Plüderhausen

92 Wohnungen statt Industrieareal an der Rems: Was in Plüderhausen geplant ist

Firma Bischoff
So sieht das Areal im Moment aus. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Gemeinde Plüderhausen wird in den kommenden Jahren wachsen. Nicht nur am westlichen Rand ist mit Hohrain/Gländ ein großes neues Wohnquartier geplant. Auch im Süden der Gemeinde, auf dem Areal der früheren Firma Bischoff, soll ein neues Wohngebiet entstehen.

Das Areal des einstmals bedeutenden Automobilzulieferers Erhard Bischoff in der Birkenallee liegt seit den neunziger Jahren brach. Schon vor zwei Jahren hat sich der Gemeinderat damit befasst, von der ursprünglichen Planung wurde aber wieder abgerückt. Jetzt hat das Gremium die geänderten Pläne der beiden Projektpartner (Kreisbau und Schatz) vorgelegt bekommen.

Und diese sind schon recht weit fortgeschritten. Schließlich sollen möglichst bald die beiden vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahren gestartet werden. In ihren Präsentationen machten die Projektpartner deutlich, welche Vorstellungen sie für das neue Quartier, das sich im Mischgebiet zwischen Industriebetrieben und Wohnbebauung befindet, haben.

Eine Mischung aus gefördertem Wohnbau und Eigentumswohnungen

Architekt Markus Gräter vom Büro Baldauf stellte den aktuellen Stand für die Kreisbaugruppe vor. Geplant sind in der Birkenallee 47 Zwei- bis Vierzimmer-Wohnungen mit einer Große zwischen 60 und 90 Quadratmetern. Zwei Gebäude sollen vier Geschosse bekommen, die drei weiteren Gebäude jeweils drei Geschosse sowie ein Dachgeschoss.

Wie das Lärmproblem gelöst werden soll

Die besondere Herausforderung für die fünf geplanten Flachdachgebäude liegt hier im Schallschutz. Denn in unmittelbarer Nähe befinden sich Industriebetriebe. Im Mischgebiet gelten zwar nicht so strenge Grenzwerte wie im reinen Wohngebiet, doch das neue Quartier soll auch nicht die Arbeit von Gewerbetreibenden einschränken. Mit speziellen Schallschutzfenstern auf der Nordostseite könnte das Problem nun gelöst werden. Die betroffenen Wohnungen sollten vor den Fenstern Elemente bekommen, die das Lüften ermöglichen, den Schall aber trotzdem fernhalten „Für uns war es wichtig, die Schallschutzthematik in den Griff zu bekommen, ohne die Gewerbetreibenden einschränken zu müssen“, betonte Kreisbau-Geschäftsführer Steffen Krahn.

Für die Gebäude soll es ein zentrales Energiekonzept geben. Auf den Flachdächern sind Photovoltaikanlagen geplant, außerdem eine Tiefgarage unter dem Quartier und ein Spielplatz im Hof. Entstehen soll eine Mischung aus gefördertem, frei finanziertem und Mietwohnungsbau, so Steffen Krahn, der zu diesem Zeitpunkt der Projektplanung indes noch keine genauen Zahlen dazu nennen konnte.

Lob und Kritik für das Vorhaben

Im Gremium wurden die Pläne grundsätzlich wohlwollend kommentiert. „Der Mix ist gut“, meinte etwa CDU-Rat Andreas Theinert, der die Schallschutzlösung lobte und anregte, für das Energiekonzept mit der Bürgerenergiegenossenschaft den Kontakt zu suchen. Marcel Schindler (SPD) sagte: „Schön, dass wir sozialen Wohnungsbau in Plüderhausen auch hinkriegen, wir können nicht immer nur Einfamilienhäuser bauen“.

