Plüderhausen

Badeverbot für Plüderhäuser See: Viele gehen trotz Blaualgen-Gefahr ins Wasser

Badeseeplue
Trotz des Badeverbots am Plüderhäuser See sind am Wochenende viele Besucher ins Wasser gegangen. © Gaby Schneider

Gefahr für Leib und Leben durch stark erhöhte Cyanobakterien wegen Blaualgen im Plüderhäuser Badesee? Deshalb gar ein Badeverbot? Ach was! „Da ist noch nicht ein toter Fisch im See!“, wettert diesen Sonntagmorgen etwa eine Mittfünzigerin aus Plüderhausen, die mit ihrem Mann täglich zum Schwimmen kommt. Warnschilder hin oder her: Gleich werden sie wie gewohnt wieder ins erfrischende Nass eintauchen.

„Wir leben noch. Das Wasser soll man ja auch nicht trinken, sondern baden. Wem‘s nicht gefällt, soll draußen bleiben.“ Wen man auch fragt, so sehen das die frühen Badewilligen hier alle. Etwa zwei Männer, die seit Jahren aus Stuttgart hierherkommen. „Die haben die Proben nur an einer Stelle genommen“, behauptet einer von ihnen. „Nach dem Schwimmen abduschen, dann ist es gut.“ Eine Absperrung, die es allerdings nur im Kinderbereich gibt, findet er nicht gerechtfertigt.

Trotz Verbot: Am Samstagnachmittag tummelten sich Hunderte im See

Die Reaktion der Gemeinde „ist übertrieben“, findet auch ein anderer Badegast.

„Es gibt auch eine Eigenverantwortung der Menschen“, hatte Bürgermeister Treiber betont. Die Gemeinde hatte jüngst ein Badeverbot für den See ausgesprochen.

Ihm sei wichtig, sagte Treiber, dass alle Besucher Kenntnis von dem Blaualgenvorkommen und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken haben. Die Gemeindeverwaltung werde aber niemanden aus dem See ziehen. Das wäre am Samstagnachmittag auch ziemlich anstrengend gewesen. Es tummelten sich, so sagt Seewart Martin Dannenhauer, mehrere Hundert im See.

Es brodelt, nicht nur bei Dannenhauer, der gern galligen, aber guten Seele des Sees. „Die Badegäste hätten den Mann, der am Freitagnachmittag die Schilder brachte, schier erschlagen“, schildert er drastisch die Stimmung. Auch er ist angefressen. „Die“, und damit meint er Verwaltung und Gesundheitsamt und bezieht mit einem Schlenker die ganze Regierung mit ein, „die machen uns zum Yogi!“

Kompliment an den Seewart: „Der macht seinen Job richtig!“

„Die Leute nehmen das nicht mehr ernst“, behauptet er und sagt: „Seit 1966 bad’ ich hier. Der See putzt sich selber!“ Biochemische Analysen - na und? Es ärgert ihn einfach. Diese Leute hätten keine Ahnung vom wahren Leben und Charakter des Plüderhäuser Badesees.

In seiner Empörung kommt sein Herzblut für den idyllischen Teich schwer in Wallung. Man muss diesen braun gebrannten Mann mögen; wird ihn aber lieber nicht in allem wörtlich zitieren wollen. „Kompliment. Der macht seinen Job richtig“, ist aber von einem der Badegäste zustimmend zu hören.

Ein Ausflugsbus mit Jugendlichen aus Odessa fährt den nächsten Badesee an

Als zwei DLRG-Mitarbeiter aufs Gelände kommen, erklärt Dannenhauer ihnen die Lage. Die beiden begleiten einen vor dem See wartenden Ausflugsbus des DRK Stuttgart mit ukrainischen Jugendlichen aus Odessa. Sie wollten einen Badeausflug nach Plüderhausen machen. Die DLRGler erklären, dass sie das Risiko hier nicht eingehen wollen und den nächsten Badesee anfahren.

„Es ist ein Natursee. Wir sind gesund!“, versichert jedenfalls aufmunternd einer der badewilligen Gäste zum Abschied. Im Gegenzug zum frostigen, höhnend tönenden Empfang, den wir bekamen: „Ah, die Zeitung! Hat nichts zu schreiben und kommt schon wieder zum Badesee.“

Gift Microcystin hin oder her: Auf den vielleicht doch kränkelnden und krank machenden Plüderhäuser Badesee lässt man hier nichts kommen.

Gefahr für Leib und Leben durch stark erhöhte Cyanobakterien wegen Blaualgen im Plüderhäuser Badesee? Deshalb gar ein Badeverbot? Ach was! „Da ist noch nicht ein toter Fisch im See!“, wettert diesen Sonntagmorgen etwa eine Mittfünzigerin aus Plüderhausen, die mit ihrem Mann täglich zum Schwimmen kommt. Warnschilder hin oder her: Gleich werden sie wie gewohnt wieder ins erfrischende Nass eintauchen.

„Wir leben noch. Das Wasser soll man ja auch nicht trinken, sondern baden. Wem‘s nicht

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