Plüderhausen

Bürgerinitiativen lehnen Windräder weiter ab

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Im November 2015 hat die Bürgerinitiative Windrad und Natur Plüderhausen zu einer Sternwanderung auf den Hohberg eingeladen. Mit dieser Aktion wollte die Bürgerinitiative zeigen, welcher Eingriff für den Bau von Windrädern auf dem Hohberg nötig ist. © Schneider / ZVW / Archiv

Plüderhausen. Die Ankündigung der EnBW, auch das Windvorranggebiet bei Plüderhausen zu prüfen und gegebenenfalls zu reaktivieren, schlägt Wellen. Das Unternehmen sagt klar, dass die Fläche artenschutzrechtlich konfliktreich und daher wahrscheinlich nicht genehmigungsfähig ist. Gleichwohl: Die Bürgerinitiativen sind alarmiert und lehnen mögliche Windräder am Standort Hohbergkopf-Eichenzell weiterhin ab.

Die EnBW will das Windkraft-Vorranggebiet bei Plüderhausen prüfen und gegebenenfalls reaktivieren (wir haben berichtet). Die Firma WEBW, die vor der EnBW an dem Standort geplant hatte, hatte die Fläche nicht weiterverfolgt (wie berichtet). Die Nutzungsrechte für die Windkraft-Standorte oberhalb von Urbach und Plüderhausen haben unlängst den Besitzer gewechselt. Die EnBW hat die Vorranggebiete Häule nahe Urbach sowie Hohbergkopf-Eichenzell von der WEBW übernommen. Man werde sich die Fläche noch mal anschauen, sagte eine EnBW-Pressemitarbeiterin zum Vorranggebiet bei Plüderhausen, und werde auch die Gutachten nochmals prüfen. Falls man zu demselben Resultat komme wie die WEBW, werde man das Vorhaben nicht weiter verfolgen.

"Konkret ist bis jetzt nichts geplant"

Dennoch: Dass die EnBW die Windkraft-Vorrangfläche am Standort Hohbergkopf-Eichenzell prüfen will, sorgt für Besorgnis. „Verstehen kann ich das überhaupt nicht“, sagt Gerda Rost, Ortswartin von Walkersbach, und verweist darauf, dass die WEBW aus mehreren Gründen die Windräder nicht umgesetzt habe. Die Abstände zur Wohnbebauung, der Schallschutz und der Artenschutz seien für Walkersbach wichtig. Doch Gerda Rost ergänzt auch: „Wir müssen aber davon reden, dass das noch gar nicht so weit ist. Konkret ist ja bis jetzt nichts geplant.“ Dennoch, Baden-Württemberg sei ein windschwaches Gebiet. „Warum man das nun mit aller Gewalt verzwingen will, das weiß ich auch nicht.“ Kämen Windräder nahe Walkersbach, „wäre der Widerstand schon groß“. Einem möglichen Bau von Windrädern nahe dem Plüderhäuser Teilort könnte die Ortswartin nichts abgewinnen. „Es wäre wirklich eine Verschandelung der ganzen Landschaft. In so ein waldreiches Gebiet gehören einfach keine Windräder.“

Zweifel am Windmessverfahren

Wie ist die Stimmung in Walkersbach? „Sie ist natürlich jetzt wieder sehr gedrückt“, sagt Lothar Bach von der Bürgerinitiative Plüderhausen-Walkersbach. „Man traut der Sache nicht.“ Die WEBW sei interessiert gewesen, Windräder zu bauen, und habe festgestellt, das sei nicht mehr wirtschaftlich. „Das leuchtet ein“, findet Lothar Bach. Die Frage der Zufahrtswege sei nicht ohne. Erstaunlich sei: „Wo kriegt die EnBW das Geld her?“ Zweifel äußert Bach zudem am Windmessverfahren und hinterfragt die Zählmethode für die Rotmilane. Die EnBW müsse auch Gutachten nicht offenlegen, sagt Bach und spricht von „Vertuschung“. Er erwarte zudem, dass auch die Windmessungen veröffentlicht werden und das ganze Jahr über gemessen werde, so Bach.

