Plüderhausen

Barrierefreiheit am Bahnhof in Plüderhausen: Bahn verspricht vorerst keine Lösung

BahnhofBilger
Wie geht es weiter am Bahnhof (von links)? Larissa Knecht (Deutsche Bahn), die Gemeinderäte Sandra Jensen (FW-FD), Erich Wägner (GLU), Klaus Harald Kelemen (SPD) und Ulrich Scheurer (CDU), Robin Falk (Tiefbauamt), Steffen Bilger (CDU-Staatssekretär im Bundes-Verkehrsministerium) sowie der Plüderhäuser Bürgermeister Benjamin Treiber im Gespräch. © Gaby Schneider

Der Plüderhäuser Bahnhof ist ein Ärgernis – und das schon seit vielen Jahrzehnten. Denn er ist die einzige Haltestelle weit und breit, die von keiner Seite barrierefrei erreichbar ist. Nicht einmal Rampen gibt es. Dabei führt die Bahnstrecke mitten durch den Ort – und ist daher auch eine wichtige Verbindung zwischen dem Nord- und dem Südteil der Gemeinde.

Die Deutsche Bahn, eigentlich zuständig für diese Aufgabe, hat bislang nichts getan, um an der Situation etwas zu ändern. Und alle Bemühungen seitens der Gemeinde schlugen bislang ebenfalls fehl. Benjamin Treiber, der neue Bürgermeister von Plüderhausen, hat im Wahlkampf versprochen, neuen Schwung in die Sache zu bringen – und nun bei einem Vor-Ort-Termin Vertretern der Bundesregierung und der Bahn noch einmal deutlich gemacht, dass dies für viele Bürger „ein leidvolles Thema“ ist, das sie schon seit Jahrzehnten beschäftigt. Und die Enttäuschung groß gewesen sei, dass Plüderhausen dieses Jahr, trotz Empfehlung des Landes, nicht in ein Förderprogramm des Bundes für Bahnhofsmodernisierung aufgenommen wurde.

Steffen Bilger (CDU), der als Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium tätig ist, sagte bei dem Vor-Ort-Termin am Bahnhof: „Ich weiß, dass hier ein echter Bedarf da ist, aber wir hatten nur 280 Millionen Euro zur Verfügung – und 250 Bahnhöfe wurden uns gemeldet“, davon alleine 21 in Baden-Württemberg. Sprich: Mit den vorhandenen Mitteln habe man den Missstand in Plüderhausen diesmal nicht beheben können. 

Ob das Programm möglicherweise wegen der jetzt zu beseitigenden Flutschäden in der Bahninfrastruktur auf Eis gelegt werde, wollte SPD-Gemeinderat Klaus Harald Kelemen wissen. Das Förderprojekt solle fortgesetzt werden, antwortete Bilger. Angesichts der Bundestagswahl im September sei aber noch unklar, welche politischen Mehrheiten künftig herrschen werden.

Deutsche Bahn: In den nächsten 15 Jahren wird nichts passieren

Die Bahn-Vertreterin verwies indes auf den großen Sanierungsstau in der ganzen Republik. Es gebe konkrete Punkte, nach denen die sanierungsbedürftigen Bahnhöfe priorisiert werden, sagte Larissa Knecht, Vertriebsbeauftragte in der Region. „Und Plüderhausen ist nicht dabei.“ Das liege unter anderem daran, dass vor elf Jahren die Bahnsteige komplett erneuert und mit Leitstreifen für Blinde versehen wurden. „Der bauliche Zustand ist noch zu gut.“ Sie riet der Kommune auch, besser nicht zu warten, bis die Bahn sich der Sache annimmt. Das würde sicher noch 15 bis 20 Jahre dauern. Man könne aber auf der Südseite zumindest Rampen anbringen, meinte die Bahn-Vertreterin. Allerdings sei das dann eine städtebauliche Maßnahme – und der Bereich gar nicht im Besitz der Bahn. Doch damit wird man sich in Plüderhausen wohl nicht zufriedengeben.