Kritische Nachfragen gab es indes (wegen der Nähe zur Rems) zum Thema Hochwasserschutz. Ulrich Scheurer (CDU) meinte mit Blick auf die Katastrophe im Ahrtal, es sei „wichtig, hier eine klare Ansage zu machen“. In der Planung wird dies entsprechend berücksichtigt. Silvan Vollmar (FW-FD) störte sich zudem an der Viergeschossigkeit und der Gebäudehöhe von knapp 13 Metern, auch wenn er die Aufenthaltsqualität des Areals grundsätzlich gut fand.

45 Eigentumswohnungen, barrierefrei und für mehrere Generationen gedacht

Nebenan plant die Schatz-Gruppe den Bau von sechs drei- und vierstöckigen Gebäuden mit 45 Eigentumswohnungen von einer Größe zwischen 61 und 128 Quadratmetern, wie Geschäftsführer Michael Rieger erläuterte hier den aktuellen Projektstand. Geplant ist ein barrierefreies Quartier für mehrere Generationen. „Es soll ein Miteinander werden, wo sich Jung und Alt treffen“, so Rieger. Mit ausreichend Fahrrad- und Pkw-Tiefgaragen-Stellplätzen, vorgerüstet für E-Ladestationen, einer Grünfläche mit zentralem Platz, einem Spielplatz und einer extensiven Dachbegrünung mit Photovoltaik. Beheizt werden sollen die Gebäude mit einer Luft-Wasser-Wärme-Pumpe. Schallschutz ist für diesen Teil des Bischoff-Areals laut der Einschätzung von Experten kein Problem.

Auch dieses Bauvorhaben stieß im Gremium auf grundsätzliches Wohlwollen. Erich Wägner (GLU) sprach von einem „mutigen Entwurf“. Und Claudia Jensen (FW-FD) sagte, dass sie sich grundsätzlich auf das Projekt freue, „weil die breite Bevölkerung bedacht wird“. Ihr Fraktionskollege Silvan Vollmar lobte das autofrei geplante Areal, wünschte sich indes auch hier noch eine etwas geringere Gebäudehöhe.

Würde Plüderhausen von dem Quartier profitieren?

In der Diskussion kam noch die Frage auf, wie viel Fläche durch die neuen Quartiere versiegelt würde. „Das wird nachher eher besser sein, jetzt haben wir Flachdächer, die nichts zurückhalten“, sagte Bauamtsleiter Ludwig Kern. Außerdem wurde in der Sitzung nach den Folgekosten für Schulen und Kindergärten gefragt. Bürgermeister Benjamin Treiber betonte, das Quartier sei in der Kitakonzeption berücksichtigt worden. Im Westen von Plüderhausen soll eine neue Einrichtung gebaut werden. Konkrete Pläne dazu gibt es bislang aber nicht.

Zu den insgesamt 92 Wohnungen, die auf dem Bischoff-Areal geplant sind, sagte Treiber: „Das Quartier wird eher positiv oder zumindest neutral in der Wirtschaftlichkeit sein“, denn das Verhältnis von Einwohnern und Infrastruktur sei hier ziemlich gut.

Anfang 2023 soll es eine öffentliche Informationsveranstaltung zu dem Vorhaben in der Staufenhalle geben. Im Anschluss soll das Bebauungsplanverfahren starten. Ziel ist es, dieses bis zur Sommerpause abzuschließen. Weitere Infos zu dem Vorhaben gibt es auf der Gemeindehomepage www.pluederhausen.de.

Die Gemeinde Plüderhausen wird in den kommenden Jahren wachsen. Nicht nur am westlichen Rand ist mit Hohrain/Gländ ein großes neues Wohnquartier geplant. Auch im Süden der Gemeinde, auf dem Areal der früheren Firma Bischoff, soll ein neues Wohngebiet entstehen.

Das Areal des einstmals bedeutenden Automobilzulieferers Erhard Bischoff in der Birkenallee liegt seit den neunziger Jahren brach. Schon vor zwei Jahren hat sich der Gemeinderat damit befasst, von der ursprünglichen Planung

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper