Plüderhausen

Abwürfe von Kalk per Hubschrauber bei Plüderhausen: Wie das dem Wald helfen soll

Bodenschutzkalkung
So sieht es aus, wenn der Hubschrauber das Kalk-Gemisch über den Baumwipfeln verteilt. © Alexandra Palmizi

Es staubt derzeit über dem Wald zwischen Lorch und Plüderhausen. Dafür ist nicht nur die anhaltende Trockenheit verantwortlich, sondern die Kalkungsmaßnahmen für den Bodenschutz, die der Landesbetrieb Forst BW per Hubschrauber durchführen lässt. In rund 60 Metern Höhe schütten diese bis zu eine Tonne Kalk-Gemisch pro Runde über den Baumwipfeln aus und sind dabei so präzise, dass laut dem Verantwortlichen Paul Buchner von der Firma Meravo metergenau die Bereiche des Waldbodens getroffen werden, die getroffen werden sollen. Die Kalkungsaktionen sollen die Versauerung des Bodens ausgleichen, die durch Industrie- oder Autoabgase verursacht wurden, erklärt Nora Walbrun von Forst BW.

Sie steht an diesem Mittwoch auf dem Waldweg am Platz des Vereins der Hundefreunde Lorch, oberhalb vom Stadtteil Weitmars. Dort liegt am Waldrand ein Lagerplatz für das verwendete Gemisch aus Dolomitkalk, Holzasche und Wasser. Ein Radlader lädt die staubige Masse auf, während der Hubschrauber noch kreist. Maximal eineinhalb Minuten ist dieser unterwegs zwischen den Ladeanflügen, sagt Paul Buchner. Dann geht er am Lagerplatz tiefer und stellt punktgenau den großen Metallbottich ab, der an 22 Meter langen Seilen unten an der Maschine hängt. Der Radlader kippt das Kalk-Gemisch rein und schon hebt der Heli wieder ab. Das Nachfüllen dauert gerade mal zehn Sekunden.

Die Prozedur wiederholt sich so lange, bis der Haufen des Kalk-Gemischs abgetragen ist. Dann ziehen Radlader und Hubschrauber weiter zum nächsten Lagerplatz und das nächste Waldgebiet ist dran.

1781 Tonnen Kalk innerhalb von zwei Wochen

Zwei Wochen soll die Maßnahme von Forst BW zwischen Lorch und Plüderhausen dauern. Drei Tonnen Kalk-Gemisch pro Hektar Wald wirft der Hubschrauber hier ab, insgesamt 1781 Tonnen. Es ist eine aufwendige, teure Aktion. Ein Stunde Helikopter-Flug koste 1400 Euro, sagt Nora Walbrun. Aber die Maßnahme ist lebenswichtig und derzeit alternativlos – nicht nur für den Wald.

Der Kalk und die Holzasche sollen den pH-Wert des übersäuerten Bodens heben und neue Nährstoffe wie Phosphor, Magnesium und Kalium einbringen. Diese brauchen die Mikroorganismen, die Kleinstlebewesen in der Erde.

Forst BW spricht von einer „Säurealtlast“ aus den 70er und 80er Jahren, also aus Zeiten ohne Luftreinhaltemaßnahmen wie Katalysatoren. Stickoxide und Sulfat gelangten über den sogenannten „sauren Regen“ in die Erde. Dort hat die Übersäuerung ganz verschiedene Folgen. Bodenlebewesen, die in vielerlei Hinsicht eine wichtige Funktion im Ökosystem einnehmen, haben schlechtere Lebensbedingungen. Nährstoffe werden ausgewaschen. Forscher gehen davon aus, dass Bäume in sauren Böden flacher wurzeln – was angesichts des Klimawandels und anhaltender Trockenheit doppelt problematisch ist. Außerdem werden zum Beispiel Schwermetalle wie Cadmium, Blei und Aluminium, die eigentlich im Boden gebunden wären, frei und gelangen, wenn der Prozess nicht gestoppt wird, irgendwann auch ins Grundwasser.

Bundesweite Erhebungen haben laut Forst BW gezeigt, dass das Ausbringen von Kalk die versauerten Waldböden verbessert. Diese würden sich zwar auch auf natürliche Weise irgendwann regenerieren, meint Nora Walbrun. Aber das nehme viel Zeit in Anspruch – die der Wald nicht hat.

"Spezielle Herausforderung" für die Piloten

Für einen erfahrenen Piloten seien die Flüge zum Kalkabwurf zwar Routine, sagt Paul Buchner von der Firma Meravo. Aber nichtsdestotrotz sei der Einsatz schon auch „eine spezielle Herausforderung“, man fliege „immer im Grenzbereich“. Man müsse zugleich effizient arbeiten, damit die Sache wirtschaftlich bleibe, aber auch die Sicherheit beachten. Die Piloten müssen immer wieder in kurzer Zeit Entscheidungen treffen und dabei viele Faktoren mitbedenken: Sonnenstand, Windrichtung, Topografie, Flächen, die nicht gekalkt werden dürfen wie Quellen oder Naturschutzgebiete.

Die Waldgebiete, über denen der Helikopter die Kalkladungen auskippt, sind in dieser Zeit gesperrt. An den Waldwegen hängen Infoschilder und Absperrbänder. Zwar ist das abgeworfene Gemisch nicht giftig. Gefährlich kann es werden, wenn größere Kalkbrocken dabei sind. Bis 9. September soll die Maßnahme zwischen Lorch und Plüderhausen dauern.

Im September und Oktober laufen dann laut Pressemitteilung des Rems-Murr-Kreises weitere Kalkungsaktionen im Stadtwald Fellbach (ganzer Wald), den Gemeindewäldern von Kernen (ganzer Wald) und Alfdorf sowie in einigen Privatwäldern auf Gemarkung Alfdorf (westlich des Schölleshofs und Waldflächen rund um den Maierhof/Haselbach).

Es staubt derzeit über dem Wald zwischen Lorch und Plüderhausen. Dafür ist nicht nur die anhaltende Trockenheit verantwortlich, sondern die Kalkungsmaßnahmen für den Bodenschutz, die der Landesbetrieb Forst BW per Hubschrauber durchführen lässt. In rund 60 Metern Höhe schütten diese bis zu eine Tonne Kalk-Gemisch pro Runde über den Baumwipfeln aus und sind dabei so präzise, dass laut dem Verantwortlichen Paul Buchner von der Firma Meravo metergenau die Bereiche des Waldbodens getroffen

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