Häussermann sieht „sehr viele Probleme, aber keinen Nutzen“

Dr. Thomas Häussermann von der Plüderhäuser Bürgerinitiative „Windrad und Natur“ äußert sich ebenfalls zu den Plänen der EnBW, die Vorrangfläche Hohbergkopf-Eichenzell zu prüfen. „Es ist weiterhin so, dass eine Erschließung des Ganzen ein großer Eingriff in Natur und Landschaft wäre.“ Windräder hier würden das Remstal dominieren und wären wirtschaftlich sehr fraglich, argumentiert Dr. Häussermann. „Wir sehen uns inzwischen fast als einsame Kämpfer für unsere Wälder rund um das Remstal.“ Man brauche die Wälder für Erholung und Natur. Würden die Hänge zu sehr abgewaldet, so fürchtet Häussermann zudem, könnten sie instabil werden. Der Urbacher Erdrutsch, „das könnte beim Hohberg genauso passieren“.

Insgesamt sieht Häussermann für ein mögliches Windkraft-Vorhaben im Gebiet „sehr viele Probleme, aber keinen Nutzen“. Häussermann führt die Windschwäche der Region an und die Wirtschaftlichkeit, die letztlich der Investor beurteile. Um auf den Hohberg zu kommen, müsse man kilometerlange Straßen durch den Wald bauen. „Es ist solch ein Eingriff in Landschaft und Natur, das ist in jeder Hinsicht unangemessen“, so Häussermann. Er sei sich sicher, dass die EnBW gedrängt werde, Standorte zu übernehmen, von denen sich andere zurückgezogen hatten, so der Aktivist der Bürgerinitiative. Für das Vorranggebiet Hohbergkopf-Eichenzell zieht Häussermann für die Bürgerinitiative das Fazit: „Wir müssen halt weiterkämpfen.“

Bisher noch keine Antworten von der EnBW

Das Offenlegen von Gutachten, Zählmethoden, Windmessverfahren, Erdrutschgefahr: Unsere Zeitung hat zum Windkraft-Vorranggebiet bei Plüderhausen einige Fragen an die EnBW gerichtet. Die Antworten lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor.


„Bisher sind gar keine Bäume gefällt worden“

„Am Hohbergkopf wurden schon Tatsachen geschaffen“, sagt Lothar Bach von der Bürgerinitiative Plüderhausen-Walkersbach. „Gesunde Bäume wurden bereits gefällt“, so Bach. Er gehe davon aus, dass dies geschehen sei, um den Bau von Windrädern vorzubereiten. Unsere Zeitung hat im Forstamt des Landkreises nachgefragt. „Diese Vermutung stimmt nicht“, sagt dessen Leiter Martin Röhrs. Es gibt dort eine einfache, halboffene Hütte, an der ein Wanderweg und eine Mountainbike-Strecke vorbeiführen. „Die Hütte war sehr stark eingewachsen“, weiß Röhrs. Sie sollte instand gesetzt werden. „Dem wollen wir auch nachkommen.“ Zunächst wurden Gebüsch und Sträucher entfernt, um den Zugang zu verbessern. Bei einem Planungsbegang im Sommer haben er und der Revierförster die Hütte angeschaut und deren Instandsetzung beschlossen, berichtet Martin Röhrs. Man wolle nach Süden hin einige Bäume entfernen, damit mehr Licht an die Hütte fällt, so der Forstamtsleiter. „Bisher sind gar keine Bäume gefällt worden.“ Der Revierförster habe die Bäume markiert. Es gehe dabei auch nicht um finanzielle Erwägungen. „Es sind geringwertige Bäume. Die Erholungsnutzung steht über der ökonomischen Nutzung.“