CDU-Gemeinderat Andreas Theinert gefiel diese Antwort nicht, denn „wir haben hier eine Sondersituation, da der Bahnsteig von beiden Seiten blockiert ist. Dieser Zustand ist unhaltbar.“ Seit Jahrzehnten sei dieser bemängelt worden, doch nie sei etwas passiert. FW-FD-Gemeinderätin Claudia Jensen meinte, am Zustand des Bahnsteigs gebe es auch gar nichts zu bemängeln. Das Problem seien die Einstiegshöhen und eben die nicht barrierefreien Zugänge. Sie fragte sich: „Warum muss das immer eine politische Entscheidung sein. Es geht hier doch um Dringlichkeit.“ 

In Plüderhausen sei das jedenfalls kein parteipolitisches Thema, betonte GLU-Rat Erich Wägner, „in der Sache sind wir uns alle einig“.

"Es ist für uns alle ernüchternd"

Auch CDU-Gemeinderat Ulrich Scheurer meinte: „Die Zustände sind nicht mehr tragbar.“ Die Gemeinde habe schließlich den einzigen Bahnhof mit Mittelbahnsteig zwischen Stuttgart und Crailsheim.

„Es ist für uns alle ernüchternd, dass die Bahn nichts machen will“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Christian Gehring, der in Aussicht stellte, das Thema auf Landesebene anzusprechen.

Und Bürgermeister Benjamin Treiber meinte: „Wir sind sehr enttäuscht von der Bahn“, zumal die Barrierefreiheit der Bahnhöfe „originäre Aufgabe“ des Unternehmens sei. Und die Gemeinde sich, auch ein Stück weit Zeichen von Verzweiflung, dazu bereiterklärt habe, einen Anteil der Kosten zu übernehmen – obwohl sie gar nicht zuständig ist.

"Das ist für mich unverständlich"

Mit der Bahn hat Plüderhausen sogar eine Planungsvereinbarung in der Sache. Man habe sich deshalb bereits mit einem Planungsbüro zusammengesetzt und wolle zeitig Fördermittel beantragen. Allerdings könne die Gemeinde frühestens im Oktober mit einem Termin rechnen.

„Aber das muss auch bezahlbar sein“, sagte Treiber, schließlich sei Plüderhausen eine sehr finanzschwache Kommune. Die Barrierefreiheit sollte seiner Ansicht nach bei der Bahn Priorität haben, schließlich werden momentan viele Menschen von deren Nutzung ausgeschlossen. „Das ist für mich unverständlich.“

Gemeinde müsste sich bei zeitnahen Baumaßnahmen finanziell beteiligen

Ulrich Scheurer bat daher seinen Parteikollegen Bilger, die Sache doch bitte auf ganz oberster Ebene anzusprechen. Er könne das gerne tun, entgegnete der Staatssekretär. Allerdings ahne er schon, was die Bahn ihm dann entgegnen werde, nämlich: „Gerne, aber ihr gebt uns dann bitte das Geld.“ Letztlich sei es aus seiner Sicht aber nur eine Frage der Zeit, bis Plüderhausen in einem Bundes- oder Landesprogramm aufgenommen werde.

Dass die Kommune dabei immer auch noch einen gewissen Eigenanteil zahlen müsse, sei „eine große Hürde“, sagte Bürgermeister Treiber. Bei grob geschätzten Kosten für den Umbau von acht Millionen Euro sei etwa im Fall einer Förderung durch das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz ein zu erwartender Eigenanteil von 25 Prozent immer noch viel Geld.

Wer von diesem Termin schnelle Lösungen erhofft hat, dürfte wohl enttäuscht sein. Realistischerweise war das aber auch nicht zu erwarten gewesen. Doch die Gemeinde hat damit ihren Standpunkt bei den höheren politischen Ebenen klargemacht.

Der Plüderhäuser Bahnhof ist ein Ärgernis – und das schon seit vielen Jahrzehnten. Denn er ist die einzige Haltestelle weit und breit, die von keiner Seite barrierefrei erreichbar ist. Nicht einmal Rampen gibt es. Dabei führt die Bahnstrecke mitten durch den Ort – und ist daher auch eine wichtige Verbindung zwischen dem Nord- und dem Südteil der Gemeinde.

Die Deutsche Bahn, eigentlich zuständig für diese Aufgabe, hat bislang nichts getan, um an der Situation etwas zu ändern. Und alle

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper