der Wiese hinter der Fabrik von Etiket Schiller am Ortsrand nahe der Rems haben sie nun ihr Domizil. Im Rahmen einer kleinen Feier wurden die Insekten jüngst von Susanne Daiber begrüßt. „Wir wollen damit einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz leisten“, sagt die Geschäftsführerin. Man freue sich auch auf den Honig, den die Firma später an Kunden und Mitarbeiter verteilen möchte.